Berlin: Das ist die gefährlichste Straße der Hauptstadt

Berlin: Der Fernsehturm ragt in den Himmel vor der Kulisse der Wohnhäuser im Berliner Innenstadtbezirk Moabit. Welche Straße in Berlin birgt das größte Verkehrsrisiko?
Monika Skolimowska/dpaIn ganz Deutschland kam es 2023 zu 291.890 Verkehrsunfällen mit Personenschaden. Auf welcher Straße ereigneten sich dabei in Berlin die meisten Unfälle?
Verkehrsunfälle in Deutschland
Die gesamte Anzahl der Unfälle laut dem Statistischen Bundesamt der letzten Jahre als Übersicht:
- 2021: 2.314.938, mit Personenschaden 258.987
- 2022: 2.406.465, mit Personenschaden 289.672
- 2023: 2 519 525, mit Personenschaden 291.890
- 2024: 2 507 790, mit Personenschaden 289.334
Fast zwei Drittel aller Verkehrsunfälle mit Personenschaden ereigneten sich in allen Jahren innerorts (176.948 - 203.260 Fälle). Außerorts auf Autobahnen kam es zu 65.632 bis 69.544 Verkehrsunfällen mit Personenschaden. Auf Autobahnen belief sich die Anzahl pro Jahr auf 16.407 bis 19.360.
Verkehrsunfälle in Berlin pro Kopf: Bundesländer im Vergleich
Entlang der Bundesländer kommt es zu Unterschieden bei der Anzahl der Verkehrsunfälle. Hier gibt es die Unfälle pro Kopf 2023 (pro 1000 Einwohner) in den deutschen Bundesländern laut Allianz auf einen Blick:
- Baden-Württemberg: 2,97
- Bayern: 3,46
- Saarland: 3,02
- Rheinland-Pfalz: 2,98
- Hessen: 2,85
- Thüringen: 2,45
- Sachsen: 3,08
- Nordrhein-Westfalen: 3,29
- Niedersachsen: 3,27
- Sachsen-Anhalt: 3,17
- Brandenburg: 3,20
- Berlin: 3,27
- Bremen: 3,92
- Mecklenburg-Vorpommern: 2,84
- Hamburg: 3,86
- Schleswig-Holstein: 3,95
Unter der Woche kam es 2023 in Deutschland an allen Tagen zu mehr Verkehrsunfällen als jeweils am Samstag oder Sonntag. Die Häufigkeit könnte mit der Verkehrsdichte zusammenzuhängen. Die häufigste Unfallursache war dabei mit 52.307 registrierten Fällen das Abbiegen, Wenden oder Einfahren in den Verkehr.
Berlin: Die gefährlichste Straße der Hauptstadt
In Berlin ereigneten sich im Jahr 2023 12.374 Verkehrsunfälle mit Personenschaden. Allianz hat dabei die zehn Straßen aufgelistet, in denen es am häufigsten krachte. Trauriger Spitzenreiter ist dabei die Frankfurter Allee. 50 Mal kamen bei Verkehrsunfällen Personen zu Schaden, 43 Menschen wurden leicht verletzt, 6 schwer und eine Person verstarb. Mit rund 3,6 Kilometer Länge ist die Frankfurter Allee eine der Hauptverkehrsadern der Hauptstadt. Weitere Unfall-Hotspots waren 2023 die Karl-Liebknecht-Straße, der Mariendorfer Damm und die Warschauer Straße mit jeweils zwischen 39 und 43 Unfällen. Die zehn gefährlichsten Straßen Berlins hinsichtlich der Häufigkeit an Verkehrsunfällen mit Personenschaden laut Allianz als Liste:
- Frankfurter Allee: 50 Verkehrsunfälle, 43 leichte Verletzungen, 6 Schwerverletzte, 1 Todesopfer
- Mariendorfer Damm: 43 Verkehrsunfälle, 38 leichte Verletzungen, 4 Schwerverletzte, 1 Todesopfer
- Karl-Liebknecht-Straße: 43 Verkehrsunfälle, 37 leichte Verletzungen, 6 Schwerverletzte, 0 Todesopfer
- Warschauer Straße: 39 Verkehrsunfälle, 37 leichte Verletzungen, 2 Schwerverletzte, 0 Todesopfer
- Osloer Straße: 38 Verkehrsunfälle, 31 leichte Verletzungen, 7 Schwerverletzte, 0 Todesopfer
- Brunsbütteler Damm: 37 Verkehrsunfälle, 28 leichte Verletzungen, 9 Schwerverletzte, 0 Todesopfer
- Invalidenstraße: 37 Verkehrsunfälle, 35 leichte Verletzungen, 2 Schwerverletzte, 0 Todesopfer
- Oranienstraße: 35 Verkehrsunfälle, 34 leichte Verletzungen, 1 Schwerverletzter, 0 Todesopfer
- Lichtenrader Damm: 35 Verkehrsunfälle, 33 leichte Verletzungen, 2 Schwerverletzte, 0 Todesopfer
- Friedrichstraße: 35 Verkehrsunfälle, 29 leichte Verletzungen, 6 Schwerverletzte, 0 Todesopfer
ADAC Brandenburg: Gravierende Mängel an Unfallschwerpunkten
Unübersichtliche Verkehrsführungen, unzureichende Radwege und problematische Kreuzungsdesigns sorgen in Berlin und in anderen Städten für eine hohe Unfallgefahr. Der ADAC Brandenburg hat in einer Mitteilung am 17. Dezember 2024 die Verkehrspolitik in Berlin kritisiert. Drei Jahre nach der ersten Erhebung seien immer noch zahlreiche Mängel an unfallträchtigen Kreuzungen in Berlin festgestellt worden. Teilweise handele es sich dabei um dieselben Missstände wie auch 2021. Über Jahre habe der ADAC Berlin-Brandenburg auf die gravierenden Mängel an diesen Unfallschwerpunkten hingewiesen, darunter erhebliche Fahrbahnschäden, schlecht sichtbare Radfahrer-Ampeln und unzureichende Beleuchtung.
Besonders am Schlesischen Tor, am Innsbrucker Platz, am Hauptbahnhof und am Alexanderplatz soll es in den letzten Jahren zu einer hohen Anzahl schwerer Unfälle gekommen sein. Reagiert worden sei auf Kritik des ADAC hin zum Beispiel am Frankfurter Tor. Die zumindest punktuelle Färbung der Radstreifen habe einen Rückgang der Unfälle um rund 25 Prozent bewirken können.
Trotz wiederholter Warnungen und Forderungen nach Verbesserungen wurden laut ADAC Brandenburg viele der notwendigen Maßnahmen an anderen Orten jedoch nur schleppend oder gar nicht umgesetzt. Martin Koller, Vorstand für Verkehr im ADAC Berlin-Brandenburg: „Solange eine Gefahrensituation in Berlin mit so einfachen Mitteln wie Farbe, dem Versetzen einer Linie oder dem Aufstellen eines Verkehrsschildes nur ansatzweise entschärft werden kann, muss sich der Berliner Senat Kritik gefallen lassen.“
Der ADAC Berlin-Brandenburg fordert daher die sofortige und entschlossene Umsetzung von Sicherheitsmaßnahmen an den Unfallschwerpunkten. „Die aktuellen Unfallzahlen und die hohe Anzahl betroffener Verkehrsteilnehmender zeigen, dass es hier um mehr als nur Infrastruktur geht – es geht um Menschenleben“, so Koller weiter.
