Boomer-Soli: Wie reichere Rentner den ärmeren helfen sollen

Bringt der „Boomer-Soli“ ärmeren Rentnern künftig mehr Geld im Portemonnaie?
Alicia Windzio/dpaReiche Rentner sollen die ärmeren unterstützen. So lautet zusammengefasst der Vorschlag des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin). Wie soll der sogenannte „Boomer-Soli“ funktionieren? Wir klären auf.
Boomer-Soli - So soll die Rente reformiert werden
Die Idee klingt simpel: Der „Boomer-Soli“ würde nach dem Vorschlag des DIW gezielt Personen mit hohen Alterseinkünften „moderat“ zur Kasse bitten. Einkommensschwache Rentner könnten so unterstützt, das Risiko für Altersarmut könne reduzieren werden. Für die Forscher liegt ein Vorteil des Boomer-Solis in seiner breiten Bemessungsgrundlage: Herangezogen würden demnach nicht nur gesetzliche Renten, sondern auch private und betriebliche Renten sowie sonstige Versorgungsbezüge, außerdem Pensionen von Beamt*innen und gegebenenfalls Vermögenseinkommen. Der Boomer-Soli würde laut DIW auch der Tatsache Rechnung tragen, dass die gesetzliche Rente für viele wohlhabende Haushalte oft nur eine geringere Rolle spielt und sonstige Alterseinkünfte wie Betriebsrenten oder auch Vermögenseinkommen einen deutlich größeren Anteil am Einkommen haben.
Das sind die Reaktionen auf den Boomer-Soli
Aus Politik und Gesellschaft gibt es gespaltene Reaktionen auf den „Boomer-Soli“: Von der Union kommt strikte Ablehnung. Die Mittelstandsbeauftragte der Bundesregierung, Gitta Connemann (CDU), sagt, ein „Boomer-Soli“ raube den Menschen Verlässlichkeit. „Jemand, der in die Rente eintritt, der sein Portfolio berechnet hat, (…) dem kann ich nicht so mal über Nacht sagen, ich nehme dir davon zehn Prozent weg“, sagte Connemann in der Sendung „Frühstart“ von RTL/ntv.
Lob kommt dagegen von der Vorsitzenden des Sachverständigenrates Wirtschaft, Monika Schnitzer. Der Grundgedanke des DIW sei auf alle Fälle richtig: „Die Rentenlast der Babyboomer kann nicht allein der immer kleineren Zahl von jungen Beitragszahlern aufgebürdet werden, die Babyboomer-Generation selbst muss einen Beitrag dazu leisten“, sagte die „Wirtschaftsweise“ den Funke-Zeitungen.
Keine Unterstützung kann sich das DIW in diesem Fall vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) erhoffen. DGB-Vorstandsmitglied Anja Piel mahnt, niemand brauche Vorschläge, die den Mangel niedriger Renten nur unter den Rentnerinnen und Rentnern umverteilen. „Ein Soli auf Renten lässt außerdem die größten Einkommen im Land unangetastet: Miet- und Pachteinnahmen, Unternehmensgewinne und Zinsen“, so Piel.
