Stromausfall in Berlin: Kein Strom bis Donnerstag - Anschlag politisch motiviert

Nach dem Brand einer Kabelbrücke gibt es in Berlin einen großflächigen Stromausfall. Auch S-Bahnen sind betroffen. Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) erklärte mittlerweile, der Brandanschlag sei politisch motiviert gewesen.
Michael Kappeler/dpa- Stromausfall im Südwesten Berlins durch Brand in Verteilerstation.
- Betroffen: Nikolassee, Wannsee, Zehlendorf, Lichterfelde.
- 10.000 Haushalte und Gewerbekunden ohne Strom.
- Ursache: Brand an Strom-Brücke über den Teltowkanal.
- Störung voraussichtlich bis 18.30 Uhr behoben.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Rund 7.000 vom Stromausfall betroffene Haushalte in Berlin werden seit den frühen Morgenstunden wieder mit Elektrizität versorgt. „Bis zum 4. Januar 3.23 Uhr konnten wir in mehreren Stufen rund 7.000 Haushalte und 150 Gewerbe insbesondere im Bereich Lichterfelde wieder versorgen“, teilte Stromnetz Berlin in der Nacht auf seiner Webseite mit. Damit sind noch rund 38.000 Haushalte und mehr als 2.000 Gewerbekunden nicht wieder am Netz. Am Samstag hieß es, dass 10.000 Haushalte in Lichterfelde im Laufe des Tages wieder mit Elektrizität zu Hause rechnen könnten - das hatte zunächst offenbar nicht geklappt.
Stromnetz Berlin geht weiterhin davon aus, dass erst am Donnerstagnachmittag wieder alle betroffenen Haushalte mit Strom versorgt werden können. Grund ist der sehr aufwendige Bau von Ersatzleitungen nach dem Brand einer Kabelbrücke über den Teltow-Kanal, wie ein Sprecher mitteilte.
Der Strom war am frühen Samstagmorgen in den Stadtteilen Nikolassee, Zehlendorf, Wannsee und Lichterfelde ausgefallen. Betroffen waren laut Stromnetz Berlin 45.400 Haushalte und 2.200 Gewerbebetriebe.
Ursache sei der Brand einer Kabelbrücke über den Teltowkanal, der mehrere Kabel zum nahegelegenen Kraftwerk Lichterfelde beschädigt habe. Das Feuer sei inzwischen gelöscht. Die Brandursache sei noch unklar, sagte der Sprecher.
Bei dem für politische Straftaten zuständigen Staatsschutz der Polizei ist ein Bekennerschreiben eingegangen. Derzeit werde geprüft, ob das Schreiben authentisch sei, teilte die Polizei auf der Plattform X mit. Wie der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) sagte, waren die Täter „offenkundig Linksextremisten“. Am frühen Samstagmorgen hatte der Brand an einer Kabelbrücke über den Teltowkanal zum Kraftwerk Lichterfelde wichtige Leitungen beschädigt. „Es ist inakzeptabel, dass erneut offenkundig Linksextreme unser Stromnetz angreifen und damit Menschenleben gefährden“, sagte Wegner.
Stromausfall: Betroffene Straßen in Berlin-Lichterfelde
Ohne Strom sind:
Ahlener Weg, Blochmannstr., Bürgipfad, Celsiusstr., Fahrenheitstr., Feldstr., Heiterwanger Weg, Hildburghauser Str., Holtheimer Weg, Lichterfelder Ring, Mercatorweg, Müllerstr., Osdorfer Str., Ostpreußendamm, Reaumurstr., Saaleckplatz, Scheelestr., Schöppinger Str., Schwatlostr., Silzer Weg, Wiedenbrücker Weg, Wismarer Str..
„Aufgrund der entstandenen erheblichen Schäden wird die Reparatur der Kabel sehr lange dauern“, teilte Stromnetz Berlin mit. „Aktuell arbeitet Stromnetz Berlin am Aufbau eines Provisoriums. Wir rechnen mit einer vollständigen Wiederversorgung aller Kundinnen und Kunden bis kommenden Donnerstagnachmittag (8.1.2026).“ Nötig sei umfangreicher Tiefbau und Kabelzug. Dies werde durch das Winterwetter erschwert. Außerdem laufe noch die Spurensicherung am Brandort.
Kriminalpolizei ermittelt am Tatort - Bitte um Hinweise aus der Bevölkerung
Nach der mutmaßlichen Brandstiftung ermittelt die Kriminalpolizei intensiv am Tatort. Kriminaltechniker untersuchten das Häuschen, zu dem eine Kabelbrücke mit Stromleitungen vom Kraftwerk Lichterfelde auf der anderen Seites des Teltowkanals führen, und das mutmaßlich angezündet wurde.
Auch eine Drohne war im Einsatz, um aus der Luft Fotos des Tatorts und der Umgebung zu machen, wie ein Sprecher sagte. Ob die Untersuchungen am Ort bis in den Abend dauern sollten und entsprechend alles ausgeleuchtet werden muss, stand zunächst noch nicht fest.
Im Internet bat die Polizei um Unterstützung aus der Bevölkerung: „Sollten Sie Hinweise zu den heutigen Kabelbränden haben oder in den frühen Morgenstunden auffällige Beobachtungen im Bereich der Bremer Straße in Lichterfelde gemacht haben, dann melden Sie sich bitte telefonisch.»
Ob es Verdachtsmomente zu einer politisch motivierten Tat von Extremisten gebe, war zunächst noch nicht bekannt. Davon hänge ab, ob das Landeskriminalamt (LKA) und der dort angesiedelte und zuständige Staatsschutz die Ermittlungen übernehme, sagte der Sprecher.
Alle Lebenslagen von Menschen in Berlin betroffen
Wegen des Stromausfalls funktionieren auch viele Heizungen nicht. Auch der Mobilfunk ist gestört. Im betroffenen Gebiet haben Läden geschlossen, Ampeln sind ausgefallen. Wenn die Lage über Tage andauert, müssen viele Menschen überlegen, ob sie woanders Unterschlupf finden.
Feuersprecher Adrian Wentzel sagte: „Es ist ein deutlicher Unterschied zum Sommer: Es wird um 16.00 Uhr dunkel, es wird kalt.“ Die Feuerwehr richte sich auf einen mehrstündigen Einsatz ein, „der sich auch garantiert noch bis in die Morgenstunden mindestens ziehen wird“.
Wegen Stromausfall - Ausfälle bei S-Bahnen und Regiozügen
Vermutlich wegen des großen Stromausfalls in Berlin ist ein Stellwerk der Bahn in Berlin Wannsee ausgefallen. Es kommt im S-Bahnverkehr und bei den Regionalzügen zwischen der Hauptstadt und Potsdam zu Ausfällen, wie eine Sprecherin der Deutschen Bahn mitteilte.
Konkret betroffen sind die S1 zwischen Zehlendorf und Wannsee sowie die S7 zwischen Charlottenburg und Potsdam Hbf. Bei den Regionalbahnen sind die Linien RE1 und RE7 betroffen. Für die ausfallenden S-Bahnen gibt einen Ersatzverkehr mit Bussen.
Wie lange die Ausfälle andauern, konnte die Sprecherin nicht sagen. Mitarbeiter der Bahn seien vor Ort und versuchen, das Stellwerk wieder ans Stromnetz zu bekommen.
Stromausfall in Berlin: Ähnliche Dimension wie im September
Von der Dimension ist der Stromausfall nach Angaben von Stromnetz Berlin vergleichbar mit einem ähnlichen Fall im September im Südosten Berlins, als anfangs 50.000 Kunden betroffen waren. Auch damals zog sich der Stromausfall über Tage hin.
Ursache damals war ein politisch motivierter Brandanschlag auf zwei Strommasten. Die Frage, ob auch diesmal eine politisch motivierte Brandstiftung dahinter stecken könnte, blieb zunächst offen. Die Polizei äußerte sich dazu auf Nachfrage zunächst nicht und verwies auf laufende Ermittlungen.
Bewohner in betroffenen Berliner Stadtteilen sollen wachsam bleiben
In dringenden Fällen sollten Menschen die Polizisten direkt ansprechen oder auf die nächste Wache oder Feuerwache gehen. „Bleiben Sie aufmerksam, helfen Sie gegebenenfalls Nachbarinnen beziehungsweise Nachbarn und wählen Sie den direkten Weg zur nächsten Wache, falls ein Notruf nicht möglich ist“, hieß es in einem Post auf X.
Berliner Feuerwehr richtet drei Anlaufstellen ein
Die Berliner Feuerwehr hat in dem Gebiet des Stromausfalls zunächst drei Anlaufpunkte für die Bevölkerung für Informationen und Hilfe eingerichtet. „Die Möglichkeiten zum Absetzen von Notrufen und Hilfe in Notsituationen erhalten Sie an folgenden Notrufannahmepunkten: Rathaus Wannsee (Chausseestraße / Königstraße), Mexikoplatz, Carl-Schumann-Sportanlage (Osdorfer Straße 52)“, teilte die Feuerwehr auf ihrer Internetseite mit.
Inzwischen sind mehr als 350 Feuerwehrleute im Einsatz. Dazu das Technische Hilfswerk und weitere Organisationen. Die Hilfsorganisationen könnten an zentralen Punkten für Notstrom und auch geheizte Zelte sorgen, hieß es. Die Lage sei im Januar bei Frost und Dunkelheit aber eine ganz andere als beim letzten Stromausfall im September, sagte ein Sprecher. Der Bezirk müsse sich darauf einstellen, als zuständige Behörde umfangreiche Hilfe anzubieten.
Die Berliner Feuerwehr hat in dem Gebiet des Stromausfalls zahlreiche Anlaufpunkte für die Bevölkerung für Informationen und Hilfe eingerichtet. Am frühen Abend hieß es auf der Internetseite der Feuerwehr, Möglichkeiten zum Absetzen von Notrufen und Hilfe in Notsituationen gebe es an folgenden Notrufannahmepunkten:
Anlaufpunkte der Berliner Feuerwehr im betroffenen Gebiet
1. Ehemals RH Wannsee, Chausseestraße 23, 14109 Berlin
2. Mexikoplatz, 14163 Berlin
3. Carl Schuhmann Sporthalle, Osdorfer Str. 52, 12207 Berlin
4. Hildburghauser Straße / Tirschenreuther Ring, 12279 Berlin
5. Andréezeile / Ladiusstraße, 14165 Berlin
6. Osdorfer Straße o. Nr. (16), 12207 Berlin
7. S-Bahnhof Wannsee Kronprinzessinnenweg o. Nr. (250), 14109 Berlin
8. OBI Heimwerkermarkt, Goerzallee 189, 14167 Berlin
9. S-Bahnhof Zehlendorf, Teltower Damm o. Nr. (35), 14163 Berlin
10. Feuerwache Wannsee, Kronprinzessinnenweg 20, 14109 Berlin
Der Bezirk Steglitz-Zehlendorf richtete Notunterkünfte ein, auch das Gemeindehaus der Emmaus-Kirchengemeinde öffnete zeitweise für Menschen, die sich aufwärmen und ihre Handys aufladen wollten. Das Rathaus Zehlendorf stellte hierfür sein Foyer zur Verfügung. Im Jugendkeller der Paulus-Gemeinde und im Matthäus Gemeindehaus am Steglitzer Kreisel können sich die Menschen ab den Morgenstunden aufwärmen. Der Bezirk schrieb aber auch: „Da der Stromausfall noch auf unbestimmte Zeit andauern wird, weichen Sie bitte auf Familie, Freunde und Bekannte aus.“
Notunterkünfte bislang nur gering ausgelastet
Der Bezirksstadtrat Tim Richter (CDU) geht davon aus, dass der Bedarf nach Unterkunftsplätzen in den kommenden Tagen steigen werde. Jetzt seien die Wohnungen noch relativ warm, sagte Richter, aber in den kommenden Tagen würden Minusgrade in der Nacht erwartet. Dann kühlten die Wohnungen und Häuser aus, weil Heizungen nicht mehr funktionieren. Der Bezirk habe bereits am Samstag zwei Notunterkünfte aufgebaut. Weitere sollen am Sonntag folgen.
Wie eine Mitarbeiterin des Roten Kreuzes in einer Notunterkunft berichtet, würden einige Menschen nur kurz bleiben, um sich aufzuwärmen oder das Handy zu laden. Einige hätten sich auch heißes Wasser in Thermoskannen abgefüllt. Bislang sei die Auslastung gering - 250 Betten stünden zur Verfügung. In der Notunterkunft bekommen die Menschen auch eine warme Mahlzeit und können duschen.
Heizung ausgefallen
Die Polizei zeigte mit Hunderten Beamten verstärkt Präsenz auf den dunklen, verschneiten Straßen. An einigen Punkten errichtete sie Lichtmasten, um mehr Sicherheit und Sichtbarkeit zu schaffen. Der Stromausfall bedeutete auch, dass neben der Straßenbeleuchtung auch Alarmanlagen nicht mehr funktionierten.
Schon tagsüber mussten Supermärkte und viele Läden schließen, weil ohne Elektrizität nichts mehr ging. Heizungen funktionieren ohne Strom ebenfalls meist nicht, weil der für Pumpen und Regler gebraucht wird. Sogar die Fernwärme war nach Angaben des Senats beeinträchtigt, weil die Pumpen ohne Strom die Wärme nicht zuverlässig transportieren.
Handy sparsam nutzen
Im Gebiet des Stromausfalls liegen auch mehrere Pflegeheime, deren Bewohner teils in andere Einrichtungen gebracht wurden. Krankenhäuser stellten auf Notstromversorgung um.
Die Polizei informierte per Lautsprecherwagen und gab auch über soziale Netzwerke Tipps: „Prüfen Sie daher, ob Sie die Möglichkeit haben, bei Freunden oder Verwandten unterzukommen. Nutzen Sie Mobiltelefone sparsam. Denken Sie an ältere oder hilfsbedürftige Personen und bieten Sie Hilfe an. Halten Sie für die Abendstunden Taschenlampen oder batteriebetriebene Leuchten bereit.“
Giffey zum Stromausfall: Möglichst bei Freunden unterkommen
Der Stromausfall ist nach Einschätzung von Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey besonders schwerwiegend. „Das Ausmaß ist größer, als bei dem Stromausfall in Adlershof im September 2025“, erklärte die SPD-Politikerin. Menschen, die bei Freunden oder Familienangehörigen außerhalb der betroffenen Gebiete unterkommen könnten, sollten dies tun, riet sie.
Gearbeitet werde nun nach dem im Dezember verabschiedeten „Resilienzkonzept für die Stromversorgung“, erläuterte die Senatorin. „Alle Krisenstäbe sind eingesetzt und arbeiten eng zusammen. Wichtig ist jetzt, alle Maßnahmen einzuleiten, die schnell zu einer besseren Lage führen, und die umfassende Information der Bevölkerung sicherzustellen.»
Giffey bestätigte, dass nur etwa 10.000 Haushalte in Lichterfelde von den insgesamt 45.400 betroffenen Haushalten damit rechnen können, noch am Samstag wieder Elektrizität zu bekommen. „Für die anderen 35.000 betroffenen Anschlüsse müssen wir davon ausgehen, dass die Reparaturarbeiten bis zum Donnerstagnachmittag, den 8. Januar 2026, andauern werden.“

