Prinz Philip, Ehemann der britischen Königin Elizabeth II., ist tot. Der Duke von Edinburgh sei am Freitagmorgen friedlich auf Schloss Windsor gestorben, teilte der Buckingham-Palast in London mit. Philip war vor einigen Wochen in einer Spezialklinik am Herzen operiert worden und hatte mehrere Wochen im Krankenhaus verbracht. Mitte März entließ man ihn nach Hause, wo er nun im Alter von 99 Jahren starb. Im Juni hätte er seinen 100. Geburtstag gefeiert.
Es ist ein großer Einschnitt für die britischen Royals und Großbritannien. Die BBC spielte die Nationalhymne im Fernsehen - Premierminister Boris Johnson hielt eine live im Fernsehen übertragene Ansprache und würdigte Philip als „Stärke und Stütze“ der Queen. „Wir trauern heute mit Ihrer Majestät der Queen“, so der Premier.

Dienstältester Prinzgemahl der britischen Geschichte

Der Herzog von Edinburgh, so sein offizieller Titel, war seit 1947 mit Elizabeth verheiratet. Seit deren Krönung 1953 war er Prinzgemahl und galt als wichtigste Stütze der heute 94 Jahre alten Queen. Er war einer der markantesten Köpfe des europäischen Hochadels und hatte auch deutsche Wurzeln. Der deutsche Botschafter in London, Andreas Michaelis, würdigte Philip als Brückenbauer zwischen Großbritannien und Deutschland. Er habe dabei geholfen, eine enge Partnerschaft zwischen beiden Ländern zu entwickeln, twitterte der Diplomat.
Philip galt als fleißiger Royal und ging erst im Alter von 96 Jahren in den Ruhestand. Sein letzter offizieller Auftritt war bei einer Militärparade der Royal Marines im August 2017 vor dem Buckingham-Palast. Ein Hintertürchen hatte sich „Rentner Philip“ offen gehalten, nämlich als gelegentlicher Begleiter der Queen bei Terminen. Zuletzt wurde er aber kaum noch in der Öffentlichkeit gesehen. Er war der dienstälteste Prinzgemahl der britischen Geschichte.

Abgeschottet in der Corona-Pandemie auf Schloss Windsor

Große Teile der Corona-Pandemie verbrachte Philip gemeinsam mit der Queen auf Schloss Windsor in der Nähe von London - abgeschottet durch einen stark reduzierten Kreis an Hofpersonal. Selten hatte das Paar in den vergangenen Jahren ähnlich viel Zeit gemeinsam verbracht.
Der Prinzgemahl war für seinen Charme und Humor bekannt - und zugleich für seine rhetorischen Fehltritte. Bei den von Prinz Harry und seiner Frau Meghan erhobenen Rassismusvorwürfen gegen den Palast wurden er und die Queen jedoch nachträglich aus der Schusslinie genommen.

2011 „Oldie des Jahres“

Auch über das Alter machte Philip seine Witze: „Nichts baut einen mehr auf, als wenn man daran erinnert wird, dass die Jahre immer schneller vergehen und dass der Lack beginnt, vom alten Rahmen abzublättern“, schrieb er in einem Brief, als er 2011 den Titel „Oldie des Jahres“ bekam.
Philip war vierfacher Vater: Neben Thronfolger Prinz Charles gehören auch Prinzessin Anne, Prinz Andrew und Prinz Edward zu seinen Kindern. Britischen Medien zufolge soll er bei Ärger in der Familie bis zuletzt wichtiger Berater für die Queen gewesen sein, etwa bei den Vorwürfen sexueller Übergriffe gegen Andrew.

Aus dem Haus Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg

Philip wurde am 10. Juni 1921 als Prinz von Griechenland und Dänemark auf Korfu geboren. Er stammte aus einer Königsfamilie Griechenlands und war Spross des Hauses Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg. Seine Kindheit und Jugend waren unglücklich. Die Familie musste von Griechenland ins Exil nach Frankreich fliehen. Der Vater kümmerte sich kaum um ihn, die Mutter wurde psychisch krank. Als Ziehvater diente sein Onkel mütterlicherseits, Lord Louis Mountbatten, dessen Nachnamen er später annahm.
Im Zweiten Weltkrieg diente Philip bei der britischen Marine. Im Jahr 1939 traf er auf Betreiben von Louis Mountbatten als Kadett erstmals die damals 13-jährige Elizabeth. Es soll Liebe auf den ersten Blick gewesen sein. Sechs Jahre nach der Hochzeit fand 1953 Elizabeths Krönung in der Westminster Abbey in London statt. Als Prinzgemahl musste Philip seine militärische Karriere aufgeben. Louis Mountbatten wurde 1979 bei einem Bombenattentat der IRA (Irisch-Republikanische Armee) getötet - für Philip erneut ein schwerer Schlag.

Herz-Probleme, OPs an Hand und Hüfte

Obwohl er für sein hohes Alter als erstaunlich rüstig galt, litt Philip in den vergangenen Jahren mehrfach unter gesundheitlichen Problemen: Das Herz machte ihm zu schaffen, er hatte Blasenentzündungen, musste an der Hand operiert werden und bekam mit 96 Jahren ein neues Hüftgelenk. Erst mit 97 gab er seinen Führerschein nach einem Unfall ab. Kurz vor Weihnachten 2019 kam er für einige Tage ins Krankenhaus - nach Angaben des Palastes eine Vorsichtsmaßnahme. Heiligabend feierte Philip aber schon wieder mit seiner Familie das Weihnachtsfest auf dem Landsitz Sandringham. Bei seinem letzten und längsten Aufenthalt im Krankenhaus 2021 unterzog er sich einem Eingriff am Herzen.
Großbritannien, Ascot am 16.06.2011: Die britische Königin Elizabeth II. und ihr Gatte Prinz Philip winken, während sie in einer Pferdekutsche am dritten Tag des Royal Ascot Pferderennens ankommen. (Archivbild)
Großbritannien, Ascot am 16.06.2011: Die britische Königin Elizabeth II. und ihr Gatte Prinz Philip winken, während sie in einer Pferdekutsche am dritten Tag des Royal Ascot Pferderennens ankommen. (Archivbild)
© Foto: Alastair Grant/dpa

Johnson: Prinz Philip war „Stärke und Stütze“ der Queen

Der britische Premierminister Boris Johnson hat den verstorbenen Ehemann von Königin Elizabeth II., Prinz Philip, als wichtigen Lenker des britischen Königshauses und der Monarchie gewürdigt. Auch dank ihm sei das Königshaus „eine Institution, die unbestreitbar bedeutsam für das Gleichgewicht und das Glück unseres nationalen Lebens bleibt“, sagte Johnson in einer Ansprache vor dem Regierungssitz Downing Street.
Prinz Philip habe sich die Zuneigung von Generationen im Vereinigten Königreich, quer durch den Commonwealth und rund um die Welt erarbeitet. Aus seinen Erfahrungen im Zweiten Weltkrieg habe er einen „Geist des Dienens“ entwickelt, den er auch nach dem Krieg durch alle Veränderungen hindurch bewahrt habe.
Philip sei seiner Zeit weit voraus gewesen, beispielsweise in seinem Engagement für die Umwelt, so der konservative Politiker weiter. Vor allem hob Johnson die Rolle des Herzogs von Edinburgh als Wegbegleiter der 94 Jahre alten Queen hervor. Er sei „nicht nur als Gemahl an ihrer Seite an jedem Tag ihrer Regentschaft, sondern als Ehemann mehr als 70 Jahre lang ihre Stärke und Stütze“ gewesen, so Johnson.

Bundespräsident: Prinz Philip war hochgeschätzt in Deutschland

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat den britischen Prinzen als Versöhner von Großbritannien und Deutschland geehrt. „Wir Deutsche trauern um eine gewinnende Persönlichkeit, die einen wichtigen Beitrag zur Versöhnung unserer Nationen nach den Schrecken des Zweiten Weltkrieges geleistet hat“, teilte das deutsche Staatsoberhaupt am Freitag mit. „Als Angehöriger der Royal Navy kämpfte Prinz Philip für die Befreiung Europas vom nationalsozialistischen Terror. Sein Einsatz für Demokratie und Freiheit wird uns in Erinnerung bleiben.“ Er selber, so Steinmeier, habe Philips „scharfsinnigen Humor“ bei Begegnungen in London und Berlin „persönlich mit großem Vergnügen“ erleben dürfen.
Steinmeier (65) kondolierte Königin Elizabeth II. (94) zum Tod ihres Mannes: „Mit tiefer Trauer habe ich die Nachricht vom Tod Ihres Gemahls vernommen. Ich möchte Ihnen, der Königlichen Familie und Ihrem Volk auch im Namen meiner Landsleute meine tiefempfundene Anteilnahme aussprechen. Prinz Philip war in Deutschland beliebt und hochgeschätzt. Prinz Philip war Ihnen, Ihrer Familie und dem britischen Volk eine Stütze in schwierigen und in guten Zeiten. Mit Haltung, Charme und Witz hat er die Hochachtung und Liebe der Bevölkerung Ihres Königreiches gewonnen.“

Merkel: „Tod von Prinz Philip erfüllt mich mit großer Trauer“

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat nach dem Tod von Prinz Philip der Queen und ihrer Familie kondoliert. „Der Tod von Prinz Philip erfüllt mich mit großer Trauer“, erklärte Merkel laut einem Tweet der stellvertretenden Regierungssprecherin Ulrike Demmer am Freitag. „Seine Freundschaft zu Deutschland, seine Geradlinigkeit und sein Pflichtbewusstsein bleiben unvergessen.“

US-Präsident Biden würdigt Prinz Philips Einsatz für die Briten

US-Präsident Joe Biden hat nach dem Tod von Prinz Philip der Queen, ihrer Familie und dem britischen Volk sein Beileid ausgedrückt. Der Prinzgemahl habe im Laufe seines Lebens erlebt, wie sich die Welt dramatisch verändert habe, hieß es in einer schriftlichen Stellungnahme Bidens.
Prinz Philip habe sein Leben den Menschen im Vereinigten Königreich gewidmet. Sein Erbe werde nicht nur durch seine Familie weiterleben, sondern auch durch die vielen wohltätigen Zwecke, für die er sich eingesetzt habe.
Der ehemalige US-Präsident Bill Clinton und seine Ehefrau, die frühere Außenministerin Hillary Clinton, würdigten ebenfalls den Einsatz von Prinz Philip und sprachen der Queen, der Königlichen Familie und dem britischen Volk ihr Mitgefühl aus. Sie erklärten: „Wir haben über die Jahre jede Gelegenheit genossen, ihn zu treffen, und werden immer tief dankbar sein für die Freundlichkeit, die er uns entgegengebracht hat.“
Die Vorsitzende des US-Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, sprach der Königlichen Familie das Beileid des US-Kongresses aus. Das Leben von Prinz Philip habe sich durch dessen hingebungsvollen Dienst ausgezeichnet, schrieb Pelosi in einem Tweet.

Weltweite Anteilnahme und Trauer

Der Tod von Prinz Philip hat weltweit Anteilnahme und Trauer hervorgerufen. So zeigten sich die Königshäuser in Norwegen, Schweden, Niederland, Dänemark und Belgien ebenso tief betroffen wie Australiens Premier Scott Morrison, Neuseelands Ministerpräsidentin Jacinda Ardern, EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen, Israels Staatspräsident Reuven Rivlin und Regierungschef Benjamin Netanjahu, Russlands Präsident Wladimir Putin, der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan, Indiens Premierminister Narendra Modi, Polens Präsident Andrzej Duda, Ägyptens Präsident Al-Sisi, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, UN-Generalsekretär António Guterres, Prinz Albert II. von Monaco und Österreichs Präsident Alexander Van der Bellen. Auch Georg Friedrich Prinz von Preußen, Ururenkel des letzten deutschen Kaisers Wilhelm II., hat sich nach dem Tod von Prinz Philip erschüttert gezeigt.

Englands Fußball trauert um Prinz Philip - Mourinho unterbricht Pk

Nach dem Tod von Prinz Philip hat der Englische Fußballverband FA der Königsfamilie kondoliert und den Royals sein tiefstes Mitgefühl ausgedrückt. „Unsere Gedanken sind bei der königlichen Familie“, hieß es in einer Mitteilung vom Freitag. „Als Zeichen unseres Respekts werden alle Flaggen in Wembley und im St. George's Park auf halbmast wehen.“
Prinz Philip, der Duke von Edinburgh, war von 1955 bis 1957 FA-Präsident und danach Ehrenpräsident des nationalen Verbandes.
An der Seite der britischen Königin Elizabeth II. besuchte er das WM-Endspiel 1966 in Wembley, das die Engländer gegen Deutschland gewannen. Auch beim EM-Triumph der deutschen Nationalmannschaft war er 1996 mit der Queen als Ehrengast in dem weltberühmten Londoner Stadion dabei.
Tottenham-Hotspur-Coach José Mourinho unterbrach sogar die Pressekonferenz des Londoner Premier-League-Vereins, als die Nachricht vom Tod Prinz Philips zu ihm durchgesickert war. „Ich habe einen tiefen, tiefen, tiefen, äußersten Respekt vor der Königlichen Familie“, sagte der Trainer und brachte sein tiefstes Mitgefühl zum Ausdruck. „Ich glaube, dass diese Gefühle nicht nur in diesem Land geteilt werden“, betonte der 58 Jahre alte Portugiese.
Zum Gedenken an den Duke von Edinburgh wurde bei Cricket-Spielen in der englischen Bezirksmeisterschaft und beim Pferderennen Grand National am Freitag eine zweiminütige Pause eingelegt. Prinz Philip war für zwei Amtszeiten Präsident des in Lords ansässigen Marylebone Cricket Clubs.

Westminster Abbey: 99 Glockenschläge in Gedenken an Prinz Philip

Nach dem Tod von Prinz Philip sollten die Glocken der weltberühmten Kirche Westminster Abbey in London am Freitagabend 99 Mal läuten - einmal für jedes Lebensjahr des Ehemanns von Königin Elizabeth II. Ab 18.00 Uhr Ortszeit (19.00 Uhr MESZ) solle es pro Minute einen Glockenschlag zum Gedenken an den verstorbenen Prinzgemahl geben, wie die Kirche mitteilte. Die Regierung rief wegen der Corona-Pandemie Trauernde auf, keine Blumen niederzulegen und sich nicht in Gruppen zu versammeln.

„Operation Forth Bridge“: Was nach dem Tod von Philip geschieht

Auf den Tod von Prinz Philip folgt die „Operation Forth Bridge“. Der Code-Begriff - nach der gleichnamigen Eisenbahnbrücke über den Firth of Forth nahe der schottischen Hauptstadt Edinburgh - bezeichnet den bereits abgesprochenen Ablauf bis zur Beerdigung des Ehemanns von Königin Elizabeth II. - lange vorbereitet, tritt der Plan nun in Kraft. Der Code für den Tod der Queen ist ebenfalls seit Jahren bekannt: „Operation London Bridge“.
Bis zur Beerdigung des Herzogs von Edinburgh gilt demnach eine landesweite Trauerzeit. Die Queen und andere Royals werden keine Termine wahrnehmen - das bedeutet, dass die Königin als Staatsoberhaupt in dieser Zeit keine Gesetze mit ihrer Unterschrift in Kraft setzen kann.

Flaggen wehen auf Halbmast

Im Parlament in London wird der königliche Zeremonienstab in schwarzes Tuch geschlagen, die Abgeordneten tragen schwarze Bänder am linken Arm und männliche Parlamentarier eine schwarze Krawatte. Auch die Königsfamilie wird in der gesamten Zeit nur in Trauerkleidung erscheinen und Armbinden tragen. Flaggen wehen auf halbmast.
Als Prinzgemahl steht dem Herzog von Edinburgh ein Staatsbegräbnis zu. Allerdings soll der Prinz gesagt haben, er wünsche kein Aufheben. Erwartet wird daher eine eher privatere Zeremonie, militärisch angehaucht, in der St George's Chapel im Schloss Windsor, wo Philip seit Beginn der Pandemie mit der Queen residierte. Beerdigt wird er dann wohl in Frogmore Gardens, wo sich auch das Grab von Queen Victoria befindet.

Begräbnis während der Corona-Pandemie

Wohl auch wegen der Corona-Pandemie und der geltenden Regeln im Vereinigten Königreich fällt das Begräbnis aber vermutlich ohnhin kleiner aus als in normalen Zeiten. Fraglich ist auch, ob ausländische Ehrengäste überhaupt zur Zeremonie kommen können. Für die Einreise nach Großbritannien sind nämlich strenge Regeln in Kraft: Ankommende müssen sich für zehn Tage in Selbstisolation begeben. Wer aus einem als Hochrisikogebiet ausgewiesenen Land kommt, etwa aus Südafrika oder Südamerika, muss sogar in Hotel-Quarantäne. Die Regel gilt auch für Journalisten, die über die Trauerfeierlichkeiten berichten wollen.
Die Flagge vor der britischen Botschaft weht auf halbmast.
Die Flagge vor der britischen Botschaft weht auf halbmast.
© Foto: Wolfgang Kumm

Britische Botschaft setzt Flagge auf Halbmast

Die Flagge an der britischen Botschaft in Berlin ist anlässlich des Todes von Prinz Philip auf halbmast gesetzt worden. Auch an der Residenz der britischen Botschafterin Jill Gallard in Grunewald sowie an den Konsulaten in Düsseldorf und München sei das veranlasst worden, teilte Botschaftssprecherin Amelie Heinrichsdorff mit. Zudem sei vor dem königlichen Wappen an der Botschaftsfassade an der Wilhelmstraße eine Absperrung eingerichtet worden, damit etwa Blumen und Kerzen abgelegt werden können. Ein Kondolenzbuch werde es ebenfalls geben - jedoch nicht vor Ort sondern digital. Derzeit sei noch nicht klar, ab wann es ausliegen wird.