Corona Deutschland aktuell: Immer mehr Infektionen bei Jüngeren - Durchschnittsalter so niedrig wie nie

Jens Spahn zufolge sinkt das Durchschnittsalter der Corona-Infizierten. Jüngere Menschen sind mobiler. In der Mitte der RKI-Grafik links ist die aktuelle Altersverteilung zu sehen.
Screenshot RKI/Michael Kappeler, dpaDie Corona-Pandemie greift weiter um sich, weltweit ist die Grenze von 20 Millionen Infizierten überschritten, fast 750.000 Menschen sind - Stand 13.08.2020 - mit oder an Covid-19 gestorben.
In Deutschland verläuft die Corona-Krise mit bisher rund 221.000 nachgewiesenen Infektionen und 9217 Toten vergleichsweise glimpflich. Allerdings haben die Werte in Deutschland in den vergangenen Wochen wieder zugenommen. Und am Donnerstag wurde mit 1445 neuen Corona-Infektionen binnen 24 Stunden sogar ein Höchststand seit Anfang Mai erreicht.
Die gute Nachricht: Die Zahl der Menschen in Deutschland, die wegen Covid-19 in Krankenhäusern behandelt werden müssen, ist von 22 Prozent Mitte April auf nunmehr 6 Prozent gesunken. Bei der Zahl der Toten sank die Kurve dem ZDF zufolge von 6 Prozent auf 0,01.
Zahl der Corona-Neuinfektionen steigt - Mehr jüngere Menschen infiziert
Bisher hatte sich der Fokus bei Corona vorwiegend auf ältere Menschen gerichtet, weil es immer hieß, dass eine Infektion mit dem Coronavirus, genauer gesagt, eine Erkrankung an Covid-19, vorwiegend ältere Menschen treffe als Jüngere.
Das scheint sich jetzt in Bezug auf die Neuinfektionen deutlich zu ändern. Wie Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) erklärt, habe man zurzeit eine Rekordzahl an jüngeren Infizierten zu verzeichnen.
Durchschnittsalter bei Corona-Infektionen so niedrig wie noch nie
Jens Spahn überraschte am Donnerstag im ZDF-Morgenmagazin auf die Frage, warum einerseits die Zahl der Infizierten steige, zugleich aber der Anteil der in Krankenhäusern behandelten Infizierten sinke, mit seiner Aussage: „Das Durchschnittsalter der Neuinfizierten sinkt. Wir hatten vergangene Woche im Schnitt mit 34 Jahren das niedrigste Durchschschnittsalter seit Beginn.“ Zum Vergleich: Im April lag es noch bei etwa 50 Jahren.
Das heiße also, so Spahn weiter, „dass unter Jüngeren im Moment viele Infektionen stattfinden, und dass es da dann auch weniger schwere Verläufe gibt - Gottseidank.“
Jens Spahn mahnt zu Wachsamkeit: Gefahr vor Ansteckungen mit dem Coronavirus
Mehr Infizierte, aber weniger im Krankenhaus - alles prima also? Keineswegs. Der Gesundheitsminister gibt zu bedenken, dass dennoch bei Jüngeren ein Risiko herrsche, denn: „Man besucht irgendwann die Eltern, die Großeltern. Man hat vielleicht im Freundeskreis auch bei Jüngeren Menschen mit chronischen Erkrankungen, mit Vorerkrankungen. Vielleicht arbeiten einige in der Pflege, im Krankenhaus, in anderen Bereichen.“ Soll heißen: Jüngere Infizierte können auch viele Menschen mit dem Coronavirus anstecken.
Risiken einer Infektion mit Corona senken
Deswegen erklärte Spahn in der ZDF-Sendung, dass es angesichts vieler Neuinfektionen unter Jüngeren weniger schwere Verläufe, sprich, Infizierte in Krankenhäusern gebe. „Aber“, so warnt Spahn, „es bedeutet auch, weiterhin sehr, sehr wachsam miteinander zu sein, weil es eben doch dann zu oft schwersten Verläufen kommen kann und eben auch zu Todesfällen. Wenn wir nicht aufeinander aufpassen, in der Familie, im Freundeskreis, am Arbeitsplatz.“
Was Intensivbetten, die ambulante Behandlung und den öffentlichen Gesundheitsdienst angehe, könne man mit steigenden Zahlen umgehen. Man habe in den vergangenen Monaten aber auch gesehen, dass die Pandemie sehr schnell eine Dynamik bekommen könne, „ wo und das entgleitet“. Deswegen gelte es, vermeidbare Risiken zu reduzieren.
Bereits am Mittwoch hatte Jens Spahn vor Partys oder Leichtsinn bei Veranstaltungen mit einer größeren Anzahl von Menschen gewarnt. Jüngere Menschen sind mobiler als ältere und stecken sich nach den Lockerungen von Kontakt-einschränkunen und Reisebeschränkungen möglicherweise deshalb nun häufiger an.
Hoffnung auf einen Impfstoff gegen das Coronavirus
Spahn gab sich auch zuversichtlich, dass es bald einen Impfstoff gegen dass Coronavirus geben werde. „Wir werden wahrscheinlich so schnell einen Impfstoff haben bei einem neuen Virus wie noch nie zuvor in der Menschheitsgeschichte“, sagte Spahn. Er sei optimistisch, dass es „in den nächsten Monaten und sicher im nächsten Jahr einen Impfstoff verfügbar geben kann“. Details wie die Dauer der damit erreichbaren Immunität seien jetzt aber noch nicht absehbar.




