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: Gesundheitspolitiker wollen kürzere Quarantänezeit bei Coronavirus-Verdachtsfällen

Nur fünf Tage Quarantäne bei einem Verdacht auf Corona? Geht es nach Gesundheitspolitiker aller Fraktionen könnte die Zeit der Isolation bald verkürzt werden. Warum fünf Tage ausreichen könnten.
Von
Tobias Knaack mit AFP
Berlin
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Auf der Autobahn A7 werden Reisende aus Risikogebieten mit einer Leuchttafel "Rückreise aus Risikogebiet? Quarantäne einhalten!" auf die notwendigen Quarantänemaßnahmen hingewiesen. Die Zeit der Quarantäne könnte bald von 14 auf fünf Tage verkürzt werden.

Stefan Puchner/dpa

Gesundheitspolitiker mehrerer Fraktionen haben für kürzere Quarantänezeit bei Verdachtsfällen einer Infektion mit dem Coronavirus plädiert.

Corona-Maßnahmen: Drosten schlägt fünf Tage Quarantäne vor

„Ich halte es für sehr sinnvoll, die Quarantänezeit auf fünf Tage zu begrenzen“, sagte der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach der Zeitung „Welt“ (Freitagsausgabe). Es sei bekannt, dass die allermeisten Menschen fünf Tage nach Beginn der Symptome nicht mehr ansteckend sind, auch wenn der Corona-Test noch ein positives Ergebnis ausweise. Zuvor hatte der Berliner Virologe Christian Drosten kürzere Isolationszeiten bei Verdachtsfällen vorgeschlagen.

Drosten: Unterschied zwischen Quarantäne und Isolierung

In der Debatte um einer Verkürzung der Quarantänezeit bei Corona-Verdachtsfällen hat der Berliner Virologe Christian Drosten klargestellt, dass er keine Verkürzung dieser Zeit von 14 auf fünf Tage vorgeschlagen habe. „Isolierung und Quarantäne geraten durcheinander“, schrieb Drosten am Freitag im Kurzbotschaftendienst Twitter. Sein Vorschlag sei eine Reduktion der Isolierungszeit bei sogenannten Clustern von Infizierten auf zum Beispiel fünf Tage.

Grundsätzlich gilt eine Quarantäne für Menschen, die Kontakt zu Infizierten hatten. Eine Isolierung gilt für Infizierte. Auch unter Berufung auf die Äußerung Drostens war eine Debatte über eine verkürzte Quarantänezeit aufgekommen.

Corona Quarantäne verkürzen: Schneller zurück zur Arbeit und in die Schule

„Wenn wir die Quarantänezeit auf fünf Tage begrenzten, wäre die gesellschaftliche Akzeptanz für die Maßnahme deutlich höher“, sagte Lauterbach. Das ganze Leben wäre weniger unterbrochen, weil Menschen schneller an den Arbeitsplatz und in die Schulen zurückkehren könnten. Mit einer verkürzten Quarantänezeit würde der gleiche Effekt für die öffentliche Gesundheit erreicht werden wie bislang, sagte Lauterbach. Möglicherweise wäre der Effekt sogar größer, „weil sich mehr Menschen an die Quarantänezeit hielten“.

Gesundheitsministerium prüft Verkürzung der Quarantäne

Die gesundheitspolitische Sprecherin der Unionsfraktion, Karin Maag, erklärte, dass derzeit eine Prüfung zu dem Thema stattfinde. Bund und Länder hätten das Bundesgesundheitsministerium und das RKI damit beauftragt, „die vorhandene Studienlage zur Quarantäne auszuwerten - und dann im Austausch mit den europäischen Partnern einen Bericht vorzulegen“. Auf dieser Basis werde dann entschieden, „ob eine verkürzte Quarantäne angeraten werden kann“, sagte Maag.

„Sollte es neue Ergebnisse bezüglich der Infektiosität geben, muss die aktuelle Politik reagieren“, sagte auch die gesundheitspolitische Sprecherin der FDP-Fraktion, Christine Aschenberg-Dugnus. Das bedeute konkret, „dass beim Auftreten von Symptomen lediglich eine fünftägige Quarantäne völlig ausreichend ist“.

Corona-Quarantäne: AfD kritisiert Regierung

Die Grünen-Gesundheitsexpertin Kordula Schulz-Asche sieht das ähnlich: Bei Verdacht auf einen Kontakt mit einem Infizierten könnte es für viele Menschen sinnvoll sein, zunächst „in eine verkürzte Quarantäne zu gehen und diese mit einem negativen Test abzuschließen“. Der gesundheitspolitische Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion, Detlev Spangenberg, kritisierte die Maßnahmen der Bundesregierung: „Die Aussage von Herrn Drosten bestätigt die Meinung der AfD, dass die bisherigen Maßnahmen überhastet und nicht ausgewogen angesetzt wurden.“

Ministerium: Keine Verkürzung der Quarantäne bei Corona

In der Diskussion um eine mögliche Verkürzung der Zeit des Zuhausebleibens bei Kontakt mit dem Coronavirus hat das Bundesgesundheitsministerium klargestellt, dass es nicht um die Quarantänevon Kontaktpersonen, sondern um die Isolation Infizierter geht. Der vom Virologen Christian Drosten formulierte Vorschlag ziele darauf, die Isolierung von infizierten Personen, die das Virus also ausscheiden, unter bestimmten Bedingungen auf fünf Tage zu verkürzen, sagte ein Sprecher von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Freitag in Berlin. Diese Isolationszeit beträgt derzeit zehn Tage.

Corona-Regeln: So lange müssen Kontaktpersonen in Quarantäne

Die 14-tägige Quarantäne gelte für Personen, die Kontakt zu Infizierten hatten, erklärte der Sprecher weiter. In den 14 Tagen sei nicht klar, ob sie sich selbst infiziert haben. Daran soll festgehalten werden. Derzeit gelte die 14-tägige Quarantäne, betonte auch Regierungssprecher Steffen Seibert. Die 14-Tage-Frsit gilt in aller Regel auch für Rückkehrende aus Risikogebieten.

Ob die Isolationszeit für Infizierte verkürzt wird, ist noch nicht entschieden. Die grundlegende Empfehlung dafür gibt das Robert-Koch-Institut. Das Institut und das Ministerium würden die Anregung aufnehmen und darüber beraten, sagte der Sprecher des Gesundheitsministeriums.