Corona Deutschland aktuell: Studie: Wie eine Coronavirus-Infektion sich auf die Nieren auswirken kann

Ein Ultraschallbild des Herzens: Eine Infektion mit dem Coronavirus kann neben Herz, Lunge und Gehirn auch die Nieren befallen, ergab eine Studie.
Soeren Stache/dpaEine Erkrankung durch das Coronavirus mit Covid-19 und die Behandlung, etwa durch eine Langzeitbeatmung, kann nach Angaben des Robert Koch-Institut (RKI) verschiedene, gegebenenfalls irreversible (unumkehrbare) Folgeschäden und Langzeitauswirkungen beim Menschen verursachen.
Gesicherte Erkenntnisse gibt es dem RKI zufolge noch nicht. Aber man geht davon aus, dass es zu
Erkrankungen der Lunge
Neurologische Symptome wie Kopfschmerz und Schwindel
Gastrointestinale Symptome wie Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit, Magenschmerzen
Problemen mit dem Herz-Kreislauf-System
kommen kann.
Auch Nieren können von Coronavirus und Covid-19 betroffen sein
Neuen Erkenntnissen zufolge wird laut RKI „insbesondere bei schwer erkrankten beatmungspflichtigen Covid-19-Patienten das Auftreten von akutem, unter Umständen dialysepflichtigem, Nierenversagen beobachtet“, wie es dort heißt.
Dies bestätigt eine Studie des Universitätsklinikums Eppendorf (UKE) in Hamburg. Demnach kann das Coronavirus auch die Nieren von Patienten befallen und das Sterblichkeitsrisiko deutlich erhöhen. Mediziner des UKE untersuchten die Nieren von 63 an Covid-19 verstorbenen, meist älteren Patienten, wie die Klinik am Dienstag mitteilte.
Coronavirus in den Nieren von Covid-19-Toten gefunden
Bei 60 Prozent von ihnen fanden die Forscher das Sars-CoV-2-Virus in dem Organ. Das Team konnte auch zeigen, dass der Nachweis von Coronaviren in den Nieren mit einem erhöhten Risiko für ein akutes Nierenversagen einherging. Bei Patienten, die vor ihrem Tod ein akutes Nierenversagen erlitten hatten, war die Niere in 72 Prozent der Fälle befallen, bei den übrigen zu 43 Prozent.
Virus vermehrt sich auch in anderen Organen als der Lunge
„Dies ist ein Erklärungsansatz für das häufige Nierenversagen bei einer Covid-19-Infektion, das zu den wesentlichen Sterblichkeitsfaktoren zählt“, sagte Studienleiter und Direktor der III. Medizinischen Klinik und Poliklinik am UKE, Tobias Huber. Dem Forscherteam gelang es zudem, den Erreger aus der Niere eines Verstorbenen zu isolieren. Innerhalb von 48 Stunden habe sich das Virus in Nierenzellen 1000-fach vervielfältigt. „Unsere Ergebnisse geben Hinweise darauf, dass sich der Sars-CoV-2-Erreger auch in anderen Organe als der Lunge aktiv vermehren kann“, erklärte der Co-Studienleiter und Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie, Virologie und Hygiene, Martin Aepfelbacher.
Bereits zuvor war bekannt, dass das Coronavirus neben der Lunge auch andere Organe befallen kann, beispielsweise das Herz. Die Forscher regten an, bei der Behandlung von Corona-Patienten frühzeitig auf Organbeteiligungen zu achten. „Im Fall der Niere ist dies durch Urintests möglich“, sagte Huber. Die Mediziner veröffentlichten ihre Erkenntnisse im britischen Fachmagazin „The Lancet“.


