Corona Boehringer Ingelheim: Boehringer testet neuen Antikörper: Medikament gegen Covid-19 als Ergänzung zu Impfstoff

Boehringer testet bereits den zweiten Antikörper im Kampf gegen das Coronavirus und die potenziell tödliche Lungenerkrankung Covid-19.
Boehringer/dpa- Die Corona-Fallzahlen steigen weiter, auch die Inzidenz in Deutschland nimmt immer noch zu - und das nicht nur an Corona-Hotspots.
- Weltweit werden Medikamente und wirksame Impfstoffe gegen das Coronavirus entwickelt.
- Kostenlose Schnelltests vor Weihnachten sollen die Sicherheit und den Schutz vor Corona-Neuinfektionen erhöhen.
- Die Pläne für Massenimpfungen sind fertig, Impfzentren in Deutschland sind vorbereitet.
- Angesichts der weiter steigenden Zahlen trotz des zweiten großen Lockdowns in Deutschland und der jetzt in Großbritannien aufgetretenen Mutation des Virus ruhen die Hoffnungen auf den Impfstoffen vor allem von Biontech und Moderna.
Doch es laufen gleichzeitig auch Forschungen zu wichtigen Medikamenten gegen das Coronavirus in anderen Bereichen.
Forschung und Studie bei Boehringer zu neuem Antikörper-Medikament gegen Corona
Seit Januar erforscht ein Team beim Pharmakonzern Boehringer Ingelheim, der mit dem Boehringer-Standort in Biberach sein weltweit größtes Forschungs- und Entwicklungszentrum betreibt, Behandlungsmöglichkeiten gegen die Folgen einer Corona-Infektion und auch zur Vermeidung einer Erkrankung. Bereits im Oktober hatte das Unternehmen den Start einer Phase-2-Studie mit dem Wirkstoff BI764198 bekannt gegeben. Der Antikörper soll die Lungenschädigung und das Risiko schwerer Atemnot bei Covid-19 Patienten vermindern.
Jetzt meldet Boehringer, dass in Zusammenarbeit mit Forscherteams
ein weiteres mögliches Medikament im Kampf gegen die schwere und potenziell tödliche Corona-Lungenkrankheit Covid-19 Erfolg versprechend sei. Der vorläufige Name des Antikörper-Medikaments: BI767551 (DZIF-10c).
Auch der neue Wirkstoff soll, wie schon BI764198, das Virus quasi neutralisieren können. Es handelt sich ebenfalls um einen Antikörper. Diese Proteine können Viren gezielt ausschalten und haben ein großes Potenzial, effektiv zum Schutz und zur Therapie der Erkrankung eingesetzt zu werden, wie es in einer aktuellen Mitteilung von Boehringer heißt. Mit dem neuen Antikörper sei ein weiterer großer Schritt gelungen.
Tests mit Corona-Antikörper von Boehringer an Probanden laufen
Demnach hat BI767551 (DZIF-10c) das Coronavirus SARS-CoV-2 in vorklinischen Tests unschädlich gemacht. Jetzt gebe es grünes Licht für die klinische Prüfung, der neue Antikörper wurde demnach bereits den ersten Probanden verabreicht.
Am Freitag haben die vier an dem Forschungsprojekt beteiligten Partner den Start der klinischen Phase-1/2a-Studie zu BI767551 offiziell bekanntgegeben. Bei den aktuellen Studien werden
die Sicherheit,
die Pharmakokinetik (Aufnahme und Verteilung des Wirkstoffs) und
die antivirale Aktivität des Antikörpers
untersucht. In Phase 1 wird der Antikörper den Probanden entweder über eine einmalige Infusion oder über eine einmalige Inhalation gegeben. Wenn der Antikörper hier eine gute Verträglichkeit zeige, solle er in weiter fortgeschrittenen Studienphasen weiter untersucht werden, heißt es.
Antikörper BI767551 aus Blut von genesenen Patienten gewonnen
Der neue Antikörper wurde an der Uniklinik Köln aus dem Blut von genesenen Covid-19-Patienten gewonnen. An der Universität Marburg wurde die Neutralisationsaktivität gegen SARS-CoV-2 untersucht und der Antikörper wurde gemeinsam mit Boehringer Ingelheim weiterentwickelt. Boehringer Ingelheim produziert die Antikörper für die klinischen Prüfungen.
„Wir wollen mit BI767551 eine Möglichkeit schaffen, COVID-19 besser behandeln und verhindern zu können“, erklärt Prof. Dr. Florian Klein, Direktor des Instituts für Virologie der Uniklinik Köln und Projektleiter am DZIF.
So kann der Boehringer-Antikörper gegen Corona eingesetzt werden
Der Mitteilung von Boehringer Ingelheim und Biberach zufolge könnte der neue Antikörper Impfstoffe und Schutzmaßnahmen wie Masken und Abstandsregeln wirksam ergänzen. Dabei hätten sie verschiedene Einsatzmöglichkeiten:
So könnten sie sowohl zum Schutz vor einer Infektion
als auch zur Therapie leichter und schwerer Krankheitsfälle eingesetzt werden.
Untersucht wird auch der Einsatz zur so genannten Postexpositionsprophylaxe. Hier wird der Antikörper Personen verabreicht, die mit dem Virus in Kontakt gekommen, aber noch nicht erkrankt sind.
Durch die direkte inhalative Gabe in die Lunge hat BI 767551 das Potenzial, seine Schutzwirkung gegen eine Virusinfektion schneller zu entfalten.
Das ist der Boehringer-Standort in Biberach
Fakten und Zahlen rund um den Boehringer-Standort in Biberach.
Das Werk Biberach ist dem Unternehmen zufolge das größte internationale Forschungs- und Entwicklungszentrum von Boehringer Ingelheim.
Es handelt sich um den größten Standort in Europa für die Herstellung von biopharmazeutischen Wirkstoffen auf Basis von Zellkulturen, globaler Launch-Standort für diese Wirkstoffe.
In Biberach arbeiten mehr als 6300 Menschen bei Boehringer, das sind 12 Prozent der weltweiten Mitarbeiterzahl und 40 Prozent der Mitarbeiterzahl in Deutschland.
Das Betriebsgelände in Biberach umfasst mehr als 642.000 Quadratmeter. Davon entfallen auf Büros 63.800 Quadratmeter, auf Labore 42.680 Quadratmeter, auf die Produktion 30.420 Quadratmeter und auf Lager 47.080 Quadratmeter. Der Standort Biberach wird seit Jahren ausgebaut.


