Sind das richtige Ossis?
: So stellt sich Künstliche Intelligenz die DDR-Bürger vor

Wir haben ChatGPT gefragt, wie es sich die Ossis von damals vorstellt. Erkennt sich jemand von den ehemaligen DDR-Bürgern wieder?
Von
David Hahn
Berlin
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ARCHIV - Am 4. September 1989, haben erneut mehrere hundert ausreisewillige DDR-Bürger in Leipzig demonstriert. Die Menschen riefen immer wieder: "Wir wollen raus!". Auf den mitgeführten Plakaten standen Parolen wie: "Reisefreiheit statt Massenflucht". Fällt das Regime Mubarak? Erste Schritte zum Wandel haben Tunesier und Ägypter geschafft. Ein Blick auf das Aufbäumen gegen die kommunistischen Herrscher 1989 kann helfen, weitere Chancen und Gefahren besser einzuschätzen. dpa (nur s/w - zu dpa 0371 vom 01.02.2011) +++ dpa-Bildfunk +++

So stellt sich ChatGPT das Klischee von Mann und Frau aus der DDR vor.

Wolfgang Kumm/dpa

Bis heute halten sich zahlreiche Klischees, Vorurteile und Mythen rund um die DDR. Manche davon mögen zutreffen, viele aber auch realitätsfern sein. Die Vorstellungen der DDR haben dabei auch keinen Halt vor der KI gemacht. Wir haben ChatGPT gebeten, den typischen Mann und die typische Frau aus der DDR als Klischee zu beschreiben – inklusive Fotos. Herausgekommen sind Porträts, die zwischen humorvoller Übertreibung und vermeintlicher Alltagstreue vor allem mit einem Schmunzeln zu verstehen sind.

Die Initative „Wir sind der Osten“ hat sich zum Ziel gemacht, mit Klischees aufzuräumen und realistischere Bilder zu vermitteln. Das Team teilt Geschichten und Lebensläufe realer Personen aus dem Osten. Wer einen Einblick in die tatsächliche Lebenswirklichkeit gebliebener, geflohener und zurückgekehrten Menschen aus der (ehemaligen) DDR haben möchte, findet die Porträts hier auf ihrer Webseite.

Horst, 49 aus der DDR: Schlosser, Planerfüller und Held des Alltags

Horst ist laut ChatGPT das Klischee eines Mannes aus der DDR. Sein Wahlspruch: „Nu, da machen wa eben ne Lösung aus’m Westen passend!“

Horst ist laut ChatGPT das Klischee eines Mannes aus der DDR. Das Bild ist KI-generiert.

ChatGPT

Horst ist Schlosser im VEB Maschinenbau „Fortschritt“ und laut ChatGPT ein typischer Mann aus der DDR. Seit über 30 Jahren steht er nach Angaben der KI an der Werkbank, wo er mit stoischer Ruhe und bemerkenswerter Improvisationsgabe jede Ersatzteilkrise meistert. Seine Kollegen nennen ihn respektvoll „der Kessel-Horst“, nicht nur wegen seiner Arbeit am Dampfleitungsmodul, sondern auch wegen seines selbstgebauten Braukessels in der Datsche. Für seine 120 %ige Normerfüllung trotz ständiger Materialengpässe wurde er mit der Aktivisten-Medaille ausgezeichnet, die er mit stiller Würde trägt. Sein Wahlspruch: „Nu, da machen wa eben ne Lösung aus’m Westen passend!“

Zuhause wohnt Horst in einer schmucken Vier-Raum-Platte im 4. Stock ohne Fahrstuhl. Die Schrankwand „Serie Inter“ dominiert das Wohnzimmer, dekoriert mit Deckchen und einem Kunstdruck von Wilhelm Pieck. Im Regal stehen „Lexikon der DDR“, „Schwermaschinenbau – Grundlagen“ und ein Glas mit Schrauben. Im Keller lagert Bückware aus dem Intershop – „nur falls Besuch aus’m Westen kommt“.

In seiner Freizeit widmet sich Horst dem Trabant – liebevoll „der Kleene“ genannt. Jeder Zündaussetzer ist für ihn eher Herausforderung als Problem. Sobald der Motor tuckert, geht’s raus in die Datsche, wo Tomaten reifen und der Kessel brodelt. Mit einem Glas Selbstgebrautem in der Hand hört er Amiga-Rock von „Karat“ und schaut „Ein Kessel Buntes“, während die Antenne auf dem Dach heimlich Richtung Westberlin zeigt.

Politisch äußert sich Horst zurückhaltend. Das Westfernsehen „schaut man nicht – man prüft’s kritisch“. Die DDR hat er „nicht gewählt, aber gelebt“ – mit Pragmatismus, trockenen Kommentaren und einer Vorliebe für Ordnung, Planerfüllung und einen guten Tausch auf dem Schwarzmarkt.

Gisela, 44, aus der DDR: Sekretärin, Kollektivstütze und Alltagsstrategin

Gisela ist laut ChatGPT das Klischee einer Frau aus der DDR.

Gisela ist laut ChatGPT das Klischee einer Frau aus der DDR. Das Foto ist KI-generiert.

ChatGPT

Gisela arbeitet seit über 20 Jahren im Wohnungsbaukombinat „Friedensheim Süd“ – als Sekretärin der Betriebsleitung. Was das heißt? Sie weiß, wo der Locher steht, wer wann wie viele Schrauben bestellt hat und wie man sich durch ein dreifach durchschlagendes Formular kämpft, ohne die Nerven zu verlieren. Gisela ist das Rückgrat der Verwaltung – korrekt, pünktlich, wachsam. Wenn der Kollege Schulze wieder die „Fehlzeit wegen DFD“ vergisst einzutragen, zieht sie wortlos die passende Akte. So stellt sich zumindest ChatGPT das Klischee einer Frau aus der DDR vor.

Als gewerkschaftlich engagierte Kollegin sorgt sie der KI zufolge dafür, dass beim Betriebsausflug jeder seinen Bockwurst-Bon erhält – auch wenn der Bus mal wieder „wegen technischer Schwierigkeiten“ 45 Minuten später fährt. Dabei hat sie stets ein offenes Ohr für die Sorgen der Frauen im Kollektiv, vom zerplatzten Urlaubsschein bis zum fehlenden Gummiband im Nähzirkel.

Ihr Zuhause ist eine Drei-Zimmer-Neubauwohnung mit Einbauküche aus dem „Möbelkombinat Rüdersdorf“. Auf dem Küchenschrank thronen fünf Sorten Einweckgurken, im Wohnzimmer: Schrankwand mit Spitzendeckchen, künstliche Gladiolen und ein geklöppeltes Bild mit dem Spruch „Ordnung ist das halbe Leben“. Die Gardinen: gebügelt. Der RFT-Plattenspieler: gepflegt. Die West-Schokolade: sicher im Schrank. Giselas Motto: „Kind, man muss nehmen, was kommt – und sich was draus machen.“

In ihrer Freizeit ist Gisela beim Frauenchor des DFD, strickt im Kollektiv für das Kinderheim und führt ein akkurates Heft über jedes erhaltene Westpaket: Absender, Inhalt, Verfallsdatum. Zu Silvester gibt’s traditionell „Goldbroiler mit Kartoffelsalat“, Bowle mit Mandarinen aus der Dose, und zur Mitternacht läuft „Über sieben Brücken“ von Karat – ein Lied, bei dem selbst Gisela mal sentimental wird.

Politisch ist sie loyal – aber mit Bauchgefühl. Sie äußert Kritik nur zwischen Küche und Wäscheständer, meist mit einem kurzen „Also das find ich jetzt… komisch.“ Sie glaubt an das Gute im Sozialismus, aber auch an das „bisschen Luxus von drüben“. Für den Notfall lagert sie Nylonstrumpfhosen aus dem Westen – „aber nur zu besonderen Anlässen!“

Mehr nostalgische Beiträge rund um die DDR gibt es unter Ostalgie.