Bundeswehr: Marder, Leopard und Fuchs - Welche Waffen liefert die Bundeswehr an die Ukraine?

Ein Schützenpanzer "Marder" der Panzergrenadierbrigade 37 „Freistaat Sachsen“ rollt von einer Schwimmschnellbrücke an Land. Deutschland hat sich für die Lieferung von Schützenpanzern und eines Flugabwehrsystems an die Ukraine entschieden. Was ist die Rolle der Bundeswehr im Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine? Was wird in der aktuellen Debatte um Waffenlieferungen diskutiert?
Klaus-Dietmar Gabbert/dpaDie Bundeswehr dient der Verteidigung Deutschlands. Doch auch im Ausland werden die deutschen Streitkräfte eingesetzt, wie etwa in Mali oder zuletzt in Afghanistan. Im Krieg in der Ukraine hat sich die Bundeswehr bisher zögerlich gezeigt. Nach anfänglicher Ablehnung von Waffenlieferungen entschied sich die Regierung letztlich doch dazu Rüstungsgüter wie Panzerabwehrwaffen und Boden-Luft-Raketen an die Ukraine zu liefern. Am Donnerstag, 06.01.2023, wurde bekanntgegeben, dass nun auch Marder-Schützenpanzer und ein Patriot-Flugabwehrsystem an Kiew geliefert werden soll. Nach langem Zögern bedeutet dies nun also doch die Lieferung schwerer Waffen an die Ukraine.
- Was sind schwere Waffen?
- Warum zögert Deutschland mit Waffenlieferungen?
Welche Gründe dahinter stecken, wie stark die Bundeswehr ist und weitere Informationen rund ums deutsche Militär lest ihr im Artikel.
Bundeswehr: Bestand, Ausrüstung, Truppenstärke
Jeden Monat veröffentlicht das Verteidigungsministerium die aktuellen Personenzahlen der Bundeswehr. Im Januar 2022 leisten 183.758 Soldatinnen und Soldaten für Deutschland ihren Dienst. 119.187 davon sind Soldaten auf Zeit, das heißt freiwillige Wehrdienstleistende, 55.434 sind Berufssoldaten. Nachfolgend weitere Daten zur Truppenstärke der Bundeswehr:
- Heer: 62.766
- Luftwaffe: 27.381
- Marine: 16.196
Dazu kommen rund 82.000 zivile Beschäftigte. Insgesamt sind somit mehr als 260.000 Männer und Frauen bei der Bundeswehr tätig. Verglichen mit China, Russland und den USA ist das aber eine geringe Truppenstärke. Doch Deutschland ist ein NATO-Mitgliedsland und im Konflikt- oder Kriegsfall können Europa und Nordamerika auf 3,3 Millionen Soldaten der Nato zurückgreifen.
Bestand: Haubitzen, Mungo und Marder
Laut eigenen Angaben umfasste der Bestand der Bundeswehr 2019 über 4.600 gepanzerte und 11.500 ungepanzerte Fahrzeuge, darunter:
- 250 Hubschrauber
- 300 Flugzeuge
- über 50 Schiffe und Boote
- über 500 Feuerwehrfahrzeuge
Wie viele Waffen die Bundeswehr genau hat, ist aus strategischen Gründen nicht näher bekannt.
Waffenlieferung: Deutschland schickt 40 Schützenpanzer vom Typ Marder an die Ukraine
In der Debatte um weitere Waffenlieferungen an die Ukraine hat die SPD-Vorsitzende Saskia Esken die Abstimmung mit internationalen Partnern betont. Es gehe hauptsächlich darum, dass diese Lieferungen gemeinsam mit den internationalen Partnern besprochen werden müssten, sagte sie am Montag, 09.01.2023, im ARD-„Morgenmagazin“. „Denn wenn wir in guter Abstimmung handeln, dann sind wir auch stark und das stärkt auch der Ukraine den Rücken“, betonte Esken auf die Frage nach der Lieferung von Kampfpanzern an die Ukraine. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und der amerikanische Präsident Joe Biden hatten am vergangenen Donnerstag in einem Telefonat vereinbart, dass Deutschland und die USA der Ukraine erstmals seit Beginn des Krieges am 24. Februar 2022 Schützenpanzer für den Kampf gegen die russischen Angreifer liefern. Deutschland schickt etwa 40 Schützenpanzer vom Typ Marder und die USA Panzer vom Typ Bradley. Die Bundesregierung hatte außerdem bestätigt, ein Patriot-Flugabwehrsystem an Kiew liefern zu wollen. Das Pentagon lobte am Freitag die Entscheidung Deutschlands zur Bereitstellung des Patriot-Systems. Frankreich hatte ebenfalls am Mittwoch angekündigt, Spähpanzer in die Ukraine zu schicken.
Russland kritisiert deutsche Panzer-Zusage als Schritt zur Eskalation
Russland hat der Bundesregierung eine gefährliche Eskalation des Konflikts in der Ukraine vorgeworfen: Mit der geplanten Lieferung von Schützenpanzern und einem Patriot-Luftabwehrsystem an die Ukraine sei eine „moralische Grenze“ überschritten, „die die Bundesregierung nicht hätte überschreiten sollen“, hieß es in einer am Freitag veröffentlichten Erklärung der russischen Botschaft in Berlin. Russland betrachte die Waffenlieferungen „als einen weiteren Schritt hin zur Konflikteskalation in der Ukraine“.
Waffenlieferungen: Wird Deutschland auch Leopard-Panzer an die Ukraine liefern?
Nach der Zusage der Bundesregierung der Lieferung der Marder-Schützenpanzer forderten Politiker von Grünen, FDP und Union weitergehende Waffenhilfen. Die Ukraine müsse mit allem unterstützt werden, „was sie auf dem Gefechtsfeld braucht“, sagte der Grünen-Abgeordnete Anton Hofreiter. Die FDP-Verteidigungsexpertin Marie-Agnes Strack-Zimmermann forderte, „in einer zweiten Tranche“ auch den schweren Kampfpanzer Leopard 2 zu liefern.
Strack-Zimmermann sagte dem Sender Phoenix, die Bundesregierung müsse sich darauf vorbereiten, den deutschen Kampfpanzer Leopard 2 vorzuhalten. Da Deutschland davon nicht so viele zur Verfügung habe, könne er gemeinsam mit europäischen Partnerländern an die Ukraine geliefert werden. Dazu hätten sich zehn Länder bereit erklärt. Diese Lieferungen müssten von Deutschland genehmigt werden.
CSU-Chef Markus Söder und Landesgruppenchef Alexander Dobrindt unterstützten die Forderung nach Leopard-Kampfpanzern. Es müsse nun die militärische Ausbildung ukrainischer Soldaten am Leopard 1 und 2 aufgenommen werden, sagte Dobrindt am Freitag. Bei der eigentlichen Panzerlieferung sprach er sich dafür aus, das Modell Leopard 1 aus Beständen der Industrie zu liefern und den Leopard 2 aus dem Bestand der Bundeswehr.
Regierungssprecher Steffen Hebestreit sagte zu den Forderungen nach Leopard-Kampfpanzern, diese würden seit vielen Wochen und Monaten erhoben. Die Bundesregierung handele nach klaren Kriterien. Es gehe darum, die Ukraine so stark wie möglich zu unterstützen und gleichzeitig die Nato nicht zu einer eigenen Kriegspartei werden zu lassen. Außerdem gehe es darum, dass es keine nationalen Alleingänge gebe, sondern eine enge internationale Abstimmung.
Der ukrainische Vize-Außenminister Andrij Melnyk sagte dem Portal t-online, die Ankündigung der Bundesregierung sei „eine richtige, aber sehr verspätete Entscheidung mit bitterem Beigeschmack“. Die Ukraine habe „316 sehr lange und blutige Kriegstage“ warten müssen. Er hoffe auf weitere Lieferungen schwerer Waffen, „Kampfpanzer, Kampfjets, Kriegsschiffe“.
Markus Laubenthal: Vize-General gegen Lieferung schwerer Waffen
Die Spitze der Bundeswehr riet in der Vergangenheit von der Lieferung schwerer Waffen an die Ukraine ab und verwies auf die ohnehin dürftigen Panzer-Bestände der Bundeswehr. Würden diese Panzer an die Ukraine weitergegeben, würde das die Verteidigungsfähigkeit Deutschlands „doch erheblich schwächen“, so Markus Laubenthal, Vize-General der Bundeswehr.
Doch was genau sind eigentlich schwere Waffen? Eine Auflistung der Waffen und welche Länder diese bereits an die Ukraine liefern, findet ihr hier:
Aufrüstung: 100 Milliarden Euro für die Bundeswehr
Nicht zuletzt wegen des Ukraine-Kriegs hat die Bundesregierung einen historischen Schritt gemacht: 100 Milliarden Euro steckt die Regierung zusätzlich in die Bundeswehr. Das „Sondervermögen„ soll für Investitionen und Rüstungsvorhaben genutzt werden. Auch das lange verfehlte Nato-Rüstungsziel könnte damit nun erfüllt werden. Denn zukünftig fließen mehr als zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts in die Verteidigung.
Bundeswehr: Geschichte und Entstehung
Gegründet wurde die Bundeswehr 1955 – zehn Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und zur Zeit des Kalten Kriegs. Nach anfänglich nur 7700 Soldaten, erreichte die Bundeswehr bis Ende der 1960er Jahre eine Truppenstärke von rund 500.000 Mann. Nach seinem Einsatz für die Nato im Kalten Krieg war die Wiedervereinigung ein weiterer wichtiger Meilenstein in der Geschichte. Die rund 76.000 Soldaten der DDR wurden von Westdeutschland übernommen, 12.000 davon waren ehemalige DDR-Offiziere. Mit zwei Herausforderungen hatte die Bundeswehr in der Folge zu tun: Mit einer Verkleinerung und einer komplett neu konzipierten Truppe, einer „Armee der Freiheit„.
Bis zur Wiedervereinigung war die Bundeswehr ausschließlich landesintern im Einsatz, seit 1992 unterstützt sie weltweit in Krisengebieten.
Bundeswehr: Aufgaben und Auftrag
Dass der Bundesrepublik eine Armee zur Verteidigung zur Verfügung steht, ist im Grundgesetz festgeschrieben. Dort heißt es: „Der Bund stellt Streitkräfte zur Verteidigung auf.“ Auftrag und Aufgaben der deutschen Armee stehen im sogenannten „Weißbuch 2016„. Es ist das oberste sicherheits- und verteidigungspolitische Dokument und wird von der Bundesregierung herausgegeben. Der Kern der Verteidigung besteht vor allem in der Abwehr eines Angriffs auf Deutschland sowie Nato-Partnern und dem Schutz der Bevölkerung. Diese Aufgaben bestehen seit der Gründung der Bundeswehr, wurden aber inzwischen durch den Schutz vor Cyber-Bedrohungen, internationalem Terrorismus und Pandemien erweitert.
Russland-Ukraine-Konflikt: Wird die Bundeswehr eingesetzt?
In der Nacht auf den 24.02.2022 ist Russland in die Ukraine einmarschiert. Seitdem werden zahlreiche Städte bombardiert. Vor allem die ukrainische Hauptstadt Kiew war Opfer zahlreicher Angriffe.
Derzeit beteiligt sich die Bundeswehr nicht aktiv am Krieg in der Ukraine, da das Land kein NATO-Mitglied ist. Sollte Russland Nachbarländer, die zum NATO-Territorium gehören, angreifen, würde die Bundeswehr um einen aktiven Einsatz wohl nicht herum kommen.
