Diphtherie-Alarm in Deutschland: RKI warnt – für wen die Impfung wichtig ist

Am 30. April 2025 hat das RKI eine bundesweite Warnung für Diphtherie verkündet. Wir haben alle Informationen hier zusammengefasst.
Fabian Sommer/dpaDie heftigste Krankheitswelle von Diphtherie trat in den 1920er Jahren auf, an der jedes Jahr rund 15.000 Kinder und Säuglinge starben. Das Robert Koch Institut (RKI) hat am 30. April 2025 eine Warnung veröffentlicht, da es ein „Signal für einen bundesweiten Diphtherie-Ausbruch“ gibt. Alle Infos dazu gibt es hier:
Was ist Diphtherie? Symptome und Übertragung
Bei der Diphtherie handelt es sich um eine bakterielle Infektion, welche vor allem die Schleimhäute des Rachens, Kehlkopfes sowie der Nase angreifen. Infolgedessen fällt die Atmung schwer und kann schwere Organschäden, die das Herz, die Nerven und Nieren betreffen, verursachen. Die Krankheit wird per Tröpfcheninfektion übertragen (Husten, Niesen oder engem Körperkontakt) und kann, wenn sie unbehandelt bleibt, zum Tod führen. Seltener kommt es zu einer Übertragung über verunreinigte Gegenstände. Bei Hautdiphtherie kann der Erreger auch durch direkten Kontakt mit infizierten Hautstellen weitergegeben werden.
Die Symptome der Rachendiphtherie beginnen meist nach 2–5 Tagen Inkubationszeit mit Halsschmerzen, hohem Fieber, Schluckbeschwerden und Heiserkeit. Es kann ein pfeifendes Atemgeräusch beim Einatmen auftreten und die Halslymphknoten anschwellen. Im Rachenbereich bilden sich weißlich-gräuliche oder bräunliche Beläge, die sich bis zum Kehlkopf ausbreiten können. Diese Beläge haften fest und können bei Versuchen, sie zu entfernen, bluten. Schwere Verläufe können zu Atemnot und Erstickungsgefahr führen.
RKI warnt vor deutschlandweitem Ausbruch
Nicht nur Kinder und Säuglinge können diese Krankheit bekommen, sondern auch Erwachsene. Das RKI schreibt, dass es neue Hinweise darauf geben würde, dass in ganz Deutschland ein erneuter Ausbruch stattfindet. Diphtherie würde bisher vor allem bei vulnerablen Bevölkerungsgruppen, also schwer anfälligen Menschen, auftreten. Dazu gehören: Flüchtlinge, Obdachlose, drogenabhängige Menschen und im Allgemeinen Personen, die bisher noch nicht gegen Diphtherie geimpft wurden.
Das RKI erfasste in ganz Deutschland bis zum 28. April 2025 insgesamt 126 Fälle mit ST-547*. Die Zahlen teilen sich auf die letzten Jahre wie folgt auf:
- 2022: 55 Fälle
- 2023: 49 Fälle
- 2024: 18 Fälle
- 2025 (bisher bekannt): mindestens vier Fälle
Todesfälle in Brandenburg, Sachsen und Niedersachsen
In Folge einer neuen Genomsequenzanalyse wurden zwei Sub-Cluster festgestellt, die besonders einheimische Personen betreffen. Seit Juni 2023 gab es mindestens 15 Fälle der Hautdiphtherie im Raum Frankfurt am Main. Vor allem bei Obdachlosen oder Kontaktpersonen wurde diese Art von Diphtherie erkannt. Im zweiten Sub-Cluster, das seit Januar 2024 besteht, sind mindestens 10 Fälle in Berlin, Brandenburg, Sachsen und Niedersachsen aufgetreten. Drei Erkrankungen an respiratorischer Diphtherie (betrifft die Atemewege) führten dabei zum Tod, darunter ein ungeimpftes Kind in Brandenburg, eine Pflegeheimbewohnerin in Sachsen und eine aus Polen eingereiste Pflegekraft in Niedersachsen, bei der eine Ansteckung im Herkunftsland vermutet wird.
*ST-574 ist ein bestimmter Sequenztyp des Diphtherie-Erregers, welcher 2022 erstmals in Deutschland, nach einem europaweiten Ausbruch, ermittelt wurde.
Wie kann ich mich vor der Krankheit schützen?
Um präventiv vorzusorgen und nicht zu riskieren, die Krankheit irgendwann zu bekommen, ist eine Impfung die beste Option. In der Regel wird der Wirkstoff bereits wenige Monate nach der Geburt zum ersten Mal verabreicht und dann im fortschreitenden Säuglingsalter weiter gespritzt. Dies gewährleistet eine Grundimmunisierung. Die Voraussetzung für einen vollständigen Schutz von zirka 95 Prozent ist dabei die Impfung von drei Dosen.
Diphtherie - Alle Infos zur Impfung
Mittlerweile gehört der Wirkstoff gegen den Krankheitserreger der Diphtherie zu den Grundimpfungen eines jeden Kindes. Um eine Grundimmunisierung zu schaffen, lautet die aktuelle Empfehlung der STIKO (Ständige Impfkommission) folgenderweise: Erste Impfung im Alter von zwei Monaten, die zweite Impfung mit vier Monaten und die dritte mit 11 Monaten. Die erste Auffrischimpfung sollte im Alter von 5-6 Jahren erfolgen und die zweite Auffrischimpfung im Alter von 9-17 Jahren. Es wird jedoch anschließend empfohlen, alle 10 Jahre eine auffrischende Impfung zu erhalten.