Donald Trump
: Streit über Zollpolitik weitet sich aus

Mit scharfen Angriffen auf Goldman-Sachs-Chef David Solomon befeuert der Präsident die Sorge um unabhängige Wirtschaftsdaten. Die Bank warnt vor negativen Auswirkungen umfassender US-Zölle auf das globale Wachstum und US-Verbraucher.
Von
David Hahn
Washington
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US-Präsident Trump: 11.08.2025, USA, Washington: US-Präsident Donald Trump spricht mit Reportern im James Brady Press Briefing Room im Weißen Haus. Foto: Alex Brandon/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Seit Monaten schwelt der Streit über die Folgen von Donald Trumps Zollpolitik.

Alex Brandon/AP/dpa

Um die Auswirkungen der Zollpolitik und damit auch den Entscheidungen Trumps ist ein Streit entfacht. Schaden oder helfen die Zölle den USA? Während Trump mit allen Mitteln versucht, Erfolge auszuweisen, zeichnet eine aktuelle Studie von Goldman Sachs ein pessimistischeres Bild. Trump hat deswegen den Vorstandschef der Investmentbank, David Solomon, scharf kritisiert. Der US-amerikanische Präsident erhöht damit den Druck weiter auf unabhängige Statistiken und Studien.

Zollpolitik von Trump in der Kritik

Seit dem 1. Februar 2025 hat Trump neue Zölle auf Importe aus Mexiko, Kanada und China verhängt. Laut einem Reuters-Tracker haben bis Mitte August mindestens 333 Unternehmen weltweit auf die Maßnahmen reagiert. Zwischen dem 16. Juli und dem 8. August meldeten Firmen einen kombinierten finanziellen Schaden von 13,6 bis 15,2 Milliarden US-Dollar. Trotz der Handelskonflikte erreichten die US-Börsen zuletzt neue Rekordstände, befeuert durch die Euphorie um Künstliche Intelligenz und die Erwartung sinkender Zinsen.

Unter der Leitung des deutschen Chefvolkswirts Jan Hatzius kamen Analysten von Goldman Sachs zu dem Ergebnis, dass US-Verbraucher bis Juni bereits 22 Prozent der Zollkosten getragen haben. Sollte die aktuelle Entwicklung anhalten, könnte dieser Anteil auf bis zu 67 Prozent steigen. Bereits im April hatte die Bank vor negativen Auswirkungen umfassender US-Zölle auf das globale Wachstum gewarnt. Bei Trump stieß die Einschätzung auf Gegenwind.

Trump wettert gegen Manager von Goldman Sachs

US-Präsident Donald Trump hat den Vorstandschef der Investmentbank Goldman Sachs, David Solomon, scharf kritisiert. In einem Social-Media-Beitrag warf Trump dem Wall-Street-Manager vor, falsche Prognosen zu den wirtschaftlichen Folgen seiner Zollpolitik abgegeben zu haben. Wörtlich ins Deutsche übersetzt schrieb Trump:

„Billionen von Dollar kommen durch Zölle herein, was für unser Land, den Aktienmarkt, den allgemeinen Wohlstand und so ziemlich alles andere unglaublich gewesen ist. Es wurde bewiesen, dass selbst in diesem späten Stadium Zölle keine Inflation verursacht haben, oder irgendein anderes Problem für Amerika, außer, dass riesige Mengen BARGELD in die Kassen unseres Finanzministeriums strömen. Außerdem hat sich gezeigt, dass die Verbraucher diese Zölle größtenteils gar nicht zahlen; es sind vor allem Unternehmen und Regierungen, viele davon aus dem Ausland, die die Rechnungen begleichen. Aber David Solomon und Goldman Sachs weigern sich, dort Anerkennung zu geben, wo Anerkennung angebracht ist. Sie haben vor langer Zeit eine schlechte Prognose abgegeben, sowohl zu den Auswirkungen auf den Markt als auch zu den Zöllen selbst, und sie lagen falsch, so wie sie bei so vielem anderem falsch liegen. Ich denke, David sollte sich einen neuen Ökonomen suchen, oder vielleicht sollte er sich einfach darauf konzentrieren, DJ zu sein, und nicht versuchen, ein großes Finanzinstitut zu führen.“

Ein Sprecher von Goldman Sachs lehnte laut der Nachrichtenagentur Reuters eine Stellungnahme ab.

Konflikte mit Top-Managern häufen sich

David Solomon ist nicht der erste Konzernchef, der ins Visier des Präsidenten gerät. In den vergangenen Monaten attackierte Trump auch Intel-Chef Lip Bu-Tan wegen dessen China-Verbindungen sowie Apple-Chef Tim Cook für die Produktion von iPhones im Ausland.

Präsident Donald Trump entließ zuletzt auch die Leiterin der Statistikbehörde BLS, Erika McEntarfer, und ersetzte sie durch E.J. Antoni, den früheren Chefökonomen der rechtskonservativen Heritage Foundation. Die Arbeitsmarktzahlen waren vergangene Woche höher ausgefallen als erwartet. Ökonomen befürchten, dass offizielle Statistiken in Zukunft geschönt werden könnten.