Bislang hat Tierheim-Leiterin Jana Feister in Eisenhüttenstadt so gut wie jeden Hund angenommen. Doch damit könnte bald Schluss sein. „Wenn ich auf mein Kontostand schaue, dann bin ich fast an dem Punkt, wo ich entscheiden muss, ob ich den Hund annehme oder nicht.“ Bislang habe sie immer auch für schwer vermittelbare und damit kostenintensive Tiere eine Lösung gefunden.
Doch das kann sich schnell ändern. Während im Zuge von Corona die Hundepreise erst einmal massiv angestiegen waren, bewegen sie sich derzeit im Sinkflug. Dazu beigetragen hätten laut Jana Feister unter anderem die offenen Grenzen im Zuge der Ukraine-Krise. Damit wären viel mehr Tiere auf dem Markt. Andererseits will so mancher seine während der Pandemie erworbenen Tiere wieder loswerden. „Wir bekommen derzeit kaum noch einen Adoptenten“, erklärt Jana Feister.

Fundtiere sind oft ausgesetzte Hunde

Dabei muss sie in ihrem Tierheim weiterhin Tiere aufnehmen. So ist sie beispielsweise vertraglich dazu bei Fund-Tieren für die Stadt Frankfurt (Oder) verpflichtet. Das Ordnungsamt entrichtet dann für maximal 28 Tage eine Pauschale. Dann müsse sie zusehen, wie sie über die Runden kommt. Der Idealfall laut Jana Feister wäre, wenn sie nach genau 28 Tagen das Tier vermittelt bekäme. Doch das ist Wunschdenken.
Denn oft sind es auch einfach ausgesetzte Tiere, von denen sich die Halter wegen irgendwelcher Krankheiten beziehungsweise Gebrechen trennen wollen. So beispielsweise vor zwei Jahren bei einer am Katjasee ausgesetzten einjährigen Owtscharka-Hündin, die dringend eine teure Hüftoperation benötigte. Oder gerade ein in Frankfurt (Oder) aufgefundener sechswöchiger Mischlings-Welpe.

Vielleicht von polnischen Händlern zurückgelassen

Auch beim Welpen hat Jana Feister so ihre Zweifel. Wer verliert schon einen sechs Wochen alten Hund? „Normalerweise hätte der noch bei der Mutter sein müssen. Ich nehme an, dass polnischen Händlern es zu riskant war, ihn wieder zurück über die Oderbrücke zu nehmen. Da haben sie lieber auf die vielleicht möglichen 100 Euro verzichtet und ihn in Frankfurt ausgesetzt“, erklärt Jana Feister.
Natürlich habe sie sich des Tieres angenommen. Auch wenn sie diesen Hund nach einer gewissen Zeit wahrscheinlich gut vermitteln könne, erst einmal habe sie die Unkosten mit Quarantäne, Wurmkur, Impfung und Kastration. Dazu muss ihn noch ein Tierarzt untersuchen.

Hunde werden auf polnischen Bauernhöfen geboren

Dubioser Handel mit Welpen aus Polen ist kein neues Phänomen. Immer wieder werden Fälle bekannt und aufgedeckt. Bereits 2021 machte ein Tierschützer aus Berlin darauf aufmerksam. Er erklärte, was vor solchen Verkäufen in der Regel passiert: Die Hunde werden auf polnischen Bauernhöfen geboren – früher hätte man sie wohl einfach getötet. Für umgerechnet 30 bis 50 Euro oder auch mal nur für eine Flasche Schnaps kaufen die Händler die Welpen ab, die manchmal erst fünf oder sechs Wochen alt sind. Für 400 bis 800 Euro oder mehr werden die Tiere dann weiterverkauft, meist in Berlin, aber anscheinend auch in Frankfurt.

Mitunter auch Deutsche als Zwischenhändler

Laut Jana Feister werden die polnischen Händler immer gerissener. Zwar dürfen seit einiger Zeit auf dem Polen-Markt in Slubice keine Hunde verkauft werden, doch 100 Meter weiter beispielsweise aus dem Kofferraum sei das nach wie vor möglich. Da Welpen oft zwischen 500 und 2000 Euro kosten und in Slubice viele für viel weniger angeboten würden, lohne es sich laut Jana Feister für einige Deutsche schon, solche Tiere auch ohne Papiere über die Grenze zu nehmen.
Auch vermarkten viele polnische Händler teilweise durch deutsche Zwischenhändler beispielsweise über Ebay-Kleinanzeigen.
„Bei einem seriösen Händler gibt es immer einen Kaufvertrag, wird ein Impfausweise geführt und es wird Name und Adresse des Verkäufers angegeben.“ Es passiere jedoch auch, dass die Papiere gefälscht seien oder dass der Züchter nach wenigen Tagen nicht mehr erreichbar ist.

Hund zu agil für eine ältere Frau

So habe Jana Feister vor kurzem einen jungen Jack-Russell-Terrier von einer älteren Frau angenommen, die mit dem agilen Terrier überfordert war. „Ein seriöser Züchter achtet darauf, ob der Hund zum Halter passt. In der Regel erkundigt er sich auch nach den Haltungsbedingungen des Käufers. Doch dieser Züchter war nicht mehr auffindbar. Auf dem Foto lag um den Welpen herum viel Sand und Dreck. Das war für mich eher ein Hundevermehrer.“
Gerade solche Händler sind Jana Feister ein Dorn im Auge. Schließlich werden die Hündinnen oft mit Hormonen zu möglichst vielen Würfen geführt, die Welpen können sich oft nicht frei bewegen, lernen wenig und werden oft auch zu schnell von der Mutter getrennt. Oft sind dann die Tierheime die Leidtragenden, da sie sich dann oft dieser kränklichen Welpen annehmen müssen, die größtenteils als Fundtiere zu ihnen kommen.
Hinweis: Der Text ist im Original bereits im November 2022 erschienen. Weil er weiter auf großes Interesse stößt, haben wir ihn geprüft und noch einmal veröffentlicht.