Ebola-Ausbruch aktuell: Seltene Variante, kein Impfstoff - Was das Virus so gefährlich macht

Im Kampf gegen Ebola: Medizinisches Personal im Kongo arbeitet unter strengen Schutzvorkehrungen, doch gegen die aktuelle Variante gibt es kaum Impfstoff.
dpa/ Jerome DelayDer Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo sorgt derzeit international für Aufmerksamkeit. Besonders die Entscheidung, einen infizierten US-Patienten zur Behandlung nach Deutschland zu verlegen, wirft viele Fragen auf. Wie gefährlich ist Ebola wirklich und warum werden Erkrankte überhaupt nach Deutschland gebracht? Wir haben die wichtigsten Antworten zur aktuellen Lage zusammengestellt.
Was ist über den aktuellen Ebola-Ausbruch bekannt?
Im Osten der Demokratischen Republik Kongo steigen die Fallzahlen des aktuellen Ebola-Ausbruchs deutlich an. Nach Angaben der örtlichen Behörden wurden bereits mehr als 513 Verdachtsfälle sowie über 131 Todesfälle registriert, dies teilte der Gesundheitsminister der DR Kongo, Samuel Roger Kamba, mit. Auch im benachbarten Uganda wurden einzelne Fälle gemeldet. Der Ausbruch begann, laut dpa vermutlich bereits im April in der Provinz Ituri, wurde jedoch erst später offiziell gemeldet. Besonders kritisch ist, dass sich die Lage offenbar lange unbemerkt entwickeln konnte. Nach Informationen der Tagesschau ist der aktuelle Ausbruch bereits der 17. Ebola-Ausbruch im Kongo seit 1976.
Welche Virusvariante ist im Umlauf?
Erste Laborergebnisse deuten darauf hin, dass es sich nicht um den häufig vorkommenden Zaire-Ebolavirus handelt, sondern um eine andere Variante. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Gesundheitsbehörde der Afrikanischen Union (Africa CDC) handelt es sich sehr wahrscheinlich um die seltene Bundibugyo-Variante. Die genaue genetische Einordnung wird derzeit noch durch eine Sequenzierung überprüft. Ergebnisse werden in Kürze erwartet. Sollte sich der Verdacht bestätigen, handelt es sich um einen Erreger, für den die medizinischen Möglichkeiten eingeschränkt sind.
Wie gefährlich ist Ebola?
Ebola ist eine schwere, oft tödlich verlaufende Infektionskrankheit. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und das Robert Koch-Institut (RKI) informieren darüber, dass die Übertragung der Viren von Mensch zu Mensch erfolgt – in aller Regel durch direkten Kontakt mit bereits erkrankten Personen oder deren Körperflüssigkeiten. Eine ähnliche Ansteckung über die Luft oder durch alltäglichen Kontakt wie bei Grippe oder Covid-19 gilt nach aktuellem Stand nicht als typisch. Die Krankheit beginne dann oft ähnlich wie eine Grippe oder auch eine Durchfallerkrankung. Dann werde der Verlauf allerdings schwerwiegender, so die dpa. Letztlich sei die Todesursache in den meisten Fällen Multiorganversagen. Entscheidend für die Eindämmung ist daher die schnelle Isolation von Erkrankten und deren Kontaktpersonen.
Warum wird ein Patient nach Deutschland gebracht?
Ein mit Ebola infizierter US-Patient wird nach Deutschland gebracht, nachdem die US-Behörden um Unterstützung gebeten haben. Auch mehrere Kontaktpersonen mit erhöhtem Ansteckungsrisiko sollen verlegt werden. Grund dafür sind Deutschlands spezialisierte Hochsicherheits-Isolierstationen, etwa in Berlin, Hamburg und Frankfurt, und die Kürze der Flugdauer, so die Tagesschau. Die Charité in Berlin verfügt über die größte Einrichtung dieser Art und verbindet als einzige in Deutschland Infektiologie mit Intensivmedizin. Laut Bundesgesundheitsministerium besteht keine Gefahr für die Bevölkerung oder andere Patientinnen und Patienten, da der Mann vollständig isoliert behandelt wird. Nach Informationen der dpa gelten auch für kontaminierte Materialien strenge Sicherheitsmaßnahmen: Abwasser wird speziell aufbereitet, Schutzanzüge und Müll werden fachgerecht entsorgt.
Gibt es einen Impfstoff gegen Ebola?
Für einige Ebola-Varianten, insbesondere den Zaire-Typ, existiert inzwischen ein zugelassener Impfstoff, der im Ausbruchsfall gezielt eingesetzt wird. Für die aktuell vermutete Bundibugyo-Variante steht jedoch bislang kein breit verfügbarer, zugelassener Impfstoff zur Verfügung, so die dpa. Auch spezifische Therapien sind nur eingeschränkt vorhanden. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) prüft derzeit mögliche Impfstoffkandidaten für den Einsatz in der betroffenen Region.
Wie wird die Ausbreitung bekämpft?
Vor Ort setzen Gesundheitsbehörden und internationale Organisationen auf klassische Eindämmungsmaßnahmen, so die Tagesschau. Dazu gehören die Isolation von Erkrankten, die Nachverfolgung von Kontaktpersonen sowie gezielte Impfkampagnen in Risikogruppen, sofern Impfstoffe verfügbar sind. Die WHO hat zudem einen Notfallausschuss einberufen, um die Lage zu bewerten und Empfehlungen auszusprechen. Ziel ist es, eine weitere regionale Ausbreitung zu verhindern.
Gab es in Deutschland schon Ebola-Fälle?
In Deutschland selbst kam es bislang zu keinen größeren Ebola-Ausbrüchen. Einzelne importierte Fälle wurden in der Vergangenheit in Hochsicherheitskliniken behandelt, ohne dass es zu einer weiteren Ausbreitung kam. Das liegt vor allem an der schnellen Diagnostik, strengen Isolationsmaßnahmen und den spezialisierten Behandlungsmöglichkeiten in wenigen Zentren bundesweit. Der letzte bekannte Ebola-Fall in Deutschland war 2014, wie unter anderem das Robert Koch-Institut (RKI) berichtet.
Gibt es Ebola nur in Afrika und warum?
Ebola tritt nach aktuellem Stand fast ausschließlich in Afrika auf. Der wichtigste Grund dafür liegt darin, dass das Virus dort in der Tierwelt zirkuliert und immer wieder auf den Menschen überspringen kann, wie die WHO beschreibt. Als mögliche natürliche Wirte gelten vor allem bestimmte Fledermausarten, die in den tropischen Regionen Zentral- und Westafrikas verbreitet vorkommen, worauf auch das Robert-Koch-Institut hinweist. Hinzu kommen Umwelt- und Lebensbedingungen, die solche Übertragungen begünstigen können. Außerhalb Afrikas gibt es bislang keine eigenständigen Ausbrüche. Einzelne Fälle in Europa oder den USA waren bisher importierte Infektionen, etwa bei Reiserückkehrern oder medizinischem Personal nach einem Einsatz in betroffenen Regionen.
