Einkaufen in Polen
: Neues Pfandsystem hat Verspätung – wann es starten soll

Anfang 2025 wollte Polen eigentlich ein Pfand auf Dosen und Einwegflaschen einführen. Was aus dem Plan wurde und was deutsche Firmen damit zu tun haben.
Von
Nancy Waldmann
Słubice
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Pfandautomat: 05.09.2024, Österreich, Wien: Eine Plastikflasche wird in einen Pfandautomaten gesteckt anlässlich eines Medientermins zum Thema "Pfand" bei Spar in Wien. Foto: Eva Manhart/APA/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Pfandautomaten werden 2025 auch in Polen vermehrt aufgestellt. Im Nachbarland wird Pfand auch auf Einwegflaschen und Dosen erhoben. Der Start ist allerdings verschoben. (Symbolbild)

Eva Manhart/APA/dpa
  • Polen verschiebt Einführung des Pfandsystems auf 1. Oktober 2025.
  • Pfand auf Einwegflaschen und Dosen; 50 Groszy für Einweg, 1 Złoty für Mehrweg.
  • Deutsche Firmen, wie die Schwarz-Gruppe, sind beteiligt.
  • Gesetz fordert Leergutrücknahme in jeder Gemeinde.
  • Bedenken über internationalen Rohstoffabfluss bestehen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Auto an Auto auf den Straßen und Parkplätzen in Słubice, Schlangen vor den Supermarktkassen am ersten Freitag des neuen Jahres. Eigentlich sollte zum 1. Januar 2025 das Pfand auf Einwegflaschen und Getränkedosen eingeführt werden. Aber in der Grenzstadt ist schwerlich eine Leergutannahmestelle zu finden. Ein Pfandautomat bei Biedronka oder Netto? "Tja, schon im Juli sollte das Pfandsystem kommen", winkt die Verkäuferin bei Lidl ab. Eigentlich. "Es hängt nicht von uns ab", seufzt sie. Aber von wem hängt es dann ab?

Einer der künftigen Betreiber des polnischen Pfandsystems ist ein Unternehmen der deutschen Schwarz-Gruppe, zu der auch Lidl sowie Kaufland gehören. Und es waren die Vertreter von Einzelhandelsverbänden und Getränkeherstellern, die im vergangenen Herbst mehr Zeit für die Einführung des Pfandsystems forderten.

Pfandsystem-Einführung auf 1. Oktober 2025 vertagt

Tatsächlich ist der Start des Pfandsystems in Polen schon mehrfach verschoben worden. Auf den letzten Drücker - im Dezember - beschloss auch die zweite polnische Parlamentskammer, der Senat, den veränderten Gesetzentwurf des Ministeriums für Klima und Umwelt mit einem späteren Starttermin als noch im Spätsommer geplant. So gilt die neue Pfandpflicht nicht ab 1. Januar 2025, sondern ab dem 1. Oktober 2025.

Erhoben wird Pfand auf Einwegflaschen aus Kunststoff bis drei Liter Fassungsvermögen sowie Getränkedosen bis ein Liter, das 50 Groszy (ca. 12 Cent) beträgt. Auf Mehrwegflaschen aus Glas beträgt das Pfand dann 1 Złoty (ca. 23 Cent). Ausgenommen sind Verpackungen von Milchgetränken. Zur Rücknahme verpflichtet sind Lebensmittelmärkte ab 200 mVerkaufsfläche. Den Kassenbon braucht man nicht vorlegen, um Pfandbeträge zurückzubekommen. Kleinere Läden müssen das Leergut aber nicht zwingend zurücknehmen.

Deutsche Unternehmen mischen mit im polnischen Pfandsystem

Mit dem 9-monatigen Aufschub ging das Klimaministerium auf Branchenverbände zu, die eigentlich erst 2026 starten wollten. Mehr Vorbereitung verlangten sie unter anderem, um die gesetzlich vorgesehene Pflicht umzusetzen, in jeder polnischen Gemeinde eine Leergutrücknahme-Stelle einzurichten - auch wenn es keinen Supermarkt gibt. Mehrere Supermarktketten testen nach eigenen Angaben in einigen Filialen bereits Pfandautomaten ("Butelkomat").

Diese Stellen müssen die künftigen Betreiber des Pfandsystems einrichten. Dabei mischen westdeutsche Firmen mit. Neben dem Schwarz-Unternehmen OK Operator Kaucyjny hat das polnische Klimaministerium bisher vier weitere Unternehmen als Betreiber zugelassen, darunter Eko Operator, das zum in Westdeutschland ansässigen Recycling-Unternehmen Remondis gehört.

Der Betreiber der Schwarz-Gruppe hat versichert, die als Rohstoff begehrten Kunststoffabfälle nicht aus dem Land zu bringen, sondern auch in Polen recyceln zu lassen - bei einem ebenfalls zur Schwarz-Gruppe gehörigen Recycling-Unternehmen. In der polnischen Politik und der Lebensmittelbranche gibt es Befürchtungen, dass internationale Pfandsystembetreiber die wertvollen Rohstoffe außer Landes bringen.

Was die Aufgabe der Betreiber ist

Ein Pfandsystem-Betreiber hat laut polnischem Gesetz die Aufgabe, zurückgebrachte Getränkeverpackungen in Geschäften zu sammeln, zu trennen und an Verwertungsbetriebe zu übergeben. Außerdem verrechnet er die Pfandgebühren mit den beteiligten Unternehmen.