Elfriede Jelinek
: Wirbel um angeblichen Tod - steckt bekannter „Hoaxer“ dahinter?

Ein Account auf der Plattform X verkündet den Tod Elfriede Jelineks und sorgt für Wirbel im Netz. Steckt ein bekannter „Hoaxer“ dahinter?
Von
Nicole Züge
Berlin
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ARCHIV - 07.10.2004, Österreich, Wien: Die österreichische Autorin und Dramatikerin Elfriede Jelinek, aufgenommen in ihrem Haus in Wien. Eine der wichtigsten Bühnenauszeichnungen wird am Samstag in Mülheim vergeben: Der Dramatikerpreis. Zum 19. Mal seit 1976 ist Elfriede Jelinek dabei. Ihr Trump-Stück «Am Königsweg» konkurriert mit sechs weiteren Werken. Foto: Roland Schlager/APA/EPA/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Elfriede Jelinek ist nicht tot, gibt ihr Verlag an. Zuvor war es am 17. Juni 2025 nach einer gefälschten Todemeldung zu Wirbel im Netz gekommen.

Roland Schlager/dpa

In Zeiten, in denen nicht mehr viel gescrollt, sondern direkt zum nächsten Skandal weitergeklickt wird, passieren die merk- und denkwürdigsten Dinge. So geschehen heute am frühen Nachmittag. Da machte ein X-Post im Netz die Runde. Auf dem Bild zu sehen: die gefeierte und vielfach ausgezeichnete Schriftstellerin Elfriede Jelinek. Der Account wirkt auf den ersten Blick wie der österreichische Ableger des Rowohlt-Verlags. Und verkündet, die Schriftstellerin sei tot.

Elfriede Jelinek nicht tot

Wie die Berliner Zeitung vom Verlag selbst erfahren haben will, ist das aber eine Falschinformation. Der Schriftstellerin gehe es gut, gibt der Verlag gegenüber der Zeitung an. Wer nicht genau hinschaut, erkennt den Fake selbst beim Scrollen nicht auf Anhieb. Der Account hat einige Beiträge des echten Rowohlt-Verlagsaccounts geteilt. Die geteilten, echten Beiträge fügen sich fast nahtlos in den Beitragsverlauf ein. Nur ein kleiner Schriftzug über den geteilten Beiträge weist darauf hin, dass diese nicht vom Ursprungsaccount stammen.

Auch der Account, der auf X die Falschmeldung in Gang setzte, gibt kurz darauf einen Hinweis: „This account Is hoax created by Italian journalist Tommasso Debenedetti.“, steht dort, also auf Deutsch: „Dieses Konto ist ein Fake, erstellt vom italienischen Journalisten Tommasso Debenedetti.“

Dennoch verbreiten sich kurz nach dem Fake-Post auf X die Nachrichten über den angeblichen Tot der gebürtigen Österreicherin und Nobelpreisträgerin, die als eine der bedeutendsten deutschsprachigen Autorinnen der Gegenwart gilt. 2004 erhielt sie als erste Österreicherin den Literaturnobelpreis. Ihre Werke thematisieren Macht, Gewalt, Sexualität und gesellschaftliche Zwänge – sprachlich radikal, formal experimentell, politisch unmissverständlich.

Zu ihren bekanntesten Romanen zählen „Die Klavierspielerin“ (1983), „Lust“ (1989) und „Die Kinder der Toten“ (1995). Auch als Dramatikerin prägte sie schon das deutschsprachige Theater mit Stücken wie „Burgtheater“ oder „Das Werk“.

Steckt bekannter Hoaxer hinter Todesmeldung?

Der angebliche Fake-Poster Debendetti, so er denn wirklich dahinter steckt, ist kein Unbekannter. Das Internet kennt den gebürtigen Römer als italienischen Journalisten und notorischen „Serien-Hoaxer“. Er wurde berühmt dafür, seit den frühen 2000ern gefälschte Interviews mit prominenten Schriftstellern wie Philip Roth, Gore Vidal und John Grisham zu veröffentlichen. Er besitzt zudem eigene Fake-Twitter‑Profile und verbreitete falsche Todmeldungen bekannter Persönlichkeiten – darunter Papst Franziskus, Kazuo Ishiguro, Amartya Sen, Paulo Coelho und jetzt darf sich scheinbar auch Elfriede Jelinek als „Hoax-Opfer“ einreihen.

Was ist ein Hoax?

Ein Hoax ist eine bewusste Falschmeldung oder Täuschung, die meist so gestaltet ist, dass sie glaubwürdig wirkt und sich möglichst schnell verbreitet. Ziel ist es oft, Verwirrung zu stiften, Aufmerksamkeit zu bekommen oder Schwächen in Medien und Öffentlichkeit offenzulegen.

Elfriede Jelinek reagiert mit Humor

Im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AFP reagierte Jelinek darauf mit Humor: „Ach, schon wieder? Es ist das zweite Mal, dass ich tot bin“, sagte die Autorin. „Ist schon letztes Jahr passiert. Ich lebe doch“, fügte sie hinzu. Auch Rowohlt-Sprecherin Nora Gottschalk teilte mit, dass es sich um eine „Falschmeldung“ handele. Angaben, wie es dazu kam, machte sie nicht.