„Ergebnisse besorgniserregend“
: Legionellen auf Kreta - das rät ein Experte

Kurz vor der Urlaubs-Saison steht Kreta im Fokus. Dort wurden in unzähligen Wasserproben Legionellen gefunden. So können Urlauber sich schützen.
Von
Nicole Züge
Berlin/Heraklion
Jetzt in der App anhören
Kurz vor der Sommerurlaubs-Saison gibt es Legionellen-Alarm auf Kreta. Ein Experte gibt Hinweise, wie man sich schützen kann.

Kurz vor der Sommerurlaubs-Saison gibt es Legionellen-Alarm auf Kreta. Ein Experte gibt Hinweise, wie man sich schützen kann.

Socrates Baltagiannis/dpa

Auf Kreta breitet sich verschiedenen Medienberichten zufolge das Bakterium Legionella pneumophila aus. In gut 50 Prozent der Wasserproben wurden Legionellen gefunden, bestätigt die regionale Gesundheitsbehörde in Heraklion. Eine 57-jährige Britin liegt nach einer Infektion im Krankenhaus im künstlichen Koma. Die wichtigsten Informationen zur aktuellen Lage und wie man sich im Urlaub schützen kann.

Legionellen auf Kreta: Das ist bisher bekannt

Wie das Portal Creta24.gr berichtet, hat sich Mitte Juni eine 57-jährige britische Touristin auf Kreta mit der Krankheit infiziert und liegt intubiert auf der Intensivstation des Venizelio-Krankenhauses in Heraklion. Daraufhin fand bereits am 17. Juni eine Krisensitzung in Heraklion statt. Teilnehmende waren unter anderem der Präsident der nationalen Gesundheitsbehörde, Hotelbetreiber und regionale Verantwortliche. In dem Krisentreffen ging um neue Schutzmaßnahmen für Reisende. Der Direktor für öffentliche Gesundheit, Antonis Papadakis, erklärte gegenüber den griechischen Medien: „Das pathogene Bakterium scheint außer Kontrolle zu geraten.“

Legionellen auf Urlaubsinsel: Ergebnisse „besorgniserregend“

Laut Papadakis sind die Ergebnisse „besorgniserregend“: Die Positivrate liege bei fast 50 Prozent. „Wir müssen handeln, um den Tourismus zu schützen. Es geht nicht um Panik, sondern um Prävention.“ Im Fokus stehen vor allem Hotels und deren Wasseranlagen. Aus diesem Grund sind Schulungen und zusätzliche Kontrollen geplant. Sollte sich die Lage weiter verschärfen, drohe eine Reisewarnung durch die EU-Gesundheitsbehörde, warnt Papadakis.

Hintergrund: Warum sind Legionellen so gefährlich?

Legionellen vermehren sich nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) in warmem, stehendem Wasser. Sie gelangen über feine Wassertröpfchen in die Lunge, das kann beispielsweise beim Duschen passieren. Die Bakterien verursachen zwei Krankheiten: die sogenannte Legionärskrankheit (Pneumonie durch Legionellen) sowie das Pontiac-Fieber (Legionellose ohne Pneumonie).

Die Legionärskrankheit kann tödlich verlaufen. Besonders gefährdet sind Menschen über 50, Raucher, Vorerkrankte und Immungeschwächte. Laut dem RKI liegt die Inkubationszeit der Krankheit meist bei 5 bis 6 Tagen. Symptome sind Verwirrtheit, Abdominalschmerzen oder Durchfälle.

Das Pontiac-Fieber zeigt sich mehrheitlich durch akute, fiebrige Infekte ohne Lungenentzündung. Überwiegend treten leichte grippale Symptome wie Kopf- und Gliederschmerzen, Thoraxschmerzen sowie trockener Husten auf. Die Patienten erholen sich auch ohne Antibiotikatherapie innerhalb weniger Tage. Todesfälle sind nicht bekannt.

Wie kann man sich im Urlaub vor Legionellen schützen

Legionellen verbreiten sich, wenn Wasser nicht ausreichend erhitzt wird und länger in den Leitungen steht. Allerdings sieht man der Wasserleitung im Hotelzimmer nicht an, ob diese Probleme verursachen könnte.

Dr. Peter Arens, Trinkwasserfachmann beim Armaturenhersteller Schell, gibt folgendes Tipps, wie man sich im Urlaub vor Legionellen schützen kann:

  • Schritt 1: Vor der ersten Nutzung dreht man den Wasserhahn am Waschtisch nach ganz rechts auf „kalt“ und hält den Handrücken unter den Wasserstrahl. Kommt es lauwarm, wartet man, bis es sich kühler anfühlt. Danach wiederholt man diese Vorgehensweise in der Stellung warm und wartet, bis heißes Wasser kommt - doch Vorsicht, Verbrühungsgefahr!
  • Schritt 2: Danach macht man dasselbe kurz in der Dusche. Um dabei ein möglicherweise gefährliches Wasser-Luft-Legionellen-Gemisch erst gar nicht entstehen zu lassen oder gar einzuatmen, nimmt man die Brause in die Hand und lässt das Wasser auf kurzem Weg direkt in die Duschtasse ablaufen. Dann ist auch das kritische Wasser im Brauseschlauch ausgetauscht, erklärt Arens.

Die Bild-Zeitung hatte zuerst über den Fall berichtet. Grundlage war der Bericht von Creta24.gr.