EZB senkt Leitzinsen
: Was das für Sparer und die Bauzinsen bedeutet

Die Zinsentscheidungen der Europäischen Zentralbank (EZB) haben auch Folgen für Sparer und Immobilienkredite. Die Auswirkungen, aktuellen Entwicklungen und Hintergründe gibt es hier im Überblick.
Von
David Hahn
Frankfurt am Main
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Sparen: ARCHIV - 05.10.2021, Brandenburg, Sieversdorf: ILLUSTRATION: Ein Mädchen steckt einen 20-Euro-Schein in ein Sparschwein (gestellte Aufnahme). (zu dpa: «Sparrekord geht an vielen Haushalten vorbei») Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat die Leitzinsen gesenkt. Worauf müssen sich Sparer jetzt einstellen?

Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa

Die Europäische Zentralbank hat letzte Woche zum siebten Mal seit Juni 2024 die Leitzinsen gesenkt, um die schwächelnde Konjunktur im Euroraum zu stützen, die durch den Handelsstreit mit den USA zusätzlich belastet wird. Der Einlagensatz für Banken wurde auf 2,25 % gesenkt, auch der Zinssatz für neue Kredite an Banken wurde reduziert. EZB-Präsidentin Christine Lagarde warnte laut der Deutschen Presse-Agentur (dpa) vor einer zunehmend unsicheren wirtschaftlichen Lage und möglichen Wachstumsverlusten, falls sich der Zollkonflikt verschärft. Welche Auswirkungen hat der Zinsentscheid für Sparer und Immobilienkredite?

EZB hat die Leitzinsen gesenkt: Die Folgen für Sparer

Sparer müssen aktuell aufgrund der gesenkten Leitzinsen mit weniger Zinsen rechnen. Damit setzt sich der Abwärtstrend bei den Tagesgeldzinsen fort. Laut der französischen Nachrichten-Agentur Agence France-Presse (AFP) boten einige Kreditinstitute zuletzt noch Zinsen bis zu 3,5 Prozent, häufig handele es sich dabei jedoch um Neukundenangebote mit begrenzter Laufzeit. Andere Banken und Broker geben den Einlagenzins der EZB direkt an ihre Kundinnen und Kunden weiter. Nach der Entscheidung der Notenbank, ist auch dort mit einer Anpassung zu rechnen. Da die Leitzinssenkung der EZB von vielen Instituten bereits vorweggenommen wurde, haben sich die Konditionen für Sparer in den letzten Monaten schon verschlechtert.

Aktuell liegt der durchschnittliche Tagesgeldzins laut FMH bei 1,47 Prozent, Verivox nennt ähnliche Werte um 1,4 Prozent. Deutlich schlechter sieht es bei Sparkassen und regionalen Genossenschaftsbanken aus: Dort gibt es im Schnitt nur 0,48 bis 0,5 Prozent Zinsen auf das Tagesgeld.

Der Mittelwert der Finanzberatung FMH von 138 Kreditinstituten lag am Mittwoch bei 1,47 Prozent. Verivox weist ebenfalls Zinsen um 1,4 Prozent aus. Bei den Sparkassen und regionalen Genossenschaftsbanken lag der Zins häufig noch deutlich darunter. Sparkassen zahlen laut Verivox im Schnitt nur noch 0,48 Prozent auf das Tagesgeld, regionale Genossenschaftsbanken mit 0,5 Prozent nur geringfügig mehr. Beim Festgeld lag der FMH-Mittelwert für 134 Institute am Mittwoch bei 1,92 Prozent für eine sechsmonatige Laufzeit. Bei zwölf Monaten noch etwas darüber. Für zweijährige Festgelder gab es laut Verivox noch 2,11 Prozent. Das sei der tiefste Stand seit Ende 2022.

Aktuelle Entwicklung der Bauzinsen

In den letzten Wochen sind die Bauzinsen nach Angaben der AFP deutlich geschwankt. Ursache war zunächst ein Kurswechsel in der deutschen Finanzpolitik mit zusätzlichem Geld für Infrastruktur und Rüstung. Das ließ die Renditen für zehnjährige Bundesanleihen steigen – und damit auch die Bauzinsen, da sich diese an den Anleihen orientieren.

Nach Ankündigungen neuer Zölle durch Ex-Präsident Trump kam es zu Kurseinbrüchen an den Börsen. Viele Anleger suchten Sicherheit und investierten verstärkt in Bundesanleihen. Dadurch stiegen deren Kurse, während die Renditen und damit auch die Bauzinsen wieder sanken.

Laut dem Finanzvermittler Dr. Klein erleben die Bauzinsen aktuell eine ungewöhnlich hohe Volatilität. Für das erste Halbjahr 2025 werde diesem zufolge jedoch ein stabiler Zinskorridor zwischen 3,0 und 3,5 Prozent erwartet. Der durchschnittliche Zinssatz bei Dr. Klein lag am Montag letzter Woche bei 3,22 Prozent für eine zehnjährige Finanzierung, während das Vergleichsportal FMH einen Durchschnitt von 3,65 Prozent bei 51 Banken auswies.