Ferien Schule Corona
: Bilanz des Bildungsverbands VBE: Schlechte Corona-Stimmung im Lehrerzimmer

Vor den Ferien herrscht an den Schulen in Baden-Württemberg eine gespannte Lage. Warum nun Ausfälle drohen und die Betreuung auf der Kippe steht.
Von
Michael Maier mit dpa
Stuttgart
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Schwierige Corona-Zeit an den Schulen.

dpa

Nach sieben Monaten Corona-Krise ist die Stimmung in den baden-württembergischen Lehrerzimmern so schlecht wie lange nicht mehr. Das ist das Ergebnis einer neuen Umfrage des Verbands Bildung und Erziehung (VBE). „Die Berufszufriedenheit an den Schulen ist massiv zusammengebrochen“, so der Vorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) Gerhard Brand am Freitag bei einer Pressekonferenz. Schuld daran trage vor allem das Coronavirus, sagte Brand.

Größte Baustelle in Schulen ist die Digitalisierung

In der Digitalisierung der Schulen sehen viele Schulleiter laut VBE die größte Baustelle in der Corona-Krise. Fast jeder zweite befragte Schulleiter gab in der VBE-Umfrage fehlende Geräte und Schwierigkeiten beim Online-Unterricht als größte Probleme an. Jede dritte Schulleitung bemängelt fehlendes Personal. Große Probleme bereiteten zudem die Hygienevorschriften, die erhöhte Arbeitsbelastung – und zunehmend auch uneinsichtige Eltern.

Auch die Gewerkschaft legte den Finger in die Wunde: Die Schulleitungen fühlten sich von der Landesregierung im Stich gelassen, sagte Monika Stein von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Es sei absehbar, dass viele in diesem Dauerstress nicht das ganze Schuljahr durchhalten könnten. Sie schlägt vor, mehr Lehramtsstudierende in Schularten mit Lehrermangel einzusetzen und auch arbeitslose Gymnasiallehrkräfte zu beschäftigen. Problem ist laut Elternvertretern unter anderem, dass Krankheitsvertretungen an der Grundschule oftmals nur mit Müh und Not abgedeckt werden können. Angebote wie frühkindliches Englisch fallen vielerorts ganz unter den Tisch.

Schulen in Baden-Württemberg bereiten Video-Unterricht vor

Im Übrigen nehmen manche Schulen in der Region Stuttgart intern offenbar bereits einen Teil-Lockdown wegen Corona ins Visier. Eltern berichten, dass in den Klassen mitunter über eine Schließung diskutiert wird. Außerdem werden Generalproben für Video-Unterricht durchgeführt. Auf Anfrage bestritten jedoch sowohl das Kultusministerium als auch das örtlich zuständige Staatliche Schulamt, dass aktuell allgemeine Schulschließungen oder Wechselunterricht geplant seien. Lediglich bei einer konkreten Häufung von Corona-Fällen an einer bestimmten Schule könnten das Gesundheitsamt oder die Ortspolizeibehörde notfalls auch die Schließung der gesamten Einrichtung veranlassen. Die Schulleitungen seien hingegen nicht dazu befugt.

Wie gegebenenfalls mit vermehrten oder gar kollektiven Krankmeldungen in der Vorweihnachtszeit umgegangen werden könnte, ist indes unklar. Bislang gelten an den Schulen in Baden-Württemberg lediglich die AHA-Regeln und die Aufforderung zum Lüften. Eine Maskenpflicht im Unterricht ab Klasse 7 kann in Hotspots ab etwa 200 Neuinfektionen pro Woche und 100.000 Einwohner eingeführt werden.

Vorgezogene Ferien vor Weihnachten?

Außerdem wurde beim Corona-Gipfel mit Bundeskanzlerin Angela Merkel Corona-Gipfel mit Bundeskanzlerin Angela Merkel beschlossen, den Lehrkräften verstärkt kostenlose Masken zur Verfügung zu stellen. Darüber hinaus hatte das Kanzleramt auch auf vorgezogene Ferien ab 16. Dezember gedrungen. Baden-Württemberg und die meisten anderen Länder wollten sich aber nur auf den 19. Dezember festlegen lassen. Für Städte wie Ulm ist das bereits eine Verlängerung um 3 Schultage.