Preisschock in Brandenburg
: Fernwärme in diesen Gemeinden am teuersten

In Brandenburg zahlt man bundesweit am meisten für Fernwärme-Tarife. Vier Städte und Gemeinden stechen dabei besonders hervor.
Von
Nicole Züge
Frankfurt (Oder)
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Eine Heizung wird eingestellt (gestellte Szene). Seit Russlands Angriff auf die Ukraine haben sich die Energiekosten erhöht (zu dpa: «Weniger Fernwärme in Thüringen verbraucht») +++ dpa-Bildfunk +++

Die Preise für Fernwärme sind in Brandenburg bundesweit mit Abstand am teuersten. Vier Städte und Gemeinden sind besonders betroffen.

Sina Schuldt/dpa

In Brandenburg zahlen Fernwärmekundinnen und -kunden so viel wie nirgendwo sonst in Deutschland. Besonders stark betroffen sind zwei Orte. Dort liegen die Preise für Einfamilienhäuser bei über 35 Cent pro Kilowattstunde. Bundesweit sind das die höchsten bekannten Werte.

Fernwärme in Brandenburg mit Abstand am teuersten

Die Daten stammen aus der freiwilligen Informationsplattform der Fernwärmeanbieter. Die Verbraucherzentrale Brandenburg hat die Daten ausgewertet und dabei festgestellt, dass zwei Orte einen Negativrekord bei den Preisen aufstellen: Seelow und Schorfheide. 

In Seelow zahlt man derzeit im Teilnetz „Robert-Koch-Straße“ 36,31 Cent (brutto) pro Kilowattstunde in einem Einfamilienhaus. Im Mehrfamilienhaus sind es immerhin noch 31,68 Cent/kWh. Ähnlich sieht es in Schorfheide aus: Zwischen 32,56 Cent (Einfamilienhaus) und 33,83 Cent pro Kilowattstunde (Mehrfamilienhaus) zahlen private Abnehmer hier. Danach folgen bundesweit Stade und Oldenburg (Niedersachsen). Auf dem 6. und 7. Platz finden sich mit Petershagen/Eggersdorf und Pritzwalk erneut zwei Orte aus Brandenburg. Zum Vergleich: Die günstigsten Fernwärmepreise für ein Einfamilienhaus zahlt man deutschlandweit in Mücheln (Sachsen-Anhalt), Dortmund (NRW) oder Schwandorf in Bayern. In den genannten Regionen kostet Fernwärme zwischen 8,45 und 9,73 Cent pro Kilowattstunde.

30 Prozent Fernwärme-Abnehmende in Brandenburg

Rund 30 Prozent der Haushalte in Brandenburg nutzen Fernwärme. Mit Blick auf die Wärmewende ist ein weiterer Ausbau der Netze geplant. Aber: Ein Anbieterwechsel ist für die Betroffenen nicht möglich. In der Folge können die sich gegen Preiserhöhungen nur eingeschränkt wehren.

Wie kommen die Preisunterschiede zustande?

Laut Angaben der Preistransparenzplattform Fernwärme kommen die regionalen Preisunterschiede durch unterschiedliche Einflüsse zustande. Einerseits sei Wärme ein lokales Produkt und lasse sich im Gegensatz zu Strom oder Gas nicht über weite Strecken transportieren. Die Preise entstehen deshalb vor Ort und hängen von mehreren Faktoren ab, die sich regional stark unterscheiden.

Entscheidend ist zunächst die Art der Wärmeerzeugung: Je nach Kommune kommen unterschiedliche Energieträger, Energiequellen und Technologien zum Einsatz, oft geprägt durch lokale Gegebenheiten. Auch der Aufbau des Wärmenetzes beeinflusst den Preis. Länge, Alter und Verteilstruktur des Netzes, geologische Bedingungen sowie die Oberflächenbeschaffenheit wirken sich auf Bau-, Wartungs- und Betriebskosten aus.

Hinzu kommt die Anzahl und Struktur der angeschlossenen Kunden. Netze mit vielen großen Mehrfamilienhäusern oder Industrie- und Gewerbekunden arbeiten in der Regel effizienter als solche mit überwiegend Einfamilienhäusern, wie es im Flächenland Brandenburg vielerorts der Fall ist. Diese Faktoren greifen ineinander und bestimmen gemeinsam die Preisbildung, weshalb Fernwärme von Ort zu Ort unterschiedlich teuer ist.

Das fordert die VBZ Brandenburg

Die hohen Preise treffen die Menschen in einem Winter mit erhöhtem Wärmebedarf besonders hart. Seit Ende 2021 sind die Energiepreise insgesamt stark gestiegen. Der aktuelle Winter verschärft die Lage zusätzlich.

Vor diesem Hintergrund fordern die Verbraucherzentrale Brandenburg, der Verein Haus & Grund Brandenburg und der Deutsche Mieterbund Land Brandenburg ein entschlossenes politisches Eingreifen. Die Organisationen verlangen, dass Maßnahmen gegen überhöhte Fernwärmepreise im Koalitionsvertrag verankert werden. Konkret fordern sie mehr Transparenz, eine wirksame staatliche Aufsicht, eine Sektoruntersuchung des Fernwärmemarktes sowie eine Stärkung der Landeskartellbehörde, um mögliche Gewinnmitnahmen zu verhindern.

SPD und CDU hatten sich in ihren Wahlprogrammen zur Landtagswahl zu bezahlbaren Energiepreisen bekannt. Nach Ansicht der Verbände lassen sich faire Preise jedoch nur durch konsequente Regulierung sichern. Ohne staatliche Kontrolle seien Fernwärmekundinnen und -kunden den Preisen der Anbieter weitgehend ausgeliefert.