Freizeitbonus für Familien Corona
: Bundesregierung beschließt Aufholprogramm – Kinder von Hartz-4-Empfängern bekommen Freizeitbonus

Die Bundesregierung hat beschlossen, dass Kinder von Hartz-4-Empfängern 100 Euro extra bekommen sollen. Für diese Zwecke soll es das Geld geben.
Von
Michael Scheifele mit Agenturen
Ulm
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Kinder gerieten durch die Pandemie in Nachsehen: Nun soll es in Form des Freizeitbonus manches ausgleichen. So reagiert der Chef des Lehrerverbands darauf.

Julian Stratenschulte/DPA

Kinder von Hartz 4-Empfängern erhalten 100 Euro extra. Diesen sogenannten Freizeitbonus beschloss das Bundeskabinett. Damit sollen Folgen der Pandemie für Kinder und Jugendliche abgemildert werden. Rund 2,7 Millionen Kinder sollen davon profitieren. Der Bund stellt für das rund zwei Milliarden Euro bereit. Eine Auszahlung könnte nach dpa-Informationen im August erfolgen.

Dafür gibt es den Freizeitbonus

Beim Freizeitbonus geht es um zwei Felder: Mit einer Milliarde sollen bereits bestehende Nachhilfe- und Sozialprogramme aufgestockt werden. Damit reagiert die Bundesregierung auf Forderungen von Kinderärzten und Psychologen, die wegen fehlender sozialer Kontakte vor schweren Folgen für Kinder und Jugendliche im Lockdown gewarnt hatten, wie das Hamburger Nachrichtenportal 24hamburg.de berichtet. Die zweite Milliarde ist für soziale Maßnahmen vorgesehen, um die Krisenfolgen für Kinder und Jugendliche abzufedern. Es gibt allerdings noch keine genaueren Informationen wie die Programme ausgestaltet sind.

Lehrerverband hält Aufholprogramm für unzureichend

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, hält das geplante Aufholprogramm für Nachhilfe und Bildungsangebote für Schüler nach den Sommerferien für „absolut unzureichend“. „Ohne eine massive Aufstockung dieser Mittel durch zusätzliche Länderprogramme in mindestens gleicher, am besten aber dreifacher Höhe werden die Fördermaßnahmen nicht wirklich greifen können“, sagte Meidinger laut dpa.

Der Deutsche Lehrerverband sieht jetzt auch die Bundesländer in der Pflicht, „sehr schnell ergänzende Maßnahmenpakete zu verabschieden“. Meidinger wies darauf hin, dass etwa in den Niederlanden ein Mehrfaches der Finanzmittel für die Sicherung der Bildungschancen nach Corona“ aufgewendet werde.

Aufholpaket für Kinder: Kritik von Kinderhilfswerk

Das Deutsche Kinderhilfswerk kritisiert das von der Bundesregierung geplante „Corona-Aufholpaket“ für Kinder und Jugendliche als völlig unzureichend. „Natürlich hört sich ein Zwei-Milliarden-Programm erst einmal gut an, aber im Endeffekt werden damit weniger als 150 Euro pro Kind in die Hand genommen“, erklärte Präsident Thomas Krüger am Mittwoch in Berlin. Das werde bei Weitem nicht ausreichen, um auch nur annähernd die Bedarfe der Kinder zur Bewältigung der Corona-Pandemie zu decken. „Dafür sind die Befunde der Studien über die Auswirkungen der Pandemie auf die physische und psychische Verfassung unserer Kinder zu gravierend.“

Wann kommt der Corona-Bonus 2021?

Corona-Bonus des Bundes: Mit 150 Euro will die Bundesregierung Empfänger von Grundsicherung und Familien vom 1. Mai an unterstützen. Wann aber wird der Corona-Bonus ausgezahlt?

Aktueller Inzidenzwert Deutschland - Inzidenz von Baden-Württemberg bis Brandenburg

In Deutschland sinkt die Inzidenz zuletzt leicht. Dabei ist zu beachten, dass die Fallzahlen an Feiertagen sowie sonntags und montags meist generell niedriger ausfallen, da nicht immer so häufig auf das Coronavirus getestet wird und nicht alle Ämter ihre Daten aktuell übermitteln. Der Inzidenzwert in Baden-Württemberg ist auch heute (Stand: Dienstag, 11. Mai) noch einer der höchsten in ganz Deutschland. Doch wie stehen die einzelnen Bundesländer im Vergleich da? Wo ist die Inzidenz am höchsten und wo am niedrigsten? Hier der Überblick:

175,1 Thüringen

167,6 Sachsen

140,6 Baden-Württemberg

125,6 Sachsen-Anhalt

123,2 Nordrhein-Westfalen

119,6 Hessen

116,3 Bayern

105,9 Saarland

98 Rheinland-Pfalz

97 Bremen

93,7 Berlin

84,7 Mecklenburg-Vorpommern

84,3 Niedersachsen

83,2 Brandenburg

72,9 Hamburg

50,2 Schleswig-Holstein

Kinderschutzbund: Kinder werden in der Corona-Pandemie diskriminiert

Der Präsident des Deutschen Kinderschutzbundes hat den Umgang der Politik mit Kindern in der Corona-Pandemie scharf kritisiert. „Die Kinder werden ohnehin benachteiligt und diskriminiert schon in dem gesamten Verfahren, das wir haben, seitdem es diese Pandemie gibt“, sagte Heinz Hilgers am Montag im Deutschlandfunk. Die neuen Erleichterungen für Geimpfte und Genesene würden Kinder erneut benachteiligen.