Gefräßiger Japankäfer: Gibt es die invasive Art auch schon in Brandenburg?

Nur 1 Zentimter groß und sehr gefräßig: Der Japankäfer gilt als invasive Tierart. Gibt es das Insekt auch schon in Brandenburg?
Uli Deck/dpaEin neuer, gefräßiger Käfer sorgt aktuell im Süden Deutschlands für Aufregung. Der Japankäfer wurde in der Freiburger Innenstadt festgestellt. Daraufhin wurde ein Sperrkreis eingerichtet, um die weitere Ausbreitung des Insekts zu verhindern. Das hat massive Einschränkungen für Bewohnerinnen und Bewohner der Sperrzone zur Folge.
Warum der Japankäfer so gefährlich ist und ob das Insekt auch schon in Brandenburg gesichtet wurde.
Der Japankäfer in Deutschland: Darum ist er so gefährlich
Der Japankäfer (Popillia japonica) gilt als invasive Art. Das Insekt stammt ursprünglich aus Asien und kann vor allem in der Landwirtschaft massive Schäden anrichten. Die Käfer fallen über Obstplantagen, Weinberge, Wälder, Grünanlagen und Gärten her und fressen bei mehr als 400 Pflanzenarten alles kahl, wie das Landwirtschaftliche Technologiezentrum Augustenberg (LTZ) in Karlsruhe gegenüber der Deutschen Presseagentur (dpa) berichtet.
Natürliche Feinde hat das Insekt hierzulande nicht, auch darum ist die Sorge vor einer Ausbreitung in Deutschland groß. In der EU gehört der Japankäfer zu den Schädlingen, die systematisch bekämpft werden müssen.
So erkennt man den Japankäfer
Der Japankäfer ist etwa einen Zentimeter groß, hat einen metallisch glänzenden grünen Kopf und braune Flügel. An jeder Hinterleibseite hat das Insekt fünf weiße Haarbüschel, zwei weitere am Ende des Hinterleibs, die relativ stark auffallen.

Der Japankäfer (Popillia japonica) ist gut an den „Haarbüscheln“ am Hinterlaib zu erkennen.
Uli Deck/dpaJapankäfer in Freiburg: Sperrzone errichtet
Um eine weitere Ausbreitung des gefräßigen Japankäfers zu verhindern, müssen sich Bürger in Teilen Freiburgs nun an Einschränkungen halten. In einer sogenannten Befallzone nördlich der Innenstadt gelten seit Anfang August strenge Regeln für die Ausfuhr von Pflanzen und Erde aus diesem Schutzbereich. Außerdem dürfen die Bewohner der Sperrzone bis Ende September keine Rasen- und Grünflächen mehr bewässern. Damit soll verhindert werden, dass die Weibchen ihre Eier in den Flächen ablegen. Die Weibchen des Japankäfers legen ihre Eier nämlich bevorzugt in feuchten oder bewässerten Grasflächen ab. Die Larven fressen die Graswurzeln und verursachen Schäden an Wiesen und Rasenflächen.
Freiburg ist als erste deutsche Großstadt von Beschränkungen dieser Art betroffen. Im Bereich des Güterbahnhofs der Schwarzwaldmetropole wurden im laufenden Jahr zahlreiche Käfer gefunden. Es gibt die Vermutung, dass sie eingeschleppt wurden. Weil in der Schweiz nahe der deutschen Grenze Japankäfer entdeckt wurden, gibt es auch hier bereits Schutzbereiche.
Käfer kam über Italien in die Schweiz
Von Italien aus gelangte der Japankäfer 2017 in die Schweiz, von dort wahrscheinlich nach Süddeutschland. Allein in der Schweiz werden die potenziellen Schäden auf mehrere Hundert Millionen Franken (mehrere Hundert Millionen Euro) pro Jahr geschätzt. In der Schweizer Grenzstadt Basel war Mitte vergangenen Jahres eine Japankäfer-Population entdeckt worden. In der Schweizer Flughafengemeinde Kloten bei Zürich wurden im vergangenen Jahr Fußballplätze mit Plastikfolie abgedeckt, um die Käfer zu bekämpfen, auch Insektizide wurden eingesetzt.
Gibt es den Japankäfer auch in Brandenburg?
Auch in Brandenburg wurde bereits ein Japankäfer gefunden, wie das Landesamt für Entwicklung, Landwirtschaft und Flurneuordnung (LELF) mitteilt. Zum Glück handelte es sich aber um ein totes Exemplar. Ins Land gekommen war er als „Blinder Passagier“ in einer Verpackung. „Der Aufmerksamkeit von Bürgern ist zu verdanken, dass dieser Fund umgehend gemeldet und so Schlimmeres verhindert wurde. In der Umgebung wurde zur Kontrolle eine Lockstofffalle aufgestellt“, schreibt das LELF auf seiner Webseite. Verstecken können sich die Insekten beispielsweise in Substraten oder sogar in Rollrasen.
So kontrolliert Brandenburg auf Japankäfer
Um eine potenzielle Invasion des Japankäfers möglichst früh zu entdecken, werden durch den Pflanzenschutzdienst des Landes Brandenburg an ausgewählten Risikostandorten Lockstofffallen aufgestellt. Risikogebiete, in denen derartige Fallen aufgestellt werden, sind beispielsweise der Flughafen mit den Verbindungen nach Mailand und Zürich. Hier könnte das Insekt über Warenlieferungen oder das Gepäck der Passagiere ins Land kommen. Aber auch in Gewerbegebieten oder an Transitstrecken sollen Lockstofffallen auf einen Befall aufmerksam machen.

Eine Lockstofffalle für den Japankäfer. Diese Fallen dürfen nicht berührt werden.
Philipp von Ditfurth/dpa„Bitte helfen Sie mit, diese Kontrollen abzusichern, in dem Sie die Fallen weder berühren noch entleeren“, bittet das Landesamt.
Japankäfer in Brandenburg entdeckt? Das muss gemeldet werden
Und auch sonst können Brandenburgerinnen und Brandenburger dabei helfen, eine potenzielle Ausbreitung möglichst schnell zu entdecken. Wer einen Käfer findet, bei dem es sich um den Japankäfer handeln könnte, ist dazu verpflichtet, den Fund zu melden. Man sollte den Käfer fangen, einfrieren und fotografieren. Das Foto muss anschließend mit Angabe des Fundortes und möglichst dem ausgefüllten Meldeformular per E-Mail an pgk_uqs@lelf.brandenburg.de geschickt werden. Dort werden die Bilder ausgewertet und bei Bedarf weitere Maßnahmen ergriffen. Meldungen sind auch telefonisch möglich: 0335 60676-2101.
