Flughafen Hamburg
: Geiselnahme nach mehr als 18 Stunden beendet – Kind befreit

UPDATE 05.11., 16:30 Uhr: Am Flughafen Hamburg hat ein bewaffneter Mann seine eigene Tochter als Geisel genommen. Nach mehr als 18 Stunden ist die Geiselnahme nun beendet. Was bisher bekannt ist.
Von
Janine Reinschmidt
Hamburg
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Geiselnahme am Flughafen Hamburg. Die Polizei ist mit einem Grosaufgebot vor Ort.

Bodo Marks/dpa

Schreckliche Szenen am Airport Hamburg. Ein bewaffneter Mann hielt dort seine vierjährige Tochter für über 18 Stunden in seiner Gewalt. Der 35-Jährige habe am Samstagabend um 20:00 Uhr mit einem Auto, dem Mädchen und noch mindestens einer weiteren Person an Bord ein Tor zum Flughafen durchbrochen.

Er schoss auf dem Gelände in die Luft und warf Brandsätze aus dem Wagen. Flughafensprecherin Janet Niemeyer teilte mit: „Wir können bestätigen, dass sich eine Person gestern Abend unbefugt und mit brachialer Gewalt Zutritt zum Sicherheitsbereich des Flughafens verschafft hat.“ Hintergrund soll ein Sorgerechtsstreit sein. Die Frau des Fahrers hat nach Angaben des Sprechers eine Kindesentziehung gemeldet.

Flugbetrieb am Airport Hamburg wurde eingestellt

Der gesamte Flugbetrieb wurde stillgelegt, die Terminals geräumt. Nach Angaben des Flughafens kam es den ganzen Tag über zu Flugstreichungen und Verzögerungen im Flugbetrieb. Für den gesamten Tag seien eigentlich 286 Flüge, 139 Abflüge und 147 Ankünfte mit rund 34 500 Passagieren geplant gewesen. Bereits am Samstag seien erste ankommende Maschinen umgeleitet worden.

Zahlreiche Passagiere verbrachten die Nacht in einem Flughafen-Hotel. „Wir haben hier im Endeffekt 250 Leute untergebracht“, sagte Frank Kohlstädt, Leiter der DRK-Station am Flughafen. Rund 200 Menschen hätten zudem noch Hotelzimmer bekommen. Die Menschen seien eher aufgeregt gewesen als psychisch belastet.

Die Polizei war mit einem Großaufgebot vor Ort. Darunter Spezialeinheiten und Polizeihunde. Eine Drohne war ebenfalls im Einsatz. Mehr als 18 Stunden lang stand sein Auto neben einer Maschine der Turkish Airlines. Über Stunden versuchte die Polizei, die Geiselnahme unblutig zu beenden - am frühen Sonntagnachmittag, nachdem die ganze Nacht auf Türkisch verhandelt wurde, schließlich mit Erfolg.

Während der stundenlangen Verhandlungen mit dem 35-Jährigen war das als Geisel im Auto festgehaltene Mädchen laut Polizei allem Anschein körperlich unversehrt. Das Kind sei in den Telefonaten mit dem Mann im Hintergrund zu hören gewesen, sagte Polizeisprecherin Sandra Levgrün der Deutschen Presse-Agentur.

Die Mutter wollte nach Angaben des Leiters des Kriseninterventionsteams des DRK Hamburg, Malte Stüben, „natürlich so schnell es geht zu ihrem Kind“. Die Frau war demnach am Airport in direktem Kontakt mit dem DRK. Nach Stübens Angaben war auch eine Kinderärztin da, die sich nach der Geiselnahme um das vierjährige Mädchen kümmern sollte.

Katja Bromm, Leiterin der Kommunikation am Hamburg Airport teilte in einer Pressemitteilung mit, dass die Vorbereitungen für die schnellstmögliche Wiederaufnahme des Flugbetriebes laufen. „Wir sind in enger Abstimmung mit den Sicherheitskräften, wann die Zufahrten und Terminals wieder freigegeben werden. Dennoch kommt es heute weiterhin zu erheblichen Streichungen und Verzögerungen. Bitte behalten Sie Ihren Flugstatus im Blick und wenden Sie sich bei Bedarf an Ihre Fluggesellschaft.“

Gleichwohl gab es aber auch Kritik an den Sicherheitsstandards an deutschen Flughäfen. Der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) etwa reicht das bisherige Vorgehen nicht mehr. „Es ist nur schwer vermittelbar, dass etwa Weihnachtsmärkte mit Betonbarrikaden gesichert werden, und unsere Flughäfen werden als Hochsicherheitsbereiche von Betreibern stiefmütterlich behandelt“, sagt DPolG-Bundesvize Heiko Teggatz.