Naturkatastrophe im Schweizer Lötschental: Jetzt warnt das Auswärtiges Amt

Nach dem Gletscherabbruch im Wallis (Lötschental) hat das Auswärtige Amt am 30.05.2025 seine Reisehinweise für die Schweiz aktualisiert. Was Reisende wissen müssen.
Jean-Christophe Bott/KEYSTONE/dpaNach dem Gletscherabbruch in der Schweiz am Mittwochnachmittag (28. Mai) herrscht im betroffenen Lötschental weiter höchste Anspannung. Das Wasser in dem See, der hinter den herabgestürzten Eis- und Gesteinsmassen entstanden ist, stieg nach Behördenangaben am Freitagvormittag (30. Mai) weiter an.
Sollte es wirklich zu einem plötzlichen Wasser- und Geröllabsturz kommen, droht in dem Tal die Zerstörung von bisher verschont gebliebenen Ortschaften. Nach den aktuellen Vorfällen im Lötschental hat das Auswärtige Amt seine Reisehinweise für die Schweiz aktualisiert.
Reisehinweis für die Schweiz aktualisiert
Die Meldung über die geänderten Reisehinweise hat das Auswärtige Amt am Freitag um kurz vor 14 Uhr herausgegeben. Das Auswärtige Amt informiert im aktualisierten Reisehinweis über den zurückliegenden Gletscherabbruch, die daraufhin aufgetretene Verschüttung des Dorfes Blatten sowie über die Stauung des Bergflusses Lonza. Auch die Kantonsstraße von Goppenstein nach Blatten bleibt gesperrt, heißt es in den Reisehinweisen.
Weiter heißt es: „Es werden weitere Vorsichtsmaßnahmen ergriffen, wie Teilevakuierungen benachbarter Ortschaften im Lötschental flussabwärts bis zur Mündung in Gampel-Steg im Rhonetal aufgrund nicht auszuschließender weiterer Murgänge, Überschwemmungen und im schlimmsten Fall einer Flutwelle, sollte der Staudamm in Ferden nicht halten.“
Reisende, die sich in der Region aufhalten, sollen unbedingt die Hinweise zu Natur und Klima beachten, die örtlichen Medien im Blick behalten und aktuelle Warnungen über die App von AlertSwiss verfolgen, die man sich kostenlos auf das Handy laden kann. Alternativ kann man die aktuellen Warnungen auch über die Website von AlertSwiss verfolgen.
Darüber hinaus bittet das Auswärtige Amt alle Reisenden in der betroffenen Region, sich unbedingt an die Anweisungen lokaler Behörden zu halten, die betroffenen Gebiete möglichst zu meiden und auch mit Behinderungen aufgrund der aktuellen Vorkommnisse sei zu rechnen.
Reisewarnung, Reisehinweis: Das ist der Unterschied
Reisehinweise des Auswärtigen Amtes enthalten Informationen über Einreisebestimmungen eines Landes, sind medizinische Hinweise oder thematisieren straf- oder zollrechtliche Besonderheiten. Solche Reisehinweise werden regelmäßig aktualisiert.
Reisewarnungen enthalten laut dem Auswärtigen Amt einen dringenden Appell, Reisen in ein Land oder eine Region zu unterlassen. Solche Warnungen werden in der Regel dann ausgesprochen, wenn allen Reisenden eine konkrete Gefahr für Leib und Leben droht. Deutsche, die sich in diesem Land aufhalten, werden gegebenenfalls zur Ausreise aufgefordert.
Gletscherabbruch im Lötschental: so ist die aktuelle Lage
Am Mittwochnachmittag (28. Mai) ereignete sich im Kanton Wallis ein dramatischer Gletscherabbruch: Teile des Birchgletschers lösten sich und stürzten in gigantischem Ausmaß ins Tal. Schätzungen zufolge bewegten sich rund drei Millionen Kubikmeter Fels und Eis talabwärts und trafen auf die Ortschaft Blatten. Zwar war das Dorf vorsorglich geräumt worden, dennoch wurde es nahezu vollständig zerstört.
Mittlerweile läuft das dramatisch aufgestaute Wasser des Flusses Lonza in geordneten Bahnen ab, berichtet die Deutsche Presseagentur. Die schlimmsten Befürchtungen einer Flutwelle oder einer Gerölllawine, die ins Lötschental donnern und weitere Dörfer gefährden könnten, sind zunächst ausgeblieben. „Wir rechnen nicht mit etwas Gröberem“, sagte Christian Studer von der Dienststelle Naturgefahren bei einer Pressekonferenz in Ferden. Risiken bestünden aber weiter.
„Es zeichnet sich ein erstes Gerinne ab“, sagte Studer. „Der Verlauf hat uns optimistisch gestimmt, dass das Wasser sich einen guten Weg sucht.“ Auf Drohnenaufnahmen ist auf dem gut zwei Kilometer langen Schuttkegel ein Wasserrinnsal zu sehen, und weiter unten im Flussbett der Lonza fließt ebenfalls Wasser. Das deutet darauf hin, dass Wasser auch durch den zwei Kilometer Schuttkegel sickert.
Fachleute, die das Katastrophengebiet auf rund 1.500 Metern Höhe im Lötschental im Kanton Wallis immer wieder überfliegen, sahen keine unmittelbaren Gefahren für die weiter unten im Tal gelegenen Ortschaften. Allerdings ist schwer zu beurteilen, wie der instabile Schuttkegel sich verändert. Am Talboden liegen rund neun Millionen Kubikmeter Material, sagte Studer. Ein Drittel dürfte Eis des Birschgletschers sein, sagte Studer. Er gehe aber bislang nicht davon aus, dass das Material sehr schnell schmilzt, sagte er.
Größere Gefahr sehen Experten durch weitere Abbrüche am „Kleinen Nesthorn“ auf mehr als 3.000 Metern, das die Katastrophe ausgelöst hat. Dort sei die Lage weiter unberechenbar. Das Gelände sei sehr steil, was die Gefahr von weiteren Gerölllawinen vergrößert. Auch Niederschläge machen den Experten sorgen, so Studer. Ab Sonntag ist in dem Gebiet schlechtes Wetter vorhergesagt.
