Handyverbot: TikTok-Sperre, Scroll-Bremse und keine Livestreams mehr - Was Wissenschaftler fordern

Die Nationale Akademie der Wissenschaften in Deutschland fordert mehr Schutz von Jugendlichen vor sozialen Netzwerken.
Alicia Windzio/dpaIn Deutschland nimmt aktuell die Diskussion um den Schutz von Kindern und Jugendlichen unter anderem vor sozialen Netzwerken an Fahrt auf. Nach dem erst gerade Thüringens Ministerpräsident ein Handyverbot an Schulen gefordert hat, melden sich jetzt Forscher der Wissenschaftsakademie Leopoldina zu Wort.
Das fordern Wissenschaftler zum Schutz von Kindern und Jugendlichen
Die Nationale Akademie der Wissenschaften hat einen besseren Schutz von Kindern und Jugendlichen im Umgang mit sozialen Medien gefordert. Konkret empfehlen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unter anderem:
- Für Kinder unter 13 Jahren: ein striktes Nutzungsverbot. Die Angebote sozialer Medien seien für sie „grundsätzlich ungeeignet“.
- Im Alter von 13 bis 15 Jahren empfiehlt die Akademie eine von den Eltern begleitete Nutzung. In Bildungseinrichtungen sollte die Nutzung von Smartphones bis zur zehnten Klasse untersagt werden.
- Bei Kindern unter 16 Jahren sollen Livestreaming, Push-Benachrichtigungen sowie endloses Scrollen verhindert werden.
- Bis 17 Jahren sollten soziale Medien dann nutzbar sein, jedoch altersgerecht - also mit deutlichen Einschränkungen, hieß es.
Warum Kinder vor sozialen Netzwerken geschützt werden müssen
Heranwachsende seien derzeit akut gefährdet, rasches Handeln von Bund und Ländern deshalb erforderlich, so die Forschenden in dem Papier. Neben Schutzmaßnahmen sei wichtig, Kindern und Jugendlichen angemessene digitale Teilhabe und einen souveränen Umgang mit sozialen Medien zu ermöglichen. Ziel müsse sein, ihnen eine Nutzung sozialer Medien gewährleisten zu können, ohne sie mit deren Risiken zu überfordern. Aus wissenschaftlicher Sicht gebe es derzeit deutliche Hinweise darauf, „dass die Nutzung sozialer Medien - trotz wichtiger Vorteile - die psychische Gesundheit, das Wohlbefinden und die Entwicklungschancen von Kindern und Jugendlichen erheblich beeinträchtigen kann“, schreiben die Forschenden.
Leopoldina: Was ist die Nationalen Akademie der Wissenschaften in Deutschland?
Die Leopoldina hat ihren Sitz im sachsen-anhaltischen Halle und vertritt die deutsche Wissenschaft in internationalen Gremien. Sie hat rund 1.700 Mitglieder aus mehr als 30 Ländern und vereinigt Expertise aus nahezu allen Forschungsbereichen. Sie wurde 1652 gegründet und 2008 zur Nationalen Akademie der Wissenschaften Deutschlands ernannt.

