Influencer-Wahnsinn: Diese tödlichen Selfie-Spots sind nichts für Zartbesaitete

Ein Mann hängt für ein Bild an dem Felsen Pedra do Telegrafo in Rio. Touristen und Einheimische lassen sich hier an der Spitze des Felsens in scheinbar waghalsigen Posen ablichten.
Aline Massuca/dpaKlippen, Aussichtspunkte, steile Hänge – das sind Orte, die viele Menschen faszinieren. Seitdem Social Media eine so große Rolle im Leben der meisten Menschen spielt, gehört auch die Selbstinszenierung für viele dazu. Manchmal allerdings mit dramatischen Folgen, wie eine Liste der tödlichsten Selfie-Spots der Welt zeigt.
Angel’s Billabong auf Bali (Indonesien)
Der Spot auf der Trauminsel Bali ist eine Art natürlicher Infinity-Pool. Die Natur hat hier zwischen schroffen Felsen eine Art Becken erschaffen, das mit kristallklarem Wasser gefüllt ist und direkt an das Meer grenzt. Natürlich ist Angel’s Billabong für viele Bali-Reisende DAS Fotomotiv, da muss natürlich auch ein Selfie her. Das dachte sich auch Nilesh Mukhi. Der 59-Jährige war mit seiner Frau Kavita an der Sehenswürdigkeit, als ihn eine riesige Welle erfasste und ins offene Meer zog. Das Paar soll Berichten der örtlichen Polizei zufolge sehr nahe an der Kante des Kliffs gestanden haben, als das Unglück passiert. Der Mann konnte am nächsten Tag nur noch tot geborgen werden. Es war nicht der erste Todesfall an dieser Stelle. Ein ähnliches Schicksal ereilte bereits 2018 einen Chinesen sowie 2016 einen Australier an derselben Stelle.
In diesem Video auf TikTok sind die steilen Klippen im vorderen Bereich gut zu erkennen:
In diesem Video sieht man sehr gut, dass manchen Menschen vor Ort überhaupt nicht bewusst ist, WIE gefährlich die Wellen sein können. Nur einige Sekunden trennen das Pärchen im Video davon, von einer riesigen Welle ins Meer gezogen zu werden.
Klettersteig „Himmelsleiter“ am Donnerkogel in Österreich
Viele Selfie-Süchtige treibt es für ein atemberaubendes Foto auch in schwindelerregende Höhe. Ein weiterer, gefährlicher Selfie- und Instagram-Hotspot liegt im österreichischen Salzkammergut: der Klettersteig am Donnerkogel. Ein Geheimtipp ist die 40 Meter lange Himmelsleiter, die seit 2017 existiert, nicht mehr. Die Leiter schwebt in rund 100 Meter Höhe über einer Schlucht. Das ist selbst für erfahrene Alpinisten eine Herausforderung, hält Selfie-Süchtige allerdings nicht davon ab, den Aufstieg trotzdem zu versuchen.
Im Jahr 2023 starb ein 42-jähriger Brite am Ausgang des Steigs, weil er das Gleichgewicht verlor und knapp hundert Meter in die Tiefe fiel. Immer wieder kommt es auch zu fast-tödlichen Situationen, weil Menschen sich überschätzen oder den Aufstieg ohne Ausrüstung wagen wollen. Sie müssen dann aufwendig geborgen werden. Dennoch hält viele Menschen die Gefahr nicht davon ab, es dennoch zu versuchen. Besonders an den Wochenenden kommt es teilweise zu richtigen Staus am Klettersteig.
Harihar Fort in Indien
Höhenangst sollte man auch beim nächsten, tödlichen Selfie-Spot nicht haben. Das Harihar Fort ist eine Jahrhunderte alte Festung im indischen Bundesstaat Maharashtra und zieht jährlich viele Selfie-Süchtige an. Der fast senkrechte Aufstieg besteht aus – in den Stein gemeißelten – Stufen und ist bereits unter guten Wetterbedingungen nichts für Angsthasen. Vielen Menschen reicht das aber noch nicht: Sie stellen sich der Herausforderung, den Weg in der Regenzeit zu meistern. Dann sind die ohnehin abgenutzten Stufen besonders rutschig. Festhalten kann man sich lediglich an Löchern links und rechts der Treppe.
Allein dieses Drohenvideo dürfte bei Menschen mit Höhenangst für schwitzige Hände sorgen:
Pedra do Telégrafo in Rio de Janeiro
Der Felsen „Pedra do Telégrafo“ in Rio de Janeiro befindet sich in 350 Meter Höhe und ist für Touristen relativ gut zu erreichen. Wahrscheinlich sind die meisten Menschen vor dem Selfie-Zeitalter hierhergekommen, um die wunderschöne Aussicht auf die Copacabana zu genießen.
Irgendwann geriet dann aber die außergewöhnliche Feldformation selbst in den Fokus, nämlich als Selfie-Spot! Wird beim Fotografieren die richtige Perspektive gewählt, sieht es so aus, als befände man sich in schwindelerregender Höhe ohne Sicherung auf einem Felsvorsprung. Das wirkt allerdings nur so. Der Felsen befindet sich nämlich nur zwei Meter über dem Boden. Dennoch kam es hier zugleich zwei Todesfällen: 2023 stritten sich hier zwei Männer wegen eines Fotos und stürzten beide den Abgrund hinunter.
Verursacher des Selfie-Wahnsinns, für den man mittlerweile auch schonmal eine Stunde oder länger anstehen muss, ist wahrscheinlich der Fitness-Influencer Luis Fernando Candela. Er postete Ende 2015 eine Fotoreihe. Eines der Fotos zeigt den Mann, nur mit den Fußspitzen vom Felsen hängend. Die Pose samt Bild ging viral und fand in der Folge viele Nachahmende.
Iguazú-Wasserfälle
Genau an der Grenze Brasilien-Argentinien gelegen, bieten die Iguazú-Wasserfälle Reisenden ein spektakuläres Naturschauspiel. Der Ort bietet 20 größere und ca. 250 kleinere Wasserfälle sowie eine Art „Steg“ mittendrin, der von Geländern gesichert wird.
Aber obwohl es mittlerweile überall Warnschilder gibt, gibt es doch immer mal wieder Menschen, die diese Sicherheitsvorkehrung für ein Foto ignorieren. Dabei starb 2022 ein Mensch. Er hatte sich Berichten zufolge für ein Selfie auf das Geländer gesetzt, verlor dabei das Gleichgewicht und stürzte kopfüber ins Wasser. Der Mann wurde sofort von den tosenden Wassermassen hinuntergezogen und konnte nur noch tot geborgen werden.
