Interstellares Objekt 3I/Atlas
: Seltener Komet fliegt durchs Sonnensystem

Besuch aus den Tiefen des Weltraums: In unserem Sonnensystem ist ein drittes interstellares Objekt gesichtet worden. Mit etwas Glück könnten auch Hobby-Astronomen es zu Gesicht bekommen.
Von
Paloma Schneider
Berlin
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Der Himmelskörper ist wohl ziemlich schnell unterwegs.

Sun Fei/XinHua/dpa

Astronomen haben bereits zwei interstellaren Kometen entdeckt – nun konnten sie einen dritten Himmelskörper aus den Tiefen des Weltraums in unserem Sonnensystem entdecken.

Was ist ein interstellarer Himmelskörper?

Ein interstellarer Himmelskörper oder interstellares Objekt sind ein astronomisches Objekt im Weltraum, die nicht durch Gravitation an andere Sterne gebunden wird und daher das Sonnensystem nur durchqueren. Sie können verschiedene Formen annehmen, wie Kometen und Asteroiden.

Daten des dritten interstellaren Objekts

Es ist der dritte bekannte interstellare Himmelskörper, der durch unser Sonnensystem fliegt. Bevor ihm der Namen 3I/Atlas gegeben wurde, war er zuvor unter dem provisorischen Namen A11pl3Z bekannt. Er wurde von Astronomen der NASA entdeckt und stellt einen bedeutenden wissenschaftlichen Meilenstein dar.

Im Vergleich zu seinen beiden Vorgängern, 1I/‘Oumuamua (2017) und 2I/Borisov (2019), ist 3I/Atlas vermutlich der größte. Mit einer geschätzten Größe von 10 bis 20 Kilometern könnte es sich um einen Kometen handeln, so Leiter der European Space Agency (ESA), Richard Moissl. Er bestehe hauptsächlich aus Eis, wie eine gewisse Unschärfe in den Messungen vermuten ließe. Die Entdeckung fand durch das Atlas-Teleskop im chilenischen Rio Hurtado statt, das schon einige wichtige Daten zu seiner Bewegung und Position gesammelt hat.

Third-ever confirmed interstellar object blazing through Solar System: This image courtesy of David Rankin, Saguaro Observatory, shows interstellar object A11pI3Z captured on June 2, 2025 by David Rankin, engineer at the Catalina Sky Survey at the University of Arizona. Astronomers on June 2 confirmed the discovery of an interstellar object racing through our solar system -- only the third ever spotted, though scientists suspect many more may slip past unnoticed.
The visitor from the stars, designated 3I/Atlas by the International Astronomical Union's Minor Planet Center, is likely the largest yet detected. It has been classified as a comet.
"The fact that we see some fuzziness suggests that it is mostly ice rather than mostly rock," Jonathan McDowell, an astronomer at the Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics, told AFP.
Originally known as A11pl3Z before it was confirmed to be of interstellar origin, the object poses no threat to Earth, said Richard Moissl, head of planetary defence at the European Space Agency.
"It will fly deep through the Solar System, passing just inside the orbit of Mars," but will not hit our neighbouring planet, he told AFP. (Photo by David RANKIN / David Rankin, Saguaro Observatory / AFP) / RESTRICTED TO EDITORIAL USE - MANDATORY CREDIT "AFP PHOTO / David Rankin, Saguaro Observatory" - NO MARKETING NO ADVERTISING CAMPAIGNS - DISTRIBUTED AS A SERVICE TO CLIENTS

Erstmals bekannt als A11pl3Z heißt der dritte bekannte Komet nun 3I/Atlas.

DAVID RANKIN/AFP

Was ist so besonders an diesem Himmelskörper?

Der besondere Reiz von 3I/Atlas liegt vor allem in seiner Herkunft und seinem Flughöhenverhalten. Als interstellarer Komet fliegt er mit einer erheblich höheren Geschwindigkeit als die vorherigen Objekte, was ihn zu einem spannenden Forschungsobjekt macht. „Dieses Ding ist ziemlich schnell unterwegs“, sagte Paul Chodas vom Zentrum für Studien über erdnahe Objekte in Kalifornien der „New York Times“.

Was ist die Flugbahn des interstellaren Objekts?

Seit einigen Tagen habe man nun Beobachtungsdaten, erzählt Astronom Rainer Kresken, der für die europäische Raumfahrtbehörde ESA in Darmstadt im Planetary Defence Office. „Wir können mit Sicherheit sagen, dass das Objekt nicht in einer Umlaufbahn um die Sonne ist, sondern aus dem weiten Weltall gekommen ist.“ Nach einem Anfangsverdacht stehe jetzt also fest, dass es ein interstellares Objekt ist.

3I/Atlas bewegt sich mit einer enormen Geschwindigkeit durch das Sonnensystem und wird am 30. Oktober den sonnennächsten Punkt seiner Flugbahn erreichen, der knapp 210 Millionen Kilometer von der Sonne entfernt sein wird – innerhalb der Marsbahn.

Hobby-Astronomen hätten somit die Möglichkeit, den Kometen aus einem Telekop zu erkennen. „Es wird bis Ende Oktober heller werden, sich der Sonne annähern und wird dann bis ins nächste Jahr mit dem Teleskop erkennbar sein“, so Moissl. Aufgrund seiner hohen Geschwindigkeit ist eine detaillierte Untersuchung des Objekts jedoch schwierig.

Seltener Besucher oder seltener Fund?

Die Frage ist, ob solche Himmelskörper tatsächlich nur selten zu uns gelangen – oder ob wir sie schlicht selten entdecken. Die Entdeckung eines interstellaren Himmelskörpers erfolgt in der Regel mit leistungsstarken Teleskopen. Einen ersten Besucher aus einem anderen Sonnensystem, der eindeutig als solcher identifiziert worden ist, fanden Fachleute 2017. 1I/'Oumuamua, ein zigarrenförmiges, etwa 400 Meter langes Objekt war damals in nur einem Viertel der Erdentfernung an der Sonne vorbeigeflogen. 2019 folgte dann ein weiterer Gast aus der Ferne: 2I/Borisov.

Ob interstellare Besucher sehr selten oder nur schwer zu erfassen sind, ist nicht ganz klar. „Es gibt da einen Verdacht“, sagt Astronom Kresken, „nämlich, dass schon ziemlich viele von solchen Objekten beobachtet worden sind, aber unter der Annahme, dass die in einer Umlaufbahn um die Sonne sind, hat man das gar nicht richtig weiter verfolgt.“

Wie viele Himmelskörper fliegen durch unser Sonnensystem?

Laut Mark Norris, Astronom der britischen University of Central Lancshire gehe man davon aus, dass sich bis zu 10.000 interstellare Objekte, die sich zeitgleich im Sonnensystem aufhalten könnten. Allerdings werden viele dieser Objekte vielleicht nicht als interstellar erkannt, weil sie zunächst in eine Umlaufbahn um die Sonne interpretiert werden. Diese Objekte lieferten einen seltenen Einblick in die Lebensbedingungen außerhalb des Sonnensystems. Würden auf ihnen etwa Aminosäuren entdeckt werden, wäre dies ein Hinweis auf die Möglichkeit von Leben.