Inzest-Warn-App: Hier braucht man beim Dating eine App, um bestimmte Menschen zu meiden

In diesem Land braucht man beim Dating eine Inzest-Warn-App.
Paul Zinken/dpaÜberall auf der Welt werden Dating-Apps genutzt, um potenzielle Partner und Partnerinnen kennenzulernen. Doch in einem europäischen Land, wird eine App genutzt, um beim Dating gewisse Menschen zu meiden! Es geht um eine App, um Inzest zu vermeiden. In welchem Land diese App beim Kennenlernen genutzt wird und warum.
In diesem Land braucht man beim Dating eine Inzest-Warn-App
Island hat nur knappe 400.000 Einwohner und ist der am dünnsten besiedelte Staat Europas und einer der am dünnsten besiedelten Staaten der Welt. Die Besiedlung der Insel fand erst spät, im 9. Jahrhundert, statt. Im späten 9. und frühen 10. Jahrhundert siedelten sich auf Island einige Norweger, Kelten und Auswanderer aus anderen skandinavischen Ländern an. Seitdem waren sie größtenteils unter sich, was dazu führte, dass die Inzestrate in die Höhe ging. Die Bevölkerung wuchs über die Jahrhunderte, doch noch immer sind fast alle 396.960 Isländer (Stand: 3. Quartal 2023) mehr oder weniger miteinander verwandt.
Der Isländer Alexander Annas Helgason entwickelte deswegen eine Inzestvermeidungsapp für Isländer. Wer die App nutzt, kann seinen Familienstammbaum und den seines Gegenübers bis zum 12. Jahrhundert zurückverfolgen. Die Daten beruhen auf einer genealogischen Datensammlung, dem Íslendingabók. Diese enthält Informationen über 720.000 Isländer, die seit dem 12. Jahrhundert auf Island gelebt haben. Die Datensammlung entstand durch die Firma Decode, die genetische Daten aller Isländer sammelte – eigentlich für einen anderen Zweck. Helgason und seine Firma Sad Engineer Studio machten sich dann diese Datensammlung zu Nutze und entwickelten eine App, um Inzest zu vermeiden.
So funktioniert die App, um Inzest zu vermeiden
Wer also jemanden kennenlernt, sucht nach dem Namen seines Gegenübers in der App. Stellt die App beispielsweise dieselben Großeltern fest, geht ein Alarm los. Die Inzest-Warn-App zeigt den Isländern, wie nah oder entfernt sie miteinander verwandt sind. Helgason selbst sagte in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung im Juni 2013, er sei verwandt mit einem der ersten Siedler Islands.
Die App „Islendinga“ ist kostenlos und kann nur herunterladen werden, wenn man eine isländische Sozialversicherungsnummer hat.
