Reisen nach Katar-Angriff
: „Das kann sogar Flüge ans Mittelmeer betreffen“

Iran hat US-Stützpunkte in Katar angegriffen, der Luftraum ist gesperrt. Ein Sicherheitsexperte sagt, was jetzt bei Doha-Flügen wichtig ist.
Von
Nicole Züge
Berlin
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Fußball, WM 2022 in Katar, Land und Leute, die Skyline von West Bay Doha ist im Sonnenuntergang von einem Ausflugsschiff zu sehen. +++ dpa-Bildfunk +++

Iran hat US-Stützpunkte in Katar angegriffen. Was Reisende jetzt zum wichtigen Asien-Drehkreuz Doha (im Bild) wissen müssen.

Christian Charisius/dpa

Am Montagabend (23.6.) hat der Iran Katar mit Raketen angegriffen. Doha, die Hauptstadt Katars, ist ein wichtiges Drehkreuz für Reisen nach Asien und in den Wintermonaten ein beliebtes Reiseziel.

Das Auswärtige Amt hatte bereits am 19. Juni 2025 per Eilmeldung vor nicht notwendigen Reisen nach Katar gewarnt. Ein Sicherheitsexperte gibt eine Einschätzung zu alternativen Flugrouten und sagt, ob es eine Reisewarnung gibt und worauf Urlauber sich jetzt einstellen müssen.

Gibt es eine Reisewarnung für Katar?

Nach jetzigem Stand (24.06.2025, 7:53 Uhr) gibt es keine Reisewarnung für Katar. Das Auswärtige Amt (AA) warnt bisher nur per Eilmeldung vor möglichen Konflikten in der Region und rät von nicht notwendigen Reisen ab.

Im genauen Wortlaut heißt es in der aktualisierten Version von Dienstag:  „Durch die andauernde militärische Auseinandersetzung zwischen Israel und Iran hat sich die Sicherheitslage in der gesamten Region verschärft. Eine regionale Ausweitung des Konflikts kann nicht ausgeschlossen werden. Im Zusammenhang mit dem Konflikt kann es auch in Katar jederzeit zu sicherheitsrelevanten Vorfällen und erheblichen Beeinträchtigungen des Flugverkehrs kommen.“

Deutsche in der Region sollten in eigenverantwortlicher Abwägung der individuellen Situation entscheiden, ob sie ausreisen, informiert das AA.

Das Auswärtige Amt rät Reisenden zudem Folgendes:

  • Registrieren Sie sich in der Krisenvorsorgeliste ELEFAND des Auswärtigen Amts bzw. prüfen Sie, ob Ihre dort hinterlegten Daten aktuell sind.
  • Informieren Sie sich über die lokalen Medien. Seien Sie insbesondere an belebten Orten und bei besonderen Anlässen besonders aufmerksam. Meiden Sie Demonstrationen und größere Menschenansammlungen weiträumig.
  • Wenden Sie sich bei Fragen zu Flügen bzw. zu Umbuchungsmöglichkeiten direkt an Ihre Fluglinie oder Ihren Reiseanbieter.
  • Folgen Sie den Anweisungen der Sicherheitskräfte.

Katar: Luftraum geschlossen - Folgen für Reisende

Marcel Conrad, Chief Content Manager beim Reisesicherheits-Analysten A3M hatte bereits vor der Schließung des Luftraums über Katar im Gespräch mit moz.de zu bedenken gegeben, dass auch Flüge nach Asien direkt vom Israel-Iran-Konflikts betroffen sind. Ein Faktor sei die Zeit, weil Fluggesellschaften deutlich längere Strecken fliegen müssen, um die Konfliktregionen zu meiden.

Katar, speziell der Flughafen in der Hauptstadt Doha, gehört zur favorisierten Südroute, die über Ägypten, Saudi-Arabien, Katar, die VAE und den Oman nach Pakistan führt.

Auch die Nordroute über Türkei, Armenien, Aserbaidschan und Turkmenistan wurde bereits kurz nach dem Angriff Israels stärker belastet. Reisende, die über die genannten Routen derzeit nach Asien möchten, sollten sich jetzt erst recht auf längere Flugzeiten, Verspätungen und auch Ausfälle einstellen.

Auch Flüge in die Golfregion und ins östliche Mittelmeer können betroffen sein, weil Flugrouten und damit auch die Flugsicherung überlastet sind, so Marcel Conrad weiter. „Das kann sogar Flüge nach Griechenland oder in die Türkei betreffen“, warnt der Experte.

Flüge nach Asien: Gibt es eine Alternative zu Doha?

Ein beliebtes Drehkreuz auf dem Weg nach Asien ist Istanbul, erfahren wir von Marcel Conrad. „Grundsätzlich ist aber der Flugverkehr in der Region stärker belastet, das gilt auch für Istanbul.“

Welche Maßnahmen können Urlauber zur Vorbereitung noch treffen?

Grundsätzlich ist es immer ratsam, sich über die aktuelle Lage vor Ort zu informieren. Dazu eignen sich besonders lokale Medien, die auf Englisch publizieren, da diese schneller und detaillierter als internationale oder deutsche Medien sind, rät Marcel Conrad. Soziale Medien sind natürlich ungeeignet, da dort viele Falschmeldungen kursieren. Vor Reiseantritt sollten Reisende außerdem einen kurzen Blick auf die Webseite ihrer Fluggesellschaft und/oder ihres Zielflughafens werfen, um über Einschränkungen im Idealfall vor Reiseantritt informiert zu sein. Prinzipiell ist es ratsam, bei einem namhaften Reiseveranstalter zu buchen, da Gäste dann im Ernstfall eine Rundum-Betreuung erhalten.

Wie gut sind Fluggesellschaften und Reiseveranstalter vorbereitet?

Wegen längerer Flugzeiten auf Flugrouten nach Asien ist immer mit Verspätungen zu rechnen. Einige Fluggesellschaften reagieren auf die längeren Flugzeiten, indem sie geplante Transitaufenthalte um wenige Stunden verlängern. Grundsätzlich können die längeren Flugzeiten aber natürlich auch dazu führen, dass Flugreisende den Weiterflug verpassen, sagt Conrad. Das höchste Gut ist bei der Bewertung der Lage immer die Sicherheit der Passagiere und Besatzungen, gibt der Sicherheitsspezialist zu denken, „daher sind Flugstreichungen nicht die schlechteste aller Optionen.“