Corona Österreich Risikogebiete
: Coronavirus: Ischgl-Opfer klagen auf Schadensersatz

Aus der Partyhochburg Ischgl wurde das Coronavirus in 45 Staaten getragen. Österreich und das Land Tirol sollen zahlen.
Von
Michael Maier mit dpa
Wien
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Kann die Skisaison 2020/2021 in Tirol und Vorarlberg trotz Reisewarnung stattfinden?

dpa

Touristen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, die sich im Skiort Ischgl mit dem Coronavirus infiziert haben, klagen gegen die Republik Österreich und das Land Tirol. Am Mittwoch hat ein österreichischer Verbraucherschutzverein beim Landgericht Wien die ersten Muster-Klagen eingereicht. Es geht um Schadenersatz und die Anerkennung von Folgeschäden. Aus den Benelux-Ländern gibt es für Tirol unterdessen erneut Reisewarnungen.

Hingegen sieht Deutschland offenbar das benachbarte Vorarlberg als gefährlicher an und hat es zum Risikogebiet erklärt. Während Belgien beide Bundesländer komplett auf seine „rote Liste“ setzt, warnen die selbst stark von Corona betroffenen Niederlande jedoch nur vor Innsbruck.

„Zu spät auf Corona in Ischgl reagiert“

Mehr als 6000 Tirol-Urlauber, davon viele Deutsche, hatten sich nach Angaben des Vereins bis Ende August gemeldet. Rund 1000 Menschen hatten sich demnach bis dahin dem Strafverfahren als Privatbeteiligte angeschlossen. Darunter seien auch Fälle von Deutschen, die entweder durch die Erkrankung gestorben seien oder - wie im Fall eines Mannes aus dem Rheinland - nach langem Aufenthalt auf der Intensivstation mit Folgeschäden zu kämpfen hätten.

Nach Darstellung des Vereins haben die Verantwortlichen zu spät und nicht umfassend genug auf den Ausbruch des Virus reagiert. Von dem für seine Après-Ski-Szene bekannten Ischgl aus sei das Coronavirus in 45 Staaten getragen worden.

Planungen für Skisaison 2020/2021 in Tirol und ganz Österreich

„Unser Pfand sind 6.000 Leute, die vor Ort waren und die ganz genau beschreiben, was war vor Ort, und dann natürlich auch ihren weiteren Leidensweg mit Infektion, viele waren dann in Heimquarantäne, und ein bis zwei Prozent waren im Krankenhaus, Intensivstation, und bis heute zählen wir 32 Verstorbene“, so Peter Kolba, Vorsitzender des Verbraucherschutzvereins bei einer Pressekonferenz in Wien.

In der Woche vom 7. bis 13. März sei die Schließung des Paznauntals sowie eine Warnung der Touristen unterlassen worden, heißt es. Außerdem habe man aus wirtschaftlichen Gründen krampfhaft versucht, den Skibetrieb aufrecht zu erhalten und die Evakuierung am Freitag, 13. März, sei auf chaotische und gefährliche Art erfolgt.

Dickes Fragezeichen hinter dem Ski-Winter in Tirol, Vorarlberg und Bayern

In den österreichischen Medien findet das Thema Ischgl unterdessen kaum noch Niederschlag, hingegen laufen trotz hoher Corona-Zahlen in ganz Österreich bereits Planungen für die Skisaison 2020/2021 in Tirol und anderen Regionen. Bundeskanzler Kurz gab bei einer Pressekonferenz in Wien ein Après-Ski-Verbot bekannt. Generell sollen für den Wintertourismus in Österreich verschärfte Regeln gelten.

Ob der Ski-Winter angesichts deutscher Reisewarnungen für Tirol und Vorarlberg überhaupt stattfinden kann, ist indes unklar. Völlig offen sind auch die Regelungen, die das restriktive Bayern für den Wintertourismus treffen wird.