Ist Grönland Teil der EU?: Status, Geschichte und Beziehungen zur Europäischen Union

Das Militärschiff HDMS Knud Rasmussen der Königlich Dänischen Marine patrouilliert in der Nähe von Nuuk.
Evgeniy Maloletka/dpaGrönland, die große arktische Insel im Nordatlantik, steht geografisch näher an Nordamerika, gehört politisch jedoch zum Königreich Dänemark. Viele fragen sich, ob Grönland deshalb auch Teil der Europäischen Union (EU) ist. Die Antwort fällt eindeutig aus: Grönland gehört nicht zur EU. Dieser Text erklärt, warum das so ist und wie die Beziehungen zwischen Grönland und der EU heute aussehen.
Grönlands Austritt aus der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft
Als Dänemark im Jahr 1973 der damaligen Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG), dem Vorläufer der heutigen EU, beitrat, war Grönland automatisch eingeschlossen. Anders als in Dänemark war die Unterstützung für die Gemeinschaft in Grönland jedoch gering. Ein Referendum im Jahr 1982 führte zu einer knappen Mehrheit für den Austritt, der 1985 vollzogen wurde. Grönlands Entscheidung, die EWG zu verlassen, hing maßgeblich mit Unzufriedenheit über Fischereipolitik und mangelnder Mitsprache zusammen.
Politischer Status Grönlands
Heute ist Grönland ein autonomes Gebiet innerhalb des Königreichs Dänemark. Es besitzt eine weitreichende Selbstverwaltung, insbesondere in inneren Angelegenheiten, während Dänemark weiterhin die Bereiche Außenpolitik, Verteidigung und Währungspolitik verantwortet.
Obwohl Dänemark als EU-Mitgliedstaat Teil der EU ist, gilt das nicht automatisch für Grönland. Offiziell ist Grönland kein EU-Mitglied und kein Teil des EU-Binnenmarkts oder der Zollunion. Die meisten EU-Rechtsakte finden dort keine Anwendung.
Grönlands Sonderstatus als Überseegebiet
Grönland hat jedoch einen speziellen assoziierten Status gegenüber der EU. Es zählt zu den überseeischen Ländern und Hoheitsgebieten (OCT). Diese Klassifizierung bedeutet, dass es enge Kooperationen und spezielle Abkommen mit der EU gibt, etwa im Bereich Fischerei sowie bei Handel und Entwicklungsprojekten. EU-Vereinsmitglieder haben Zugang zu verschiedenen Förderprogrammen, und grönländische Fischereiprodukte genießen zollfreien Zugang zum EU-Markt, solange entsprechende Abkommen bestehen.
EU-Bürgerschaft vs. EU-Mitgliedschaft
Ein häufiges Missverständnis betrifft die EU-Bürgerschaft: Menschen, die in Grönland leben, besitzen die dänische Staatsangehörigkeit. Damit sind sie automatisch EU-Bürger und genießen bestimmte Rechte, wie die Niederlassungsfreiheit innerhalb der EU. Diese persönliche EU-Bürgerschaft ändert jedoch nichts am Status des Territoriums selbst.
Aktuelle Entwicklung der Beziehungen zwischen Grönland und EU
In den vergangenen Jahren haben EU und Grönland ihre Zusammenarbeit weiter ausgebaut. Dies betrifft etwa strategische Partnerschaften in Bereichen wie Bildung, nachhaltige Rohstoffe und grüne Technologien. Grönlands Ministerpräsident hat wiederholt betont, dass eine enge Kooperation mit der EU sinnvoll ist, ohne jedoch eine Rückkehr zur Mitgliedschaft anzustreben.
Im Zuge geopolitischer Diskussionen, etwa über die arktische Sicherheit, hat die EU außerdem klargestellt, dass territoriale Fragen wie die Verteidigung eines EU‑Mitgliedstaates im Rahmen der Solidaritäts- und Beistandsklauseln auch Grönland betreffen könnten, weil es zum Gebiet des Königreichs Dänemark gehört.
