Japankäfer in Sachsen: Gibt es die gefräßige Art schon im Freistaat?

Der nur einen Zentimeter große Japankäfer gilt als invasive Tierart. Gibt es das Insekt auch schon in Sachsen?
Uli Deck/dpaMit invasiven Tierarten kennen sich die Behörden in Sachsen bereits aus: In diesem Jahr machte ein invasiver Krebs in Leipzig Schlagzeilen, der sich dort nachweislich angesiedelt hat. Auch der Japankäfer (Popillia japonica) wurde eingeschleppt und macht aktuell in Baden-Württemberg von sich reden: In Freiburg musste eine Sperrzone eingerichtet werden, die eine weitere Verlagerung des Befalls eindämmen soll. Das hat massive Einschränkungen für Bewohnerinnen und Bewohner der Sperrzone zur Folge.
Warum der Japankäfer so gefährlich ist, wie man ihn erkennt und ob das Insekt auch schon in Sachsen gesichtet wurde.
Der Japankäfer in Deutschland: Darum ist er so gefährlich
Der Japankäfer (Popillia japonica) gilt als invasive Art. Das Insekt stammt ursprünglich aus Asien. Erstmals nach Europa eingeschleppt wurde der Käfer, der zur Familie der Blatthornkäfer gehört, wahrscheinlich schon in den 1970-er Jahren, informiert das Landwirtschaftsministerium Sachsen.
Der Käfer richtet vor allem in der Landwirtschaft massive Schäden an: Obstplantagen, Weinberge, Wälder, Grünanlagen und Gärten – die Insekten fressen bei mehr als 400 Pflanzenarten alles kahl, wie das Landwirtschaftliche Technologiezentrum Augustenberg (LTZ) in Karlsruhe gegenüber der Deutschen Presseagentur (dpa) berichtet.
Natürliche Feinde hat das Insekt hierzulande nicht, auch darum ist die Sorge vor einer Ausbreitung in Deutschland groß. In der EU gehört der Japankäfer darum zu den Schädlingen, die systematisch bekämpft werden müssen.
Japankäfer in Freiburg: Sperrzone errichtet
Um eine weitere Ausbreitung des gefräßigen Japankäfers zu verhindern, müssen sich Bürger in Teilen Freiburgs nun an Einschränkungen halten. In einer sogenannten Befallzone nördlich der Innenstadt gelten seit Anfang August strenge Regeln für die Ausfuhr von Pflanzen und Erde aus diesem Schutzbereich. Außerdem dürfen die Bewohner der Sperrzone bis Ende September keine Rasen- und Grünflächen mehr bewässern. Damit soll verhindert werden, dass die Weibchen ihre Eier in den Flächen ablegen. Die Weibchen des Japankäfers legen ihre Eier nämlich bevorzugt in feuchten oder bewässerten Grasflächen ab. Die Larven fressen die Graswurzeln und verursachen Schäden an Wiesen und Rasenflächen.
Freiburg ist als erste deutsche Großstadt von Beschränkungen dieser Art betroffen. Im Bereich des Güterbahnhofs der Schwarzwaldmetropole wurden im laufenden Jahr zahlreiche Käfer gefunden. Es gibt die Vermutung, dass sie eingeschleppt wurden. Weil in der Schweiz nahe der deutschen Grenze Japankäfer entdeckt wurden, gibt es auch hier bereits Schutzbereiche.
Käfer kam über Italien in die Schweiz
Von Italien aus gelangte der Japankäfer 2017 in die Schweiz, von dort wahrscheinlich nach Süddeutschland. Allein in der Schweiz werden die potenziellen Schäden auf mehrere Hundert Millionen Franken (mehrere Hundert Millionen Euro) pro Jahr geschätzt. In der Schweizer Grenzstadt Basel war Mitte vergangenen Jahres eine Japankäfer-Population entdeckt worden. In der Schweizer Flughafengemeinde Kloten bei Zürich wurden im vergangenen Jahr Fußballplätze mit Plastikfolie abgedeckt, um die Käfer zu bekämpfen, auch Insektizide wurden eingesetzt.
So erkennt man den Japankäfer
Der Japankäfer ist etwa einen Zentimeter groß, hat einen metallisch glänzenden grünen Kopf und braune Flügel. An jeder Hinterleibseite hat das Insekt fünf weiße Haarbüschel, zwei weitere am Ende des Hinterleibs, die relativ stark auffallen.

Der Japankäfer (Popillia japonica) ist gut an den „Haarbüscheln“ am Hinterlaib zu erkennen.
Uli Deck/dpaDie Engerlinge (Larven) unterscheiden sich von anderen Engerlingen durch v-förmig angeordnete Borsten am hintersten Körpersegment. Die Puppe gleicht der Form nach einem erwachsenen Käfer.
Gibt es den Japankäfer auch in Sachsen?
In Sachsen sind bisher keine Funde bekannt geworden. Anders sieht es aber beispielsweise bei den Nachbarn in Brandenburg aus: Hier wurde bereits ein Japankäfer gefunden, glücklicherweise aber ein totes Exemplar. Dennoch zeigt der Fund, wie schnell sich invasive Arten verbreiten können. Ins Land gekommen war der Japankäfer als „blinder Passagier“ in einer Verpackung. Verstecken können sich die Insekten beispielsweise in Substraten oder sogar in Rollrasen.
So kontrollieren die Bundesländer einen Befall
Um eine potenzielle Invasion des Japankäfers möglichst früh zu entdecken, werden in einigen Bundesländern an ausgewählten Risikostandorten Lockstofffallen aufgestellt. Brandenburg kontrolliert beispielsweise den Flughafen mit Verbindungen nach Mailand und Zürich. Hier könnte das Insekt über Warenlieferungen oder das Gepäck der Passagiere ins Land kommen. Aber auch in Gewerbegebieten oder an Transitstrecken sollen Lockstofffallen auf einen Befall aufmerksam machen. So sehen die Fallen aus:

Eine Lockstofffalle für den Japankäfer. Diese Fallen dürfen nicht berührt werden.
Philipp von Ditfurth/dpaJapankäfer in Sachsen entdeckt? Das muss gemeldet werden
Wer in Sachsen einen Käfer findet, bei dem es sich um den Japankäfer handeln könnte, ist dazu verpflichtet, den Fund zu melden. Sachsens Behörden bitten darum, den Käfer einzufangen, aber nicht zu töten. Stattdessen sollte das Insekt in einem Schraubglas gefangen und fotografiert werden. Mit dem Fund meldet man sich dann beim Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie in Nossen. Die Mailadresse sowie ein Online-Formular sind hier zu finden.
