Kein Intel in Magdeburg
: Hersteller gibt Fabrik-Pläne in Sachsen-Anhalt auf

Es sollte ein High-Tech-Projekt mit vielen Jobs werden. Doch nun hat Chip-Hersteller Intel seine Fabrik-Pläne auch für Magdeburg aufgegeben. Das ist der Grund.
Von
dpa
Santa Clara
Jetzt in der App anhören

Das Logo von Intel ist am Hauptquartier des Chipkonzerns zu sehen. Eigentlich sollte in Magdeburg eine Chip-Fabrik entstehen. Daraus wird jetzt nichts.

Andrej Sokolow/dpa
  • Intel stoppt Baupläne für Chipfabrik in Magdeburg – ursprünglich 3.000 Jobs geplant.
  • Grund: Mangelnde Nachfrage und finanzieller Druck trotz 9,9 Mrd. Euro Staatsförderung.
  • Pläne in Polen und Tempo beim Bau von US-Werken ebenfalls gestrichen.
  • Konzern verzeichnete zuletzt 2,9 Mrd. Dollar Verlust und baut Stellen massiv ab.
  • Intel kämpft mit Konkurrenz und Rückstand bei Smartphone- und KI-Chips.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Der kriselnde Chipkonzern Intel hat die milliardenschweren Pläne für eine Fabrik in Magdeburg aufgegeben. Intel werde künftig Kapazitäten nur noch ausbauen, wenn es dafür genug Nachfrage von Kunden gebe, sagte Firmenchef Lip-Bu Tan. Dieser „neuen Ausgaben-Disziplin“ wird auch der geplante Standort in Polen zum Opfer fallen. Zudem läuft der nächste Stellenabbau.

Das Aus für Magdeburg kommt nicht ganz überraschend. Schon im September vergangenen Jahres wurde das Projekt aufs Eis gelegt - für zwei Jahre, wie damals hieß. Und Intel-Manager ließen zuletzt durchblicken, dass die Bagger erst anrollen würden, wenn sich genug Nachfrage für mehr Chips abzeichnet.

Intel-Chipfabrik: 3.000 Arbeitsplätze in Magdeburg waren geplant

Der erste Spatenstich in Sachsen-Anhalt war einst für 2024 angepeilt worden. Dabei sollten rund 3.000 Arbeitsplätze entstehen. Die Investition wurde auf rund 30 Milliarden Euro beziffert.

Das Werk in Deutschland war Teil eines ambitionierten Plans des vorherigen Chefs Pat Gelsinger, Intel aus der Krise zu führen. Er wollte den Halbleiter-Pionier auch als Auftragsfertiger für andere Chip-Firmen etablieren. Die neuen Fabriken sollten her, um potenziellen Kunden ordentlich Kapazität bieten zu können.

Zudem setzte Gelsinger darauf, dass die USA und Europa mehr Chip-Produktion aus Asien in den Westen holen wollen - und dafür auch viel Geld in die Hand nehmen. Intel bot sich ihnen als vertrauenswürdiger Partner an.

Intel in Magdeburg: Verluste bei Hersteller zu groß

Es war ein gewagter - und teurer - Plan, der am Ende gegen die Wand ging. Verzögerungen bei neuen Produktionsprozessen und Zweifel potenzieller Kunden ließen die Zeit schwinden, in der Gelsinger das Ruder herumreißen wollte. Und auch wenn die Bundesregierung 2023 staatliche Hilfen von 9,9 Milliarden Euro für die Ansiedlung in Magdeburg in Aussicht stellte - Intel hätte noch einmal doppelt so viel aufbringen müssen. Das Geld wurde aber durch fortlaufende Verluste knapper. Gelsinger musste Ende 2024 gehen.

Sein Nachfolger geht mit der Wachstumsstrategie der vergangenen Jahre hart ins Gericht. Die Fabrik-Investitionen seien „unklug und maßlos“ gewesen, kritisierte Lip-Bu Tan nach Vorlage aktueller Quartalszahlen. Und die geplanten Kapazitäten hätten die Nachfrage weit überschritten. Jetzt will Intel sogar beim Werk im US-Bundesstaat Ohio im Heimatmarkt das Tempo der Bauarbeiten drosseln.

Chip-Hersteller Intel schreibt tiefrote Zahlen

Lip-Bu Tan sprach von einem „soliden“ vergangenen Quartal. Allerdings stagnierte der Umsatz im Jahresvergleich bei 12,9 Milliarden Dollar (10,98 Mrd Euro). Unterm Strich gab es einen Verlust von 2,9 Milliarden Dollar nach roten Zahlen von 1,6 Milliarden Dollar ein Jahr zuvor. 

Dabei betont Intel, das Geschäft sei in den vergangenen Monaten durch Sorgen rund um die Handelspolitik von US-Präsident Donald Trump zusätzlich angekurbelt worden. Kunden packten aus Angst vor neuen Zöllen zum Teil Chips auf Lager. Dieser Effekt lasse inzwischen nach.

Die Zahl der Mitarbeiter soll zum Jahresende auf rund 75.000 sinken. Lip-Bu Tan sprach in einer E-Mail an die Belegschaft von einem Abbau um etwa 15 Prozent. Doch die Zahl der Intel-Beschäftigten war bereits zum Ende vergangenen Jahres auf knapp 109.000 von gut 124.000 Ende September gesunken.

Noch ein Zeichen für die Krise von Intel: Der Konzern räumt ein, dass er die Entwicklung seiner modernen Prozessor-Technologie 14A fallenlassen könnte, wenn sich dafür nicht genug Kunden finden. Analyst Matt Bryson von Wedbush Securities sieht in einer solchen Einstellung ein Problem. Die Intel-Aktie fiel im nachbörslichen US-Handel um mehr als vier Prozent.

Intel dominierte einst die Chipbranche, fiel dann aber zurück. Ein entscheidender Moment war der verlorene Kampf um den Platz in Smartphones. Intel hoffte, die Stärke im PC-Geschäft auf die Mobil-Geräte zu übertragen - doch bei den Computer-Handys setzten sich stromsparendere Prozessoren durch. Smartphone-Chips kommen somit nicht von Intel, sondern von Wettbewerbern wie Qualcomm oder TSMC. Und bei Chipsystemen für Künstliche Intelligenz führt mit großem Abstand Nvidia.

Haseloff zu Intel-Aus: „Kein guter Tag für Europa“

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) hat das Aus für die Intel-Pläne in Deutschland als einen herben Rückschlag für den europäischen Chips Act bezeichnet. „Das jetzt verkündete Aus ist kein guter Tag für Europa“, sagte Haseloff. Dennoch sei es gut, dass jetzt Klarheit herrsche. Es sei bekannt, dass Intel in einer wirtschaftlich sehr schwierigen Lage stecke, daher habe mit der Entscheidung gerechnet werden müssen. Mit dem Maßnahmenbündel des Chips Act unterstützt die EU die Fertigung von Halbleitern in Europa.

Fokus liegt auf weiteren Ansiedlungen in Magdeburg

Für die Zukunft bleibe in Magdeburg der Fokus auf der Ansiedlung von Hightech-Unternehmen. „Alle Maßnahmen, die Sachsen-Anhalt mit Blick auf Intel angestoßen hat, werden sich auch in der Zukunft auszahlen“, betonte der Ministerpräsident. Für die Entwicklung des geplanten Hightech-Parks gebe es Anfragen namhafter Unternehmen.

Intel hatte zuvor den Bau einer Chipfabrik in Magdeburg endgültig abgesagt. Ursprünglich waren dafür rund 30 Milliarden Euro vorgesehen. Die frühere Bundesregierung hatte 9,9 Milliarden Euro an staatlicher Förderung in Aussicht gestellt.

Ostbeauftragte: Intel-Absage kein Nein zu Standort Ostdeutschland

Die Ostbeauftragte Elisabeth Kaiser (SPD) sieht im Stopp der Chipfabriken des US-Herstellers Intel in Magdeburg keine generelle Absage an Standort Ostdeutschland. Die Entscheidung von Intel sei sehr bedauerlich, schaffe aber nach der bereits angekündigten Verschiebung des Projekts die notwendige Klarheit, erklärte Kaiser auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur.

„Wichtig ist, es handelt sich dabei um eine unternehmerische Entscheidung und keine generelle Absage an den Standort“, betonte die SPD-Politikerin. „Denn Ostdeutschland ist inzwischen eines der bedeutendsten Cluster der weltweiten Halbleiterproduktion, und für die Bundesregierung bleibt es zentral, diese Entwicklung weiter zu fördern.“

Intel hatte den Bau einer Chipfabrik in Magdeburg endgültig abgesagt. Ursprünglich waren dafür rund 30 Milliarden Euro vorgesehen. Die frühere Bundesregierung hatte 9,9 Milliarden Euro an staatlicher Förderung in Aussicht gestellt. Kaisers Vorgänger Carsten Schneider (SPD) hatte sich für das Intel-Projekt stark engagiert.