„Kinderhymne“ von Bertolt Brecht: Text und Hintergrund des Gedichts

Liedtext der „Kinderhymne“ von Bertolt Brecht (1950).
Klaus-Dietmar Gabbert/dpaBundestagsvizepräsident Bodo Ramelow schlug vor, eine alternative deutsche Flagge und Nationalhymne zu finden. Dabei verwies er auf die „Kinderhymne“. Das Gedicht „Kinderhymne“ von Bertolt Brecht wurde 1950 im Heft 6/1950 der Zeitschrift „Sinn und Form“ veröffentlicht. Im selben Jahr wurde es von Hanns Eisler vertont. Später wurde das Gedicht auch von Leo Spies, Fidelio F. Finke und von Kurt Schwaen vertont.
Brecht schrieb die Kinderhymne bewusst als Gegenstück zum Deutschlandlied, der deutschen Nationalhymne. Anlass war Konrad Adenauer, der am 15. April 1950 bei einer Versammlung demonstrativ die dritte Strophe des Deutschlandliedes singen ließ. Die dritte Strophe ist heute die deutsche Nationalhymne. Brecht fand, dass das Deutschlandlied durch die beiden Weltkriege und die NS-Zeit verdorben war. Gleichzeitig war die Kinderhymne ein Gegenstück zur Nationalhymne der DDR („Auferstanden aus Ruinen“) von Johannes R. Becher.
Text von „Kinderhymne“ von Bertolt Brecht
Das ist der Text des Gedichtes „Kinderhymne“, welches Bertolt Brecht 1950 geschrieben hat.
Kinderhymne (1950)
1. Anmut sparet nicht noch Mühe
Leidenschaft nicht noch Verstand
Daß ein gutes Deutschland blühe
Wie ein andres gutes Land.
2. Daß die Völker nicht erbleichen
Wie vor einer Räuberin
Sondern ihre Hände reichen
Uns wie andern Völkern hin.
3. Und nicht über und nicht unter
Andern Völkern wolln wir sein
Von der See bis zu den Alpen
Von der Oder bis zum Rhein.
4. Und weil wir dies Land verbessern
Lieben und beschirmen wir's
Und das Liebste mag's uns scheinen
So wie andern Völkern ihrs.
