Konflikt zwischen Indien und Pakistan eskaliert: Wer besitzt mehr Atomwaffen?

Auf diesem vom Pressedienst des russischen Verteidigungsministeriums am 2. Februar 2024, veröffentlichten Foto laden russische Truppen eine Iskander-Rakete auf eine mobile Abschussrampe während einer Übung an einem ungenannten Ort in Russland. Die Atommächte setzen angesichts zahlreicher internationaler Konflikte verstärkt auf eine nukleare Abschreckung. Wie viele Atomsprengköpfe besitzen Indien und Pakistan?
Uncredited/Russian Defense Ministry Press Service/AP/dpaZwischen Indien und Pakistan ist ein alter Konflikt neu entbrannt. Die Krise schürt weltweit auch die Sorge vor einer weiteren Eskalation und dem Einsatz atomarer Sprengköpfe. Wie viele Atomwaffen sind im Arsenal von Indien und Pakistan vorhanden?
Indien – Pakistan: Konflikt um die Kaschmir-Region
Die Spannungen zwischen den Atommächten Indien und Pakistan haben sich nach einem tödlichen Terroranschlag in der umkämpften Kaschmir-Region, bei dem 26 indische Touristen starben, massiv verschärft. Die Regierung in Neu-Delhi wirft nach Angaben der Deutschen Presse-Agentur (dpa) Pakistan eine Beteiligung vor, was Islamabad zurückweist. Als Reaktion griff Indien neun Ziele in Pakistan und im pakistanisch kontrollierten Kaschmir an. Laut dem pakistanischen Militär wurden dabei 26 Menschen getötet und 46 verletzt. Indien sprach von gezielten Angriffen auf terroristische Infrastruktur, während Pakistan Raketenangriffe beklagte und Vergeltung ankündigte. Auch Indien meldete mindestens drei zivile Todesopfer durch pakistanischen Artilleriebeschuss. Pakistanische Geheimdienstkreise meldeten den Abschuss von fünf indischen Kampfjets. Eine Bestätigung durch Indien gab es dafür zunächst nicht.
Verschärfend kommt in der aktuellen Situation hinzu, dass Indien den Indus-Wasservertrag mit Pakistan aussetzt, welcher die Wassernutzung beider Seiten des Indus und seiner Nebenflüsse regelt. Pakistan wertet die Aussetzung des Vertrags als Kriegshandlung und droht mit entsprechenden Gegenmaßnahmen.
Hintergrund: Geschichte von Indien und Pakistan
Die Kaschmir-Region im Himalaya ist zwischen Pakistan und Indien geteilt, beide beanspruchen aber das ganze Gebiet für sich. Die Ursprünge des Konflikts reichen laut dpa bis in die Kolonialzeit zurück. 1947 entließen die Briten den indischen Subkontinent in die Unabhängigkeit und teilten diesen auf. Aus der Teilung entstand neben dem überwiegend hinduistischen Indien der neue Staat Pakistan für Muslime. Die gewaltvoll verlaufene Teilung nährt bis heute eine erbitterte Rivalität. Seit ihrer Unabhängigkeit führten beide Länder drei Kriege gegeneinander, zwei davon um Kaschmir. Die aktuellen Entwicklungen lassen die Befürchtungen eines neuen Kriegs aufkommen. International riefen unter anderem die UNO, die USA und China zur Deeskalation auf.
Atomwaffen in Indien und Pakistan
Es gibt international fünf „offizielle“ Atomwaffenstaaten, die durch den Atomwaffensperrvertrag anerkannt sind. Neben den USA, Russland und China gehören auch Frankreich und Großbritannien dazu. Darüber hinaus gibt es vier weitere „De-Facto“-Atomwaffenstaaten, die nicht Mitgliederstaaten des Atomwaffensperrvertrags sind. Israel, Nordkorea, Pakistan und Indien verfügen ebenfalls über erhebliche Bestände.
Insgesamt gibt es weltweit mehr als 12.000 Atomwaffen. Indien und Pakistan kommen nach den letzten offiziellen Zahlen des Stockholm International Peace Research Institute (SIPRI) 2024 gemeinsam auf 342 Atomsprengköpfe. 170 Atomsprengköpfe gehören davon Pakistan, 172 Indien. Zum Vergleich: Russland verfügt über 5580 Atomsprengköpfe, die USA über 5044. China besaß dem Institut zufolge 500, Frankreich 290, Großbritannien 225, Israel 90 und Nordkorea Schätzungen zufolge 50 Atomsprengköpfe. Hier gibt es die Zahlen als Übersicht:
- Russland: 5580
- USA: 5044
- China: 500
- Frankreich: 290
- GB: 225
- Indien: 172
- Pakistan: 170
- Israel: 80
- Nordkorea: 50
- Gesamt: 12 121
Studie: Atomkrieg zwischen Indien und Pakistan hätte verheerende Auswirkungen
Die Studie „How an India-Pakistan nuclear war could start — and have global consequences“ von Alan Robock und zahlreichen weiteren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern hat 2019 analysiert, wie es zu einem indisch-pakistanischen Atomkrieg kommen und welche lokalen und globalen Auswirkungen ein solcher Krieg haben könnte.
Die Autoren schätzten, dass als Folge eines nuklearen Schlagabtauschs 50 bis 125 Millionen Menschen sterben würden, je nachdem, ob die eingesetzten Waffen eine Sprengkraft von 15, 50 oder 100 Kilotonnen hätten. Sie gingen dabei davon aus, dass beide Staaten bis zum heutigen Datum jeweils über 250 Atomwaffen verfügen würden, von denen ein Großteil zum Einsatz käme. Die Auswirkungen auf die indische und pakistanische Gesellschaft wären nach den Zahlen der Studie gravierend und lang anhaltend: Viele Großstädte in Indien und Pakistan wären weitgehend zerstört und unbewohnbar, Millionen von Verletzten müssten versorgt werden, und die Strom-, Verkehrs- und Finanzinfrastruktur läge in Trümmern. Die klimatischen Folgen des Rauchs, den ein indisch-pakistanischer Atomkrieg erzeugen würde, wären jedoch nicht nur auf den Subkontinent oder gar Asien beschränkt, sondern von internationaler Reichweite. Die globale Durchschnittstemperatur könnte im Laufe der Jahre ebenso wie Niederschläge erheblich sinken. Ein nuklearer Winter hätte ein Erliegen der Landwirtschaft auf der ganzen Welt zur Folge, was eine Hungersnot für Milliarden von Menschen bedeuten würde.