#LemonChallenge bei Werder Bremen
: Das steckt hinter dem Biss in die Zitrone

In den sozialen Netzwerken macht derzeit die „Lemon Challenge“ die Runde. Welches ernste Thema hinter dem Biss in die Zitrone steckt.
Von
Nicole Züge
Frankfurt (Oder)/Bremen
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ARCHIV - Eine halbierte Zitrone liegt am 15.03.2013 in Bamberg (Bayern) auf einem Schneidbrett. Der EuGH urteilt am 03.03.2016 über eine Etikettierungspflicht für behandelte Zitrusfrüchte. Foto: David Ebener/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

ARCHIV - Eine halbierte Zitrone liegt am 15.03.2013 in Bamberg (Bayern) auf einem Schneidbrett. Der EuGH urteilt am 03.03.2016 über eine Etikettierungspflicht für behandelte Zitrusfrüchte. Foto: David Ebener/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

David Ebener/dpa
  • Die „Lemon Challenge“ macht auf ME/CFS aufmerksam, häufig eine Folge von COVID-19.
  • Über 620.000 Betroffene in Deutschland, weltweit über 40 Millionen.
  • Werder Bremen organisiert Aktionsspieltag am 15. März, um Forschung zu unterstützen.
  • ME/CFS verursacht schwere körperliche und kognitive Symptome, viele sind arbeitsunfähig.
  • Bisher keine ursächliche Therapie, oft jahrelange Wartezeit auf Diagnose.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Auf TikTok, Instagram und Co. verziehen gerade viele Menschen das Gesicht, auch beim morgigen Spiel Werder Bremen gegen Borussia Mönchengladbach wird in die Zitrone gebissen. Was steckt hinter der „Lemon Challenge“?

#LemonChallengeMECFS: Das steckt dahinter

Wer bei TikTok den Hashtag #LemonChallengeMECFS eingibt, stößt auf viele saure Gesichter. Gestartet wurde die Aktion bereits im Dezember des vergangenen Jahres durch die ME/CFS Research Foundation, die öffentlich Aufmerksamkeit für die Krankheit schaffen möchte, die oftmals eine Folgeerscheinung von Corona Erkrankungen ist.

Die Aktion soll Aufmerksamkeit auf die Krankheit lenken und Menschen dazu animieren, für deren Erforschung zu spenden. Seit dem Start im Dezember hat die #LemonChallengeMECFS nach eigenen Angaben über 65.000 Euro Spenden generiert. Viele Prominente aus Kultur, Politik und Sport haben sich mit einem Kurzvideo engagiert.

Hier ein Beispiel der Linken-Politikerin Heidi Reichinnek:

Werder Bremen engagiert sich für ME/CFS-Forschung

Am 15. März widmet der Verein Werder Bremen der chronischen Erkrankung einen Aktionsspieltag.  Zum Spiel gegen Borussia Mönchengladbach werden Profi-Spieler und Fans in die Zitrone beißen, um mehr Aufmerksamkeit und Forschung zu fordern. Dahinter steht die Initiative „Empty Stands“, ins Deutsche übersetzt heißt das so viel wie „leere Tribüne“. Denn auch, wenn die Krankheit den meisten Menschen erst einmal nicht so viel sagen dürfte: In Deutschland geht man von über 620.000 Betroffenen aus. Ein Teil der Menschen, die von Long Covid betroffen sind, entwickelt nach Angaben der Initiative ebenfalls ME/CFS. Weltweit geht man von über 40 Millionen Menschen aus, die an der Krankheit leiden.

Fabian Fritz ist einer der Empty Stands Mitgründer. Über sein Leben mit ME/CFS sagt er: „Ich schaue mir nur den Spielstand in der App an. Das ist alles, was ich körperlich schaffe. Aktivitäten über 30 Minuten sind leider schon zu viel. Wenn ich einen guten Tag habe, höre ich das Radio unserer aktiven Fanszene. Aber das habe ich im letzten halben Jahr nur einmal geschafft. Danach musste ich zwei Tage im Dunkeln liegen“.

Das sind die Symptome von ME/CFS

ME/CFS (Myalgische Enzephalomyelitis / Chronic Fatigue Syndrom) ist eine chronische, schwere Multisystem Erkrankung mit vielfältigen Störungen v.a. des Nerven- und Immunsystems. ME/CFS entsteht überwiegend post-infektiös, auch als Folge von COVID-19. Sie ist die schwerste Form von Long Covid. ME/CFS-Erkrankte haben ausgeprägte körperliche und kognitive Symptome, eine sehr niedrige Lebensqualität und oft einen hohen Grad der Behinderung. 60 bis 75 Prozent aller Erkrankten sind arbeitsunfähig, viele davon sind an Haus oder Bett gebunden.

Leitsymptom ist eine schwere Belastungsintoleranz mit Symptomverschlechterung nach Alltagsaktivitäten (PEM = post-exertionelle Malaise). Die Diagnosestellung von ME/CFS ist mangels eines Biomarkers bisher nur mit aufwendiger Anamnese und bereichsübergreifender Ausschlussdiagnostik möglich. Vielen Ärzten fehlen die dafür erforderlichen Kenntnisse. Oft dauert es Jahre, bis Betroffene eine Diagnose erhalten. Bisher gibt es keine ursächliche Therapie. Erwachsene mit ME/CFS haben derzeit kaum Aussicht auf Besserung und Wiedereingliederung in das Berufsleben. Besser ist die Prognose für Kinder und Jugendliche, dennoch sind langfristige Schulfehlzeiten die Regel. Für die meisten Betroffenen ist eine Teilhabe am normalen Leben mit Beruf, Ausbildung, Freunden, Sport, Hobbys etc. nicht möglich.