Lichtverschmutzung verursacht Krankheiten
: Das sind die hellsten Städte Brandenburgs

Neue Studie zeigt, dass Lichtverschmutzung in der Nacht ernsthaft krank macht. Das sind die hellsten Städte und dunkelsten Regionen Brandenburgs.
Von
Lisa Klopp-Jaber
Frankfurt (Oder)/Cottbus
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ACHTUNG: DIESER BEITRAG DARF NICHT VOR DER SPERRFRIST, 22. NOVEMBER 20.00 UHR, VERÖFFENTLICHT WERDEN! EIN BRUCH DES EMBARGOS KÖNNTE DIE BERICHTERSTATTUNG ÜBER STUDIEN EMPFINDLICH EINSCHRÄNKEN. ARCHIV - Hell erleuchtet ist am 06.12.2016 die Innenstadt und der Weihnachtsmarkt von Hannover (Niedersachsen). Preiswert und effizient in der Lichtausbeute: der Siegeszug der LED (Ligth Emitting Diodes) ist nicht mehr aufzuhalten. Gerade zur Weihnachtszeit ist alles taghell erleuchtet. (zu dpa "Nicht viel hilft viel: LED-Licht nur soviel wie unbedingt notwendig" vom 22.11.2017) Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Studie zeigt, dass Lichtverschmutzung in der Nacht sehr krank machen kann: das sind die Städte in Brandenburg mit der höchsten Lichtverschmutzung.

Hauke-Christian Dittrich/dpa

Straßenlaternen, Leuchtreklamen, Bildschirme im Schlafzimmer: Künstliches Licht in der Nacht ist längst Teil unseres Alltags. Satellitenbilder zeigen, dass die nächtliche Beleuchtung weltweit zwischen 1992 und 2017 um fast 50 Prozent zugenommen hat, besonders in Großstädten wird es kaum noch richtig dunkel. Das berichtet die Deutsche Presseagentur (dpa). Neue Daten bestätigen jetzt, dass zu viel Licht in der Nacht unsere Gesundheit gefährden kann. Es begünstigt das Auftreten von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, so eine jetzt im Fachmagazin „JAMA Network Open“ veröffentlichte Studie.

Lichtverschmutzung: Das sind die hellsten Städte Brandenburgs

Die Lichtverschmutzungskarte von lightpollutionmap zeigt, welche Städte in Brandenburg besonders von Lichtverschmutzung betroffen sind. Bei einem Score von 6.0 und darüber gilt die Lichtverschmutzung als „hoch“. Insgesamt gibt es in Brandenburg zwei Städte, bei denen die Lichtverschmutzung hoch ist. Bei den anderen Städten in der Liste ist die Lichtverschmutzung „mäßig“.

  • Ludwigsfelde (höchste Lichtverschmutzung in Brandenburg mit einem Score von 6.3)
  • Potsdam (Score 6.0)
  • Eisenhüttenstadt (Score 5.8)
  • Cottbus (Score 5,7)
  • Spremberg (Score 5,6)
  • Schwarzheide (Score 5,6)
  • gesamter Bereich rund um Berlin von Oranienburg über Bernau, Altlandsberg, Strausberg, Erkner, Königs Wusterhausen, Ludwigsfelde, Werder (Havel) bis Nauen (Score 5,5)
  • Brandenburg an der Havel (Score 5,5)
  • Schwedt (Score 5,5)
  • Frankfurt (Oder) (Score 5,3)
  • Fürstenwalde (Score 5,2)
  • Guben (Score 5,1)
  • Hoyerswerda (Score 5,1)
  • Eberswalde (Score 5,1)
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lightpollutionmap.app/de zeigt die Lichtverschmutzung in Berlin und Brandenburg. (Screenshot der Seite am 24. Oktober 2025 um 9:00 Uhr)

Screenshot von lightpollutionmap

Die dunkelsten Regionen in Brandenburg

In Brandenburg gibt es keine Region, in der es keine Lichtverschmutzung gibt oder nur „sehr geringe“ Lichtverschmutzung. Es gibt allerdings eine kleine Region zwischen Wittstock/Dosse und Rheinsberg, in der die Lichtverschmutzung „gering“, mit „ländlichem Nachthimmel“, wie lightpollutionmap erklärt. Auch im Norden der Uckermark, nördlich von Templin, an der Grenze zu Mecklenburg-Vorpommern, sowie in der Prignitz ist die Lichtverschmutzung nur gering, mit einem Score von 3,6.

Licht in der Nacht verursacht Krankheiten

Das Team um Daniel Windred und Angus Burns erklärt, dass bei ihrer Studie 88.905 Erwachsene im Alter von über 40 Jahren mitgemacht haben. Die hätten herausgefunden, dass helles Licht in der Nacht mit einem höheren Risiko für koronare Herzkrankheiten, Herzinsuffizienz, Vorhofflimmern und Schlaganfälle verbunden ist. „Diese Zusammenhänge blieben auch bestehen, nachdem wir bekannte Risikofaktoren wie Rauchen, Alkoholkonsum, Ernährung und Schlafdauer berücksichtigt hatten.“

Für die Langzeitstudie von Daniel Windred und Angus Burns trugen die Teilnehmenden eine Woche lang kleine Sensoren an den Handgelenken, die halbstündig die Lichteinstrahlung maßen. Daraus wurden individuelle 24-Stunden-Licht-Belastungsprofile errechnet. Insgesamt sammelte das internationale Team australischer, amerikanischer und englischer Universitäten so über 13 Millionen Stunden Material. Anschließend wurden die Probandinnen und Probanden knapp zehn Jahre lang medizinisch begleitet, um neu auftretende Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu erfassen.

So viel höher ist Risiko für Krankheiten, wenn es nachts hell ist

Die Ergebnisse machen deutlich: Wer nachts stark dem Licht ausgesetzt war, hatte ein 45 bis 56 Prozent höheres Risiko für Herzinfarkte und Herzinsuffizienz, gegenüber Menschen, die nur geringer oder keiner Lichteinstrahlung ausgesetzt waren. Auch das Risiko für Schlaganfälle und koronare Herzkrankheiten stieg bei Personen mit starker Lichteinstrahlung im Schlafzimmer um 28 bis 30 Prozent.

Auch wenn das Team andere Faktoren wie Lebensstil oder Schlafverhalten berücksichtigte, blieb der Zusammenhang zwischen Nachtlicht und Herz-Kreislauf-Erkrankungen beständig. Lediglich die Gefahr von Schlaganfällen sank unter die Signifikanzschwelle, nachdem die Faktoren „kurzer Schlaf“ und „hoher Cholesterinspiegel“ eingerechnet wurden. 

Deswegen ist Lichteinstrahlung ein hohes Risiko

Der etwa 24-stündige biologische Zyklus steuert Körperfunktionen wie Schlaf, Stoffwechsel, Hormonproduktion und Körpertemperatur. Kommt er aus dem Takt, hat das drastische Folgen.  „Über Hunderte Millionen Jahren hat die Evolution unser internes Zeitsystem geformt, das sich an den täglichen Hell-Dunkel-Zyklen orientiert und sich je nach Jahreszeit ändert“, erklärt Jonathan Cedernaes von der schwedischen Universität Uppsala in einem Kommentar zur Studie. „Heute jedoch sind unregelmäßige und wechselnde Schlaf-Wach-Zeiten sehr verbreitet.“ Bis zu zwei Drittel der Erwachsenen würden heute ihren Schlaf-Wach-Rhythmus von Wochentagen auf freie Tage um zwei Stunden verschieben, das sei als „sozialer Jetlag“ bekannt und könne den Effekt noch verstärken.

Womöglich ähnliche Wirkung wie Schichtarbeit

Es kann zum Beispiel die Melatoninausschüttung beeinflussen, aber auch zu einer erhöhten Herzfrequenz, hohem Blutdruck, gestörtem Tiefschlaf und schlechterer Insulinsensitivität beitragen. Die Forschenden vermuten, dass künstliche Beleuchtung somit ähnliche Auswirkungen wie Schichtarbeit hat. 

Eine Einschränkung: „Es ist noch nicht klar, ob diese Ergebnisse verallgemeinert werden können. Die untersuchte Gruppe besteht überwiegend aus Weißen, Personen mit höherem Bildungs- und Einkommensniveau und Frauen.“ Unklar bleibe auch, ob verschiedene Lichtfarben - zum Beispiel blaues oder grünes Licht - unterschiedlich wirken. Hier sehen die Forschenden Potenzial für weitere Untersuchungen. 

Fest steht allerdings bereits jetzt: Die Vermeidung von nächtlichem Licht kann das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen senken. Wer etwas gegen nächtliche Lichteinstrahlung im eigenen Schlafzimmer tun möchte, kann auf Vorhänge und Schlafmasken setzen sowie Smartphone und Fernseher vor dem zu Bett gehen abschalten, so die dpa.