Liebherr Kran Unfall in Rostock: Bergung des Superkrans nach dem Unglück - Jetzt kommt die Reparatur des HLC 29500

Der intakte HLC 295000 während der Montage auf dem Spezialshiff „Orion“ (links oben). Das Bild rechts zeigt den abgeknickten Ausleger nach dem Unfall. Er wird demontiert. Auf der Grafik links unten ist der Ausleger zu sehen, der jetzt neu gebaut wird.
Liebherr, dpaDer Schock nach dem schweren Unfall mit Liebherrs neuem Superkran HLC295000 auf dem Spezialschiff „Orion“ im Hafen von Rostock am 2. Mai saß tief: Bei einem Belastungstest kurz vor der Auslieferung des größten Offshore-Krans, den Liebherr je gebaut hatte, brach der Schaft des Hakens – mit fatalen Folgen: Durch den plötzlichen Lastenabriss schnellte der 145 Meter lange Doppelausleger des „Heavy Lift Crane“ HLC295000 wie ein Katapult quasi rückwärts über den „A-Bock“ und knallte gegen den Kran und die Kaimauer. Fünf Menschen wurden bei dem Unglück verletzt. Der Schaden an Kran und Schiff: bis zu 100 Millionen Euro.
Liebherr will Kran nach Unfall reparieren und ausliefern
Lange war bei der Liebherr-MCCtec Rostock GmbH unklar, wie eine Bergung ablaufen soll und ob der gewaltige Superkran überhaupt repariert werden kann. Alleine die Bergung durch eine Spezialfirma werde bis mindestens Ende des Jahres dauern, sagte ein Sprecher einige Wochen nach dem Unglück.
Doch nun scheint der Schock verdaut und die Planungen abgeschlossen zu sein: „Die Liebherr-MCCtec Rostock GmbH wird den Schwerlastkran HLC 295000 reparieren und seinem Kunden übergeben“, kündigt der Rostocker Kranbauer an. „Wir werden den HLC 295000 wieder aufbauen und dieses Projekt gemeinsam mit unseren Partnern zum erfolgreichen Abschluss bringen“, sagte Leopold Berthold, Geschäftsführer der Liebherr-MCCtec Rostock GmbH.
So soll der Liebherr-Kran in Rostock geborgen werden
Für das Projekt wurde nach Angaben des Unternehmens die Firma Sarens beauftragt, ein so genannter „Heavy Lift-Spezialist“, der über viel Erfahrung und Technik verfüge. Die Bergung solle in mehreren Phasen laufen:
Die erste Phase sei die Absicherung der Unfallstelle, um das Schiff sicher zum Liegeplatz 25 im Überseehafen zu bringen. Diese Aufgabe ist bereits erledigt worden.
Dort sollen die instabilen Komponenten wie Ausleger geborgen werden.
In Phase drei soll dann der kontrollierte und sichere Rückbau des Krans erfolgen.
Die Bergungsarbeiten sollen Anfang des Jahres 2021 abgeschlossen sein. Wie hoch die Kosten für die Bergung und die Reparatur sein werden ist nicht bekannt. Auch zur Frage der Haftung für das Unglück wegen des von einem Zulieferer hergestellten Hakens war noch nichts zu erfahren.
Teile des HLC295000 werden neu gebaut
Im Laufe des Jahres 2021 soll der Kran dann neu aufgebaut werden. Doch das bedeutet erheblichen Aufwand, da die Schäden durch das Unglück beträchtlich sind. Einige Teile des Superkrans müssen erneut hergestellt werden. Dazu gehören Bauteile wie der 145 Meter lange Kranausleger und der so genannte A- Bock, dem Gewichtebügel. Die Stahlbauarbeiten erfolgen direkt im Rostocker Liebherr-Werk.
Liebherr setzt mit Offshore-Kran auf Energiewende
Das Engagement des Konzerns, beziehungsweise der Liebherr-Sparte Maritime Krane in die HLC-Serie und in die Erweiterung des Schwerlastkran-Programm hat seine Wurzeln in der Energiewende. Bei dem Kranhersteller mit Sitz in Biberach heißt es dazu: „Es werden deutlich mehr und größer dimensionierte Offshore-Windkraftanlagen gebaut, um eine nachhaltige Energieversorgung für heutige und zukünftige Generationen zu gewährleisten.“ Für den Bau moderner Windkraftanlagen brauche man Hubhöhen wie die des HLC 295009.
Außerdem würden immer mehr ausgediente Offshore-Öl-Plattformen und Gas-Förderanlagen abgebaut. Dafür müssten große und extrem schwere Teile auf offener See demontiert werden - ein weiteres Einsatzgebiet des Schwerlastkrans.
Zahlen und Fakten zu Liebherrs Superkran HLC295000
Der HLC295000 - HLC steht für „Heavy Lift Crane“, also Schwerlast-Kran – war und ist ein Prestigeprojekt von Liebherr. Er hat enorme Leistungswerte:
Der Ausleger des HLC 295000 ist 145 Meter lang. Selbst ein Fußballfeld würde der Kran mit seinem Radius von 160 Metern um mehr als 70 Meter überragen.
Der Hauptteil des Krans selbst ist 90 Meter hoch
Der HLC erreicht damit eine Hubhöhe von bis zu 175 Meter über Deck. Das ist fast doppelt so hoch wie die Freiheitsstatue in New York und immer noch deutlich höher als das Ulmer Münster (161,5 Meter). Und sogar um 23 Meter höher als der Kölner Dom (157 Meter)
Mit seiner Tragfähigkeit von 5000 Tonnen bei einer Ausladung von 35 Metern könnte er theoretisch neun voll beladene Airbus A380-Flugzeuge heben.
Das sind der Liebherr-Konzern und die Liebherr-MCCtec Rostock GmbH
Insgesamt beschäftigt der Liebherr-Konzern mit Sitz im schweizerischen Bulle sowie im oberschwäbischen Biberach an der Riß (Baden-Württemberg) weltweit 48.049 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Der der 1949 in Kirchdorf an der Iller im Kreis Biberach gegründete Hersteller von
Krananlagen
Bergbaugeräten
Verkehrstechnik
Haushaltsgeräten
erzielte 2019 einen Erlös von 11,75 Milliarden Euro.
Die Liebherr-MCCtec Rostock GmbH wurde 2002 gegründet. Das Werk an der Ostsee nahm 2005 den Betrieb auf und entwickelt und fertigt
Schiffskrane
Hafenmobilkrane
Offshorekrane
Hafentransportfahrzeuge (Reachstacker)
Komponenten für Containerkrane
Einige Fakten zum Unternehmen Liebherr MCCtec Rostock GmbH:
Gründung: 2002
Mitarbeiter: 1640
Bebaute Fläche: 136.000 Quadratmeter
Gesamtfläche: 451.000 Quadratmeter


