Liposuktion wird Kassenleistung
: Doch nicht alle Patienten mit Lipödem können sich freuen

Was genau der Gemeinsame Bundesausschuss zur Liposuktion bei Lipödem beschloss und welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen.
Von
Lisa Klopp-Jaber
Berlin
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ARCHIV - ILLUSTRATION - Die Versichertenkarten der deutschen Krankenkassen DAK, AOK, Barmer und Techniker Krankenkasse TK liegen mit einem 50, 20, zehn und fünf Euro-Schein unter einem Stethoskop, aufgenommen am 17.12.2009. Die Finanzlage der gesetzlichen Krankenkassen hat sich im vergangenen Jahr deutlich verschlechtert: Allein die AOK verbuchte ein Minus von 515 Millionen Euro. Damit werden weitere Zusatzbeiträge wahrscheinlicher. Insgesamt fuhren die rund 150 gesetzlichen Kassen ein Defizit von 445 Millionen Euro ein, wie das Gesundheitsministerium am Montag (07.03.2011) berichtete. Dank des Gewinns anderer Kassen fiel das Gesamtdefizit geringer aus als das der AOK. 2009 hatten die Kassen insgesamt noch einen Überschuss von 1,4 Milliarden Euro. Foto: Daniel Karmann +++ dpa-Bildfunk +++

Was sind Lipödem und Liposuktion?

Daniel Karmann/dpa

Der Gemeinsame Bundesausschuss beschloss einstimmig, dass die Liposuktion bei Lipödem in Zukunft unabhängig vom Stadium der chronischen Erkrankung eine Regelleistung der gesetzlichen Krankenversicherung wird. Bisher war die operative Behandlung der chronischen Erkrankung nur eine private Leistung, die mehrere tausend Euro kostet. Was genau beschlossen wurde und Erklärungen zu den Begriffen Lipödem und Liposuktion.

Liposuktion bei Lipödem wird Kassenleistung

Die Kassenleistung Liposuktion bei Lipödem soll Beine und Arme betreffen, wird aber an enge Kriterien und Vorgaben geknüpft, wie das Deutsche Ärzteblatt zuvor berichtete. Voraussetzung sei, dass es keine Gewichtszunahme in den sechs Monaten vor der Indikationsstellung zur Liposuktion geben darf. Besteht Übergewicht, müsse erst das Übergewicht behandelt werden. In diesem Fall sei die Liposuktion keine Kassenleistung mehr. Eine Liposuktion wird nur von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen, wenn sich die Patienten und Patientinnen innerhalb vorgegebener BMI-Werte und eines bestimmten Taille-zu-Größe-Verhältnisses befinden.

Außerdem braucht es eine fachärztliche Diagnose im Vier-Augen-Prinzip, die durch Fachärzte für Innere Medizin, Angiologie, für Physikalische und Rehabilitative Medizin oder für Haut- und Geschlechtskrankheiten oder mit Zusatz-Weiterbildung Phlebologie gestellt werden. Die Indikationsstellung und die Behandlung Liposuktion selbst sind durch Fachärzte für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie, andere Fachärzte des Gebiets Chirurgie sowie Fachärzte für Haut- und Geschlechtskrankheiten möglich.

Was ist Lipödem?

Lipödem bezeichnet eine chronische Fettverteilungsstörung, die fast ausschließlich Frauen betrifft. Laut dem Berufsverband der Frauenärzte kommt Lipödem vor allem an Hüften, Ober- und Unterschenkel, an den Knien und an den Armen zu einer unkontrollierten Fettvermehrung. Daraus resultiert eine Ansammlung von Unterhautfettgewebe. Neben den Fetteinlagerungen bestehen vermehrte Wassereinlagerungen in den betroffenen Körperregionen. Die Stellen sind schmerzhaft, druck- und berührungsempfindlich und neigen zu Blutergüssen. Betroffene Frauen leiden stark unter den Schmerzen, Auswirkungen auf die Lebensqualität und dem Aussehen.

Das ist eine Liposuktion

Oft bleibt die konservative Behandlung von Lipödem erfolglos, wie Peggy Bergert vom Verein Lipödem Hilfe Deutschland dem Deutschen Ärzteblatt sagte. Eine Liposuktion ist eine Verfahren, mit dem das krankhafte Fett abgesaugt wird. Die Behandlung kann stationär sowie ambulant geschehen. Sie verringert die Schmerzen für die Patientinnen und steigert ihre Lebensqualität. Studien und Ergebnisse belegen nach Auffassung des Bundesausschusses, dass die operative Fettgewebsreduzierung deutliche Vorteile gegenüber einer alleinigen nicht operativen Behandlung hat.