Im Inselstaat werden auch andere Varianten von "Public Shaming" angewandt, um die Corona-Regeln durchzusetzen: Das öffentliche Singen der Nationalhymne etwa, die erzwungene Teilnahme an Beerdigungen von Covid-19-Opfern (so geschehen in Tuban auf Java) sowie das Reinigen öffentlicher Räume in einer leuchtend-orangen Weste mit der Aufschrift "Verletzer des Gesundheitsprotokolls".
Im westafrikanischen Ghana blühen den Bürgern zwischen vier und zehn Jahren Gefängnis oder bis zu 60 000 Cedi (8800 Euro) Strafe, wenn sie ohne Mund-Nase-Bedeckung erwischt werden. Präsident Nana Akufo-Addo verabschiedete im Juni ein entsprechendes Gesetz. Die 150 Euro Bußgeld, die in Teilen Deutschland für Maskenverweigerung in öffentlichen Verkehrsmitteln fällig werden, wirken dagegen wie ein Klacks.
Auch vor der eigenen Haustür kann in Thailand juristisches Ungemach drohen: Auf der Insel Koh Chang sind ein Schweizer und seine einheimische Ehefrau zu zwei Monaten Haft verurteilt worden, weil sie im April vor ihrem Haus Suppe gegessen und darüber die Zeit vergessen hatten. Als die Polizei anrückte, war es 22.20 Uhr. Ab 22 Uhr galt damals eine Ausgangssperre, die mittlerweile aufgehoben wurde.
In Malaysia muss ein Restaurantbesitzer sogar fünf Monate hinter Gitter. Der Mann hätte sich wegen Corona-Symptomen in Selbstisolation befinden müssen, hatte aber dennoch sein Lokal weiter geöffnet. "In der Folge mussten mehrere Dörfer in den Bundesstaaten Kedah und Perlis unter Lockdown gestellt werden", erzürnte sich der Minister für nationale Sicherheit, Ismail Sabri Yaakob. Mindestens 40 Infektionsfälle wurden in Zusammenhang mit dem Quarantäne-Verstoß bestätigt.
Knast gab es auch für einen 40-Jährigen in Singapur. Sein Vergehen: Der Taxifahrer hatte im April in einer Facebook-Gruppe geschrieben, dass wegen des Lockdowns Läden schließen und Supermärkte nur noch zwei Tage die Woche öffnen würden. Obwohl er den Post schon nach 15 Minuten wieder löschte, habe er damit die Leute zu Panikkäufen veranlasst, befand ein Gericht. Das Resultat: Vier Monate Haft wegen Verbreitung falscher Informationen.
In Indien hat die Polizei maskenlose Passanten, Straßenverkäufer und Rikscha-Fahrer schon zu Beginn der Pandemie mit Schlagstöcken verhauen. Andere Regelbrecher mussten Kniebeugen machen oder wurden von Beamten mit Helmen in Form des Coronavirus erschreckt.
Auch in Europa werden die Forderungen nach härterem Durchgreifen lauter. So hat die Regierung in Großbritannien kürzlich die Bußgelder für Corona-Verstöße erhöht: Wer wiederholt gegen die Pflicht zum Tragen einer Gesichtsbedeckung in Läden oder anderen geschlossenen Räumen verstößt, muss nun bis zu 3200 Pfund (rund 3500 Euro) berappen – doppelt so viel wie bisher. Veranstalter illegaler Partys müssen gar mit Bußgeldern von bis zu 11 000 Euro rechnen.
In Österreich stehen bereits bis zu drei Jahre Haft auf die fahrlässige Gefährdung von Menschen durch übertragbare Krankheiten. Sechs Monate Bewährung und 800 Euro Strafe gab es deshalb schon für eine infizierte 49-Jährige aus Klagenfurt, weil sie ihr Haus verließ. Eine in Tirol lebende Deutsche muss 10 800 Euro zahlen, weil sie trotz Infekts und Quarantäne einkaufen ging und ein Taxi nahm.
Nur bei den Japanern scheinen die Verhältnisse fast umgekehrt. Maske tragen sie ganz ohne Strafandrohung, und die Abstandsregeln werden ebenfalls ohne Murren eingehalten. Gemurrt wurde erst, als die Regierung kürzlich – trotz wieder steigender Fallzahlen – eine Förderkampagne zur Ankurbelung des Binnentourismus startete. Mehr als die Hälfte der Menschen von Sapporo bis Okinawa würde sich sogar wünschen, dass wieder der Notstand ausgerufen wird.

500


Mal mussten Touristen in Indien folgenden Satz schreiben: "Ich habe mich nicht an die Ausgangssperre gehalten, und das tut mir sehr leid." Sie waren von der Polizei trotz Verbots bei einem Spaziergang erwischt worden.