Falsche Corona-Zahlen München/Bayern
: Darum meldet München keine aktuellen Corona-Zahlen

Kaum irgendwo sonst gibt es so viele Probleme mit der Aktualisierung von Corona-Zahlen wie in Bayern und der Landeshauptstadt München. Der Hintergrund liegt im Meldewesen.
Von
Michael Maier
München
Jetzt in der App anhören
  • Trister Corona-Herbst in München.

    Trister Corona-Herbst in München.

    dpa
  • Münchens Biergärten sind in Corona-Zeiten verwaist.

    Münchens Biergärten sind in Corona-Zeiten verwaist.

    dpa
1 / 2

Corona-Zahlen von vorgestern werden im November oftmals auf der Seite des Gesundheitsamts München angezeigt. Wie laut Medienberichten offenbar in ganz Bayern gibt es auch in der Landeshauptstadt erhebliche Probleme bei der Erfassung der Corona-Daten und der aktuellen Übermittlung an das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL).

„Aufgrund der hohen Fallzahlen arbeiten die Labore und auch das Gesundheitsamt derzeit am Limit. Deshalb kann es bei der Erfassung von neu bestätigten Coronafällen dazu kommen, dass nicht alle neuen Fälle noch am selben Tag ins System eingegeben werden können. Diese Fälle werden dann am Folgetag – mit dem korrekten Meldedatum vom Vortag – nachgemeldet“, so die Stadt München auf ihrer Corona-Homepage. Das Datum der Tageswerte beziehe sich grundsätzlich auf den Tag, an dem die positiven Testergebnisse bis 24 Uhr an das Gesundheitsamt gemeldet werden (Meldedatum). Allerdings könnten sich Tageswerte aufgrund von Nachmeldungen und „Qualitätskontrollen“ auch rückwirkend ändern, heißt es.

Corona-Zahlen München: Abweichung zwischen RKI, LGL und Stadt

Warum aber die vielen Abweichungen zu den vom Robert Koch-Institut (RKI) oder dem Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) gemeldeten Zahlen? Diese könnten sich von den Meldeproblemen einmal abgesehen auch aufgrund der unterschiedlichen Betrachtungszeiträume für die Tageswerte ergeben, erklärt die Stadt. Bereits im September und Oktober hatten zahlreiche Medien über die Probleme berichtet, unter anderem auch der bayrische Rundfunk.

Um den Meldeverzug möglichst gering zu halten, rufe das LGL die aktuellen Daten bereits um 16 Uhr aus dem städtischen System ab, um sie nach Prüfung rechtzeitig an das RKI weitermelden zu können. Die von LGL und RKI angegebenen Zahlen für München spiegeln damit „jeweils den Zeitraum zwischen 16 Uhr und 16 Uhr des Folgetags wider“. Die städtischen Zahlen beziehen sich hingegen immer auf einen vollen Tag, also von 0 bis 24 Uhr.

Corona-Zahlen und Infektionsschutzgesetz

Problematisch ist der Zahlen-Wirrwarr in Bayern auch deswegen, weil für obligatorische Corona-Maßnahmen die Schwellen von 35 und 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche in wenigen Tagen per Neufassung fest im Infektionsschutzgesetz verankert werden sollen. Wenn es nicht möglich ist, die Zahlen jederzeit korrekt und nachvollziehbar zu ermitteln, könnte das ganze Gesetz mitsamt der darauf begründeten Notverordnungen aus dem Bundesgesundheitsministerium auf wackliger Grundlage stehen und vor Gericht angreifbar sein, befürchten Beobachter.

Die Bundesländer Hessen und Hamburg haben bereits Bedenken angemeldet und bringen für den nächsten Corona-Gipfel von Bund und Ländern zusätzliche Parameter ins Gespräch, um das Paragrafenwerk stichhaltiger zu machen. Dem Vernehmen nach zeigt sich das Kanzleramt bislang jedoch nicht gesprächsbereit, sondern beharrt einzig und allein auf der Inzidenz, die derzeit bundesweit viel höher liegt und trotz Lockdown vielleicht nicht unbedingt sinken wird. So hatten die USA über viele Monate hinweg bei stabiler Corona-Lage Werte zwischen 80 und 120 zu verzeichnen.