Nach Hobby Horsing nun Hobby Dogging: Das hat es mit dem skurrilen Trend auf sich

Hobby-Dogging - ein neuer Trend, der im Internet für Aufsehen sorgt.
Jason Tschepljakow/dpa„Hobby Dogging“ sorgt aktuell im Internet für Lacher, Stirnrunzeln und jede Menge Kommentare – doch hinter dem skurrilen Trend steckt mehr als nur ein viraler Gag. Die ungewöhnliche Freizeitbeschäftigung für Tierfreunde kommt ohne echte Vierbeiner aus und hat dennoch einen gewissen Reiz: keine Hundesteuer, keine Tierarztkosten, keine Haare auf dem Teppich. Und vor allem: keine Hinterlassenschaften, die man einsammeln müsste. Denn der Hund existiert lediglich in der Vorstellung.
Hundetraining ohne Hund
Nachdem beim „Hobby Horsing“ schon Erwachsene mit Steckenpferden durch Parcours springen, folgt nun also das „Hobby Dogging“ – Hundetraining ohne Hund. Was klingt, als hätte eine KI es sich ausgedacht, wird in Bad Friedrichshall bei Heilbronn tatsächlich angeboten. Unter Anleitung können Interessierte dort mit imaginären Vierbeinern trainieren.
Spott und Staunen im Netz
Entsprechend fällt die Reaktion online aus. Von ironischen Kommentaren („Was auch immer die nehmen – ich will das Gleiche“) bis zur scherzhaften Verzweiflung („Ich habe dem Hund das Geschirr ausgezogen, jetzt finde ich ihn nicht mehr“) ist alles dabei. Andere wiederum zeigen reines Unverständnis und fühlen sich in ihrem Weltbild bestätigt: „Es wird immer verrückter.“
Hundetrainerin Barbara Gerlinger nimmt den Spott gelassen hin. Die 65-Jährige steht hinter dem Konzept und hat eigens Kurse dafür entwickelt – mit Hindernissen, Hütchen und viel Fantasie. „Hopp! Hopp!“, ruft sie ihren Teilnehmenden zu, die mit verstärkten Leinen über kleine Stangen steigen. „Und loben nicht vergessen!“ Daraufhin klopfen die Teilnehmer imaginäre Hunde und greifen nach unsichtbaren Leckerlis. Man meint fast, ein simuliertes Hecheln zu hören.
Vom Scherz zur Methode
Gerlinger hat die speziellen Leinen selbst gebaut. Sie weiß, dass das Ganze schräg wirkt. „Aber mal ehrlich – was ist heute nicht verrückt?“, sagt sie. Die Idee sei bei einem scherzhaften Moment im Vereinsheim entstanden. Doch der Gedanke blieb hängen: Ausgerechnet durch das Weglassen des echten Hundes lasse sich das Verhalten der Menschen besser schulen. „Das Problem liegt selten beim Hund, sondern meist auf der anderen Seite der Leine“, erklärt sie. „Es geht um Konzentration und Körperbewusstsein.“
Ohne Tier, so Gerlinger, hören viele besser zu. Der Fokus liege dann vollständig auf Haltung, Stimme und Körperspannung. „Schon 20 Minuten Konzentration auf etwas, das nicht existiert, sind überraschend anstrengend.“ Gleichzeitig sei die Methode eine gute Vorbereitung für Hundehalter, bevor ein echter Vierbeiner in den Parcours einziehe.
Viral-Hit aus Bad Friedrichshall
Gemeinsam mit ihrem Sohn hat Gerlinger ein paar Videos der Trainings online gestellt – und damit überraschend die Aufmerksamkeit von Millionen Nutzern gewonnen. Ein Clip erreichte fast fünf Millionen Aufrufe. Selbst in den USA und Japan wurde darüber berichtet. „Die halten uns für komplett verrückt“, sagt sie lachend – und reicht ihren Teilnehmern die hundelosen Leinen. „Du hast einen Rottweiler? Dann brauchst du ein größeres Geschirr!“
Eine Leine, ein Name und viel Fantasie
Teilnehmerin Anette Hilkert trägt die Idee voll mit. „Gute Maus, mein Schatz“, sagt die 61-Jährige liebevoll zu ihrer imaginären Chantal, die gerade „Platz“ gemacht hat. Für sie gehört ein Name unbedingt dazu. Ihr unsichtbarer Begleiter trägt denselben wie ihr verstorbener Boxer. Dass sie nun nur eine leere Leine führt, fühlt sich für sie trotzdem stimmig an.
Was als skurriler Trend erscheint, wird so für manche zur ernst gemeinten Übung – und für andere zumindest zu einer unterhaltsamen Beobachtung. Die Fantasie ersetzt den Hund nicht, aber sie eröffnet eine neue Perspektive auf das Zusammenspiel zwischen Mensch und Tier – selbst wenn Letzteres gar nicht anwesend ist.
