„Nachtwölfe“ in Berlin: Putins Biker auf umstrittener „Siegesfahrt“

Ein maskiertes Mitglied des russischen Biker-Clubs „Nachtwölfe“ 2019.
Kateøina ulová | dpaDer nationalistische Biker-Club „Nachtwölfe“ reist aktuell erneut von Moskau über Brandenburg nach Berlin. Was steckt hinter der Fahrt nach Deutschland?
„Nachtwölfe“ erreichen Berlin: Von Moskau über Brandenburg in die Hauptstadt
Die russischen Biker waren Ende April in Moskau gestartet. Wie im vergangenen Jahr fahren sie auf einer umstrittenen „Siegesfahrt“ von Moskau nach Berlin. Am Donnerstag hatten die russischen Motorradfahrer bereits zwei sowjetische Gedenkorte in Brandenburg besucht. Mitglieder der Gruppe legten in Schönwalde und Baruth Kränze nieder, bevor sie Richtung Berlin aufbrachen. Zuvor hatten die rund 60 Biker mit 50 Motorrädern auch einen Zwischenstopp in Dresden eingelegt. Die prorussischen Motorradfahrer erreichen die Hauptstadt am 9. Mai.

Sachsen, Dresden: Teilnehmer des russischen Motorradclubs „Nachtwölfe“ gehen anlässlich einer Kranzniederlegung über den Sowjetischen Garnisonsfriedhof.
Sebastian Kahnert/dpaStrecke in Berlin: Diese Orte besuchen die „Nachtwölfe“
Die Polizei erwarte in Berlin, dass die Biker von der westlichen Stadtgrenze zunächst zum sowjetischen Ehrenmal am Tiergarten fahren. Vorgesehen sei, dass die Motorräder in unmittelbarer Nähe abgestellt werden und die „Nachtwölfe“ in Gruppen von acht bis zehn Personen zum Denkmal gehen. Angemeldet seien 200 Teilnehmer, sagte eine Sprecherin der Berliner Polizei. Es werde jedoch damit gerechnet, dass weniger Personen erscheinen. Auch in den vergangenen Jahren seien es weniger gewesen. Darüber hinaus werde mit einem weiteren Stopp am sowjetischen Ehrenmal im Treptower Park gerechnet. Die Polizei werde die Motorradfahrer bereits ab der Stadtgrenze und dann auf der gesamten weiteren Strecke bis nach Treptow begleiten.

Die russische Rockergang „Nachtwölfe“ auf ihrer Fahrt nach Berlin.
Katharina Schröder/dpaPutins Biker: Umstrittener Motorradclub „Die Nachtwölfe“
Die Nachtwölfe sind ein 1989 in Moskau gegründeter Motorradclub und waren der erste seiner Art in der Sowjetunion. Ursprünglich anti-sowjetisch und vom Westen inspiriert, unterstützten sie in den 1990ern Präsident Jelzin, bevor sie ab den 2000er Jahren unter Anführer Alexander Saldostanow eine nationalistische und orthodox geprägte Wende vollzogen. Heute gelten sie als extreme Nationalisten und enge Verbündete des Kremls. Der Club tritt offen als Unterstützer Wladimir Putins und der Krim-Annexion auf.

Der Anführer der russisch-nationalistischen Rockergruppe «Nachtwölfe», Alexander Saldostanow, auch bekannt als Chirurg, kommt zur feierlichen Amtseinführung von Putin als russischer Präsident im Großen Kremlpalast an.
Alexander Nemenov/Pool AFP/AP/dpaDie Polizei werde bei dem Besuch 2025 in Berlin auch darauf achten, ob die Biker auf ihren Kutten beispielsweise kriegsverherrlichende Insignien zeigen. Die Polizei behalte darüber hinaus im Blick, ob es Verstöße gegen die Allgemeinverfügung gebe. Danach dürfen an den Ehrenmalen beispielsweise keine sowjetischen Flaggen gezeigt werden. Bei der Fahrt 2015 hatten deutsche Behörden die Visa mehrerer Mitglieder annulliert und deren Einreise verhindert.
Hintergrund: Das steckt hinter der Reise der „Nachtwölfe“
Am 8. Mai endete vor 80 Jahren der Zweite Weltkrieg. 2025 wurde der Tag von Berlin auch mit einem einmaligen Feiertag gewürdigt. Aufgrund der Zeitverschiebung fällt der Jahrestag in Russland auf den 9. Mai. Dort wird an diesem Tag jährlich der Sieg über Nazi-Deutschland gefeiert. Über 24 Millionen sowjetische Bürgerinnen und Bürger verloren im Zweiten Weltkrieg ihr Leben.

Russische Soldaten nehmen am 9. Mai 2025 an der Militärparade zum Tag des Sieges teil. Anlass ist der 80. Jahrestag des Sieges der Sowjetunion über Nazi-Deutschland im Zweiten Weltkrieg. Auf dem Monitor wird die Rede von Russlands Präsident Putin gezeigt.
Maxim Bogovid/Photo host agency RIA Novosti/AP/dpaIn Moskau wird anlässlich des 80. Jahrestages des Sieges über Nazi-Deutschland im Zweiten Weltkrieg eine große Militärparade veranstaltet. Der russische Präsident Wladimir Putin zog in seiner Ansprache mehrfach Parallelen zwischen dem Zweiten Weltkrieg und der russischen Offensive in der Ukraine, die er im Februar 2022 angeordnet hatte. Er rühmte dabei auch den Mut der in der Ukraine für Russland kämpfenden Soldaten. „Wir sind stolz auf ihren Mut und ihre Entschlossenheit, auf ihre Unerschütterlichkeit, die uns immer zum Sieg geführt hat“, sagte Putin am Freitag vor tausenden Soldaten und rund 20 ausländischen Staats- und Regierungschefs auf dem Roten Platz. Russland „war und bleibt eine unzerstörbare Barriere gegen Nazismus, Russophobie und Antisemitismus“, betonte er. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte die Veranstaltung in Moskau als „Parade des Zynismus“ bezeichnet. Putin hatte zuvor anlässlich der Gedenkfeiern einseitig eine dreitägige Waffenruhe im Ukraine-Konflikt verkündet. Kiew warf Russland aber vor, diese selbst zu brechen.
Mit Material der dpa und AFP
