„Ab in die Pilze“ in der DDR: So beliebt war das Pilzesammeln vor der Wende

So beliebt waren Pilze in der DDR.
Patrick Pleul/dpaDas Pilzesammeln ist seit Jahrhunderten ein beliebte und notwendige Aktivität im Herbst. Besonders in der DDR war das Sammeln von Pilzen beinahe ein Nationalsport. Wie groß der Pilz-Hype im Osten war, welche Pilz-Gerichte und giftigen Pilze damals gegessen wurden und weitere interessante Fakten zum Pilzsammeln vor der Wende.
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Pilze sammeln in der DDR: Ostdeutsche Tradition
Das Pilzesammeln war eine sehr beliebte und verbreitete ostdeutsche Familientradition. Zu kaufen gab es in der DDR, laut MDR-Bericht, nur Maronen für circa 12 Mark pro Korb, wenn man sich in einer langen Schlange anstellte. Dass es auch Steinpilze oder Pfifferlinge zu kaufen gab, war sehr selten und noch teurer. Pilze selber zu sammeln und zu essen oder haltbar zu machen, war darum sehr weit verbreitet und kostenlos. Jährlich nutzten 300.000 DDR-Bürger das Angebot der staatlichen Pilzberater in den DDR-Pilzberatungsstellen. Diese waren dem Gesundheitsministerium unterstellt.
Das Pilzesammeln war in der DDR derart verbreitet, dass es außerschulische AGs für Kinder gab, um Pilze und deren Zubereitung kennenzulernen. Es gab spezielle Kochbücher für Pilzsammler und sogar ein Pilz-Brettspiel sowie ein Quartett, Briefmarken und Streichholzschachteln zum Thema Pilze. Das „Taschenbuch für Pilzfreunde“ von Bruno Hennig gab es in fast jedem DDR-Haushalt. Die Pilze wurden damals wie heute gerne eingekocht, eingelegt, getrocknet, frisch gekocht oder gebraten. Die Techniken zum haltbar machen, haben sich bis heute gar nicht bis wenig verändert. Beliebte DDR-Rezepte mit Pilzen waren „Pilze süß-sauer“, „Pilzsuppe“, „Pilzgulasch“ oder „Pilzbohnen“.
Radioaktive Pilze in der DDR
Auch nach der Reaktorexplosion in Tschernobyl im Jahr 1986, als in anderen europäischen Ländern und in der BRD vom Pilzesammeln aufgrund der radioaktiven Verseuchung abgeraten wurde, wurden in der DDR die Pilze weiter aus den Wäldern geholt. Die Berichterstattung der DDR verharmloste die Auswirkungen der Katastrophe, obwohl vor allem Gebiete im Norden Sachsen-Anhalts und im Süden Mecklenburg-Vorpommern stark belastet waren.
In der DDR wurden giftige Pilze gegessen
In der DDR wurden außerdem Pilze gegessen, die heute als giftig gelten. Dazu gehören beispielsweise der Kahle Krempling oder der Grünling. Im Laufe der Jahrzehnte, wanderten zudem Pilzarten ein, die es damals vor der Wende noch nicht gab. Somit gab es in der DDR weniger Pilzarten als heute.
