Polen Wahl am Sonntag: Wer ist Trzaskowski, der in Umfragen ganz vorne liegt?

Der Bürgermeister von Warschau und Kandidat der Bürgerkoalition (KO) für die polnischen Präsidentschaftswahlen, Rafal Trzaskowski, trifft sich mit Anwohnern in Brzeg.
Krzysztof Swiderski/dpaRafał Trzaskowski hat bisher die besten Umfragewerte vor der Wahl des polnischen Staatspräsidenten am 18. Mai 2025. Das zeigt die aktuelle Wahl-Umfrage von Politico. Wer Trzaskowski ist, wo er herkommt und wofür er steht.
Steckbrief: Rafał Trzaskowski
Die wichtigsten Infos über Rafał Trzaskowski im Überblick:
- Name: Rafał Kazimierz Trzaskowski
- Geburtstag: 17. Januar 1972 in Warschau
- Beruf: polnischer Politiker und Stadtpräsident von Warschau
- Partei: Bürgerplattform (PO)
- Familienstand: verheiratet
- Ehefrau: Małgorzata Trzaskowski
- Kinder: zwei Kinder
- Konfession: katholisch
Trzaskowskis Werdegang
Trzaskowski ist Sohn des Musikers Andrzej Trzaskowski und spielte in der Kinderfernsehserie Nasze podwórko als Tomek mit. Er machte 1991 das Abitur in Warschau und brachte sich bereits während seiner Schulzeit bei den Parlamentswahlen in Polen 1989 als Volontär für das Bürgerkomitee der Solidarność ein und war Austauschschüler in den USA.
Nach seinem Abi studierte Trzaskowski Politikwissenschaft und Anglistik an der Universität Warschau. Er erhielt ein Stipendium an der Universität Oxford sowie ein Stipendium des Instituts der Europäischen Union für Sicherheitsstudien in Paris.
2009 wurde der heutige Präsidentschaftskandidat als Abgeordneter ins polnische Parlament gewählt, nachdem er als Dozent und Analyst gearbeitet hatte. 2013 wurde er Minister für Verwaltung und Digitalisierung. Unter Ewa Kopacz war er anschließend Staatssekretär für europäische Angelegenheiten, bis der gebürtige Warschauer 2018 zu einem der Vizepräsidenten der Europäischen Volkspartei gewählt wurde. 2018 wurde er zum Stadtpräsidenten Warschaus gewählt. Nun kandidiert Trzaskowskis für die Bürgerplattform (PO) um das Amt des polnischen Staatspräsidenten.
Wofür steht Trzaskowski?
Trzaskowski gilt als einer der PO-Parteilinken, obwohl er selber Politiker der Mitte sein möchte. Sich selbst präsentiert er auf seiner Webseite als zukunftsorientiert, für schnelle Reformen, Chancengleichheit, Wohlstand, starke Beziehungen zu EU und UN, Toleranz und Vielfältigkeit und gegen Spaltung und Krieg.
Soziales
Der Präsidentschaftskandidat setzt sich für LGBTQ-Rechte ein und wollte 2019 LGBTQ-Themen in die Sexualerziehungslehrpläne der städtischen Warschauer Schulen integrieren. In seinem Wahlprogramm auf seiner Webseite erklärt er die soziale, wirtschaftliche und kulturelle Sicherheit als Ziel. Er setzt sich für die Liberalisierung der Abtreibungsgesetze und Unterstützung des In-vitro-Programms ein. Nulltoleranz gegenüber Verbrechen steht in seinem Programm. Investitionen in die Verfügbarkeit von öffentlichen Dienstleistungen (Schulen, Krankenhäuser) sollen auf ein gleiches Niveau gebracht werden. Die regionale Identität der Polen soll geschützt und gefördert werden.
Mit dem präsidialen Investitionsfonds will er Städte und Regionen unterstützen, die mit wirtschaftlichen und sozialen Schwierigkeiten zu kämpfen haben.
Verkehrspolitik
Als Warschauer Stadtpräsident hat er für eine innenstädtische Umweltzone, die sich vorwiegend nach Fahrzeugalter richtet, Fahrradstreifen und dauerhaften Baustellen, zum Beispiel für eine weitere Metro-Linie, gesorgt. Diese Maßnahmen führten zu zahlreichen Engstellen für den PKW-Verkehr. Bei den Kommunalwahlen 2024 waren diese Maßnahmen großes Thema.
Industrie
Auf seiner Webseite beschreibt Trzaskowski seine Pläne für die Industrie. Er möchte, das Karpatenvorland zum Herzstück der polnischen Wirtschaft und Sicherheit machen. Der Plan umfasst massive Investitionen in den Straßen- und Schienenverkehr, die Entwicklung von Rüstungs- und Energieanlagen sowie die Unterstützung lokaler Unternehmen und Innovationszentren. Vorgesehen ist auch die Entwicklung der sozialen Infrastruktur: die Modernisierung von Schulen und Krankenhäusern, der Bau moderner Unterkünfte und attraktiver Freizeiteinrichtungen.
Neben dem Karpatenvorland setzt Trzaskowski einen Schwerpunkt auf die Unterstützung polnischer Unternehmer, Investitionen in moderne Technologien und der Schutz des heimischen Marktes. Polen soll wirtschaftlich stark, energetisch unabhängig und konkurrenzfähig sein. "Stabilität und Entwicklung" ist das Motto.
Sicherheit
Trzaskowski möchte einen Sicherheitspakt. Sicherheitsfragen sollte kein Gegenstand in aktuellen politischen Streitigkeiten sein. Er will einen nationalen Sicherheitsrat mit Beteiligung des Präsidenten und aller politischen Kräfte mindestens alle 60 Tage. Die Verteidigungsausgaben sollen auf 5 Prozent des BIP angehoben werden. Außerdem setzt er sich für ein Zentrum für die „Zweite Mission“, um Veteranen und ehemalige Soldaten für die Ausbildung weiterer Fachkräfte für den Staat zu gewinnen, ein. Mindestens 50 Prozent der Mittel für die Modernisierung der Streitkräfte möchte der Warschauer Stadtpräsident in die polnische Industrie investieren.
