Proteste im Iran erklärt: Warum das Land seit Ende 2025 aufbegehrt

„#FreeIran” steht während einer Demonstration zur Unterstützung der landesweiten Massenproteste gegen die Regierung im Iran auf dem Pariser Platz auf einem Schild.
Sebastian Gollnow/dpaEine Krise wird zur landesweiten Protestwelle. Seit dem 28. Dezember 2025 hat im Iran eine neue, breite Welle von Massenprotesten begonnen, die sich schnell von lokalen Unruhen zu einer landesweiten Bewegung ausgedehnt hat. Ausgangspunkt war die Tiefpunkte erreichende Wirtschaftslage, doch rasch richteten sich die Demonstrationen gegen das gesamte politische System der Islamischen Republik. Die Proteste zählen zu den nachhaltigsten und heftigsten seit Jahren und haben bereits Tausende Todesopfer und Verhaftungen gefordert.
Wirtschaftliche Ursachen für die Iran-Proteste: Inflation, Währungskollaps und Lebensnot
Ein Hauptauslöser der Proteste ist die anhaltende Wirtschaftskrise im Iran, geprägt von Hyperinflation, steigenden Preisen für Grundnahrungsmittel und dem dramatischen Wertverlust der Landeswährung, des Rial. Schon Ende Dezember 2025 war der Rial auf historische Tiefstände gefallen, wodurch die Kaufkraft der Bevölkerung massiv geschwächt wurde und die Lebenshaltungskosten für Millionen Iraner untragbar stiegen.
Die schwierige Lage wurde zusätzlich durch internationale Sanktionen, gesunkene Staatseinnahmen aus dem Ölgeschäft und eine spürbare Rezession verschärft. Viele Iraner sehen in der wirtschaftlichen Misere eine direkte Folge schlechter Regierungs- und Wirtschaftspolitik der Führung.
Iran: Von wirtschaftlichen Protesten zu politischer Unzufriedenheit
Ursprünglich begannen die Unruhen als Proteste von Händlern im Großen Basar von Teheran und anderen Städten gegen den Zusammenbruch der Wirtschaft. Doch innerhalb weniger Tage wurden die Forderungen breiter: Nicht nur wirtschaftliche Verbesserungen, sondern auch der Sturz des politischen Systems und grundlegende politische Reformen wurden laut.
Studierende, Gewerbetreibende und andere Teile der Zivilgesellschaft schlossen sich an und trugen politische Parolen vor. Damit hat sich der Charakter der Protestwelle von einer Lebensmittel- und Wirtschaftskrise-Revolte zu einer breiten gesellschaftlichen Bewegung gegen das herrschende Theokratie-Regime entwickelt.
Brutale Repression im Iran und Internet-Shutdown
Die iranischen Sicherheitskräfte reagierten auf die Massendemonstrationen mit harter Gewalt. Zahlreiche Berichte von Menschenrechtsorganisationen und Medien dokumentieren den Einsatz von Schusswaffen, Tränengas und Metallpellets gegen Demonstranten. Mindestens Tausende Menschen wurden getötet, darunter viele Zivilisten, und Zehntausende festgenommen.
Im Januar 2026 verhängte die Regierung zudem einen nahezu vollständigen Internet-Shutdown, um die Kommunikation der Protestierenden zu stören und die internationale Berichterstattung einzuschränken. Diese Maßnahme erschwert die genaue Erfassung von Ereignissen vor Ort.
Gesellschaftliche Dynamiken und politische Forderungen der Iran-Protestanten
Die Proteste spiegeln nicht nur wirtschaftliche Not, sondern auch tiefe politische Frustration wider. Viele Demonstranten fordern das Ende der autoritären Herrschaft des Obersten Führers, die Achtung der Menschenrechte und freie demokratische Prozesse. In manchen Kreisen wird sogar über alternative Staatsformen diskutiert.
Teile der Opposition im Ausland versuchen, den Protesten politisches Gewicht zu verleihen. Gleichzeitig warnen internationale Menschenrechtsorganisationen vor der zunehmenden Repression und fordern Verantwortlichkeit für die Gewalt gegen Demonstrierende.
Internationale Reaktionen und geopolitische Spannungen
Die Proteste halten auch die internationale Politik in Atem. Außenpolitische Akteure äußern sich zur Lage im Iran, wobei teilweise direkte Unterstützung für die Demonstranten angedeutet wird. Gleichzeitig nutzen iranische Behörden die Unruhen in ihrer Rhetorik, um ausländische Einflussnahme für die Krise verantwortlich zu machen.
Die Protestwelle hat damit sowohl innenpolitische als auch geopolitische Dimensionen. Wie sie sich weiterentwickelt, bleibt angesichts der heftigen Repression und der angespannten wirtschaftlichen Lage ungewiss.






Die iranische Führung hat sich mit der Bitte um Verhandlungen an die amerikanische Regierung gewandt. Hoffnungsvoll stimmt das aber nicht.