Rapperin Ikkimel
: Wer hinter der provokanten Musikerin steckt

Die Rapperin Ikkimel ist in der deutschen Musikszene nicht mehr fremd. Doch wer ist sie? Und stimmen die Gerüchte über eine Beziehung mit Ski Aggu?
Von
Paloma Schneider
Berlin
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Southside Festival: 20.06.2025, Baden-Württemberg, Neuhausen ob Eck: Ikkimel tritt auf dem Southside Festival auf. Insgesamt werden rund 60.000 Besucher erwartet. Das Festival zählt zu den größten deutschen Open-Air-Festivals. Foto: Philipp von Ditfurth/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Ikkimel kommt gebürtig aus Berlin und ist bekannt dafür, über Sex, Drogen und Party zu rappen.

Philipp von Ditfurth/dpa

Wenn man den Namen Ikkimel in eine Internetsuchmaschine eingibt, erscheint neben ihrer Biografie das Wort „Fotze“ – der Titel ihres neuesten Albums. Ikkimel ist laut, nimmt sich Raum und rappt über Party, Drogen und Sex – kurz gesagt: Sie nimmt kein Blatt vor den Mund, und Zensur scheint für sie ein Fremdwort zu sein. Die junge Rapperin aus Berlin – bekannt als „Mama Icki“ oder eben Ikkimel – ist Anfang 20 und für viele in der deutschen Musikwelt ein Schock. Auch in sozialkulturellen und feministischen Kreisen wird diskutiert, ob ihre Aussagen feministisch sind oder lediglich sexuell provozieren – also genau das, was Männer erregend finden könnten.

Wer ist Ikkimel?

Ikkimels bürgerlicher Name lautet Melina Gaby Strauß. Sie stammt aus Berlin-Tempelhof und ist als Musikerin und Performerin tätig. Ihr Musikstil vereint Hyperpop-, Jersey-Club-, Trance- und House-Elemente mit fragmentierten Beats – diesen nennt sie selbst „Fotzenstyle“. Besonders deutlich wird dies beim Titel ihres neuesten Albums: „Fotze“. Ihre bisherigen Veröffentlichungen umfassen das Album 12*, die EP „Hat sie nicht gesagt“ (April 2024), das Album „Aszendent Bitch“ (Mai 2023) und ihr aktuellstes Werk „Fotze“ (Februar 2025), das ihr besonders viel Kritik und Lob eingebracht hat.

Steckbrief:

  • Künstlername: Ikkimel
  • Bürgerlicher Name: Melina Gaby Strauß
  • Alter: 22 (Stand 20. Juni 2024, laut Management)
  • Geburtsort: Berlin
  • Staatsangehörigkeit: Deutsch
  • Haarfarbe: Braun
  • Augenfarbe: Blau
  • Management: All Artists Agency
  • Instagram: @ikkimel42

Beziehung zwischen Ikkimel und Ski Aggu

Besonders viel Aufmerksamkeit erregte Ikkimel gemeinsam mit Ski Aggu durch das Lied „Deutschland“. Die provokante Textzeile „So guck ich immer, wenn ich will, dass man mich fickt“ sorgte besonders auf TikTok für Aufsehen.

Im Musikvideo geben sich die beiden einen Kuss – seitdem kocht die Gerüchteküche, ob die beiden eine Beziehung führen. In einem Videointerview mit Das Zelt sagte Ski Aggu, dass er und seine Partnerin während der Tour in Las Vegas heiraten möchten. Auch in einer Ankündigung für ihre Tour in den USA sprachen die beide über eine Hochzeit in Las Vegas.

In einem Interview mit Red Bull Rap 100 erklärte Ski Aggu: „Wir haben uns einfach lieb“, und bezeichnete die Beziehung als „offen“. Er fügte hinzu: „Aber wer weiß, was passiert. Man kann sich ja immer noch streiten und vielleicht kracht’s oder so. Wir werden sehen, aber gerade sind wir einfach nur überglücklich.“

Ikkimels politische Haltung und feministische Botschaft

Ikkimel ist vor allem durch ihre provokanten Texte bekannt, die feministische Themen wie sexuelle Selbstbestimmung aufgreifen. In ihren Songs geht es um Sex, Clubnächte, Dominanz, Drogen, Körperbilder und toxische Männlichkeit.

Sie fordert das Recht ein, sich als Frau genauso zu verhalten, wie es Männer schon lange tun: frei, laut, unangepasst. Ihre Musik sei, wie mehrere Fachmagazine schreiben, „vulgär, explizit und direkt in die Fresse“. Ihre Videos zeigen nackte Haut, steife Nippel und dominante, sexuelle Gesten – oft gegenüber Männern. Ikkimel spielt bewusst mit Stereotypen und kritisiert dabei aber auch die Doppelmoral im Feminismus.

„Fotzen-Style“ – ist das feministisch?

Für Ikkimel gehört sexuelle Selbstbestimmung zum Feminismus dazu. Ihre Texte enthalten explizite Szenen, etwa aus ihrem Song „Böser Junge“: „Schnauze halten, Leine an, Schatz, jetzt sind die Weiber dran. Hör aufs Frauchen, bau ma’ ein’n, meine Nägel sind zu lang. Ab in’ Zwinger, noch ‘ne Runde – weil du warst ein böser Junge.“

Solche Zeilen sollen die Perspektive umkehren und bewusst mit den Mustern spielen, mit denen Männer seit Jahrzehnten – vor allem im Rap – über Frauen sprechen. Ikkimel bezeichnet sich selbst und ihren Stil als „fotzig“. Sie versucht, den negativ konnotierten Begriff „Fotze“ für sich zurückzuerobern – ähnlich wie es SXTN oder Shirin David mit Begriffen wie „Bitch“, „Schlampe“ oder der Melodie „Fotzen-Freitag“ taten.

Die Transgender-Historikerin Jules Gill-Peterson von der Johns Hopkins University beschreibt das Wort „Cunt“ im Rolling Stone in ähnlichem Kontext als Symbol für „eine selbstbewusste, energetische und sexuell selbstbestimmte Haltung“. Eine Definition, die gut zu Ikkimels Selbstverständnis passt.

Warum wird Ikkimel so stark kritisiert?

Viele betrachten ihren Feminismus als Widerspruch in sich: Eine Frau, die über Sex rappt, sich im Bikini zeigt und ihren Hintern bewegt – kann das feministisch sein? Die Antwort polarisiert. Ikkimel nutzt bewusst vulgäre Sprache und rappt über abwertendes Verhalten gegenüber Männern – was viele zu stören scheint.

Als studierte Sprachwissenschaftlerin weiß sie genau, wie ihre Texte wirken sollen: polarisieren und Sexismus sichtbar machen. Sie vertauscht Rollenbilder. Doch der Hass, den sie erfährt, kommt nicht nur von Kritiker und auch Kritikerinnen, sondern ist Ausdruck von Misogynie. Denn während Männer seit Jahrzehnten frauenverachtende Texte schreiben dürfen, gelte das Verhalten von Frauen, die solche Rollen umkehren, als obszön.

Selbst innerhalb der feministischen Szene gibt es Kritik: Manche werfen Ikkimel vor, sich dem „male gaze“ unterzuordnen – also sich für den männlichen Blick zu inszenieren. Dahinter könne internalisierte Misogynie stecken: Frauen, die sich sexy kleiden, viel Sex haben oder sich schminken, würden schnell als „Schlampen“ abgestempelt. Ein Beispiel: Im Lied „Deutschland“ singen sowohl Ikkimel als auch Ski Aggu dieselben Zeilen. Doch nur bei Ikkimel hagelte es Kritik.

Ikkkimel sorgt für Inklusion – und wird übersehen

Ikkimel richtete bei ihren Konzerten einen abgetrennten Bereich für sensible Gruppen ein: ein Rückzugsort für Menschen mit Panikattacken, Neurodivergente und Schwangere. Als später ein männlicher Künstler – Ski Aggu – ein ähnliches Konzept präsentierte, wurde er dafür sogar in einem Post der Tagesschau gefeiert – während Ikkimel dafür kaum Aufmerksamkeit bekam. In den Kommentaren kritisieren viele diese Ungleichbehandlung.

So wurde Ikkimel bekannt

2021 erhielt sie eine Förderung durch die Initiative Musik und veröffentlichte 2022 ihre ersten Singles. Am 5. Mai 2023 erschien ihre erste EP „Aszendent Bitch“. 2023 nahm sie das Label Four Music (Sony Music) unter Vertrag. 2024 verwendete die Partei Die PARTEI ihren Song „Bezahlen“ für einen Radio-Wahlwerbespot zur Europawahl.

Heute erreicht sie auf Spotify 2.5 Hörer und Hörerinnen im Monat. Ihr Song „Keta und Krawall“ ist mit knapp 38 Millionen Klicks ihr bislang erfolgreichstes Lied und schaffte es auf die deutschen Charts.

Ihr Künstlername setzt sich zusammen aus dem Berliner Ausdruck „Icke“ für „Ich“ (Berliner-Dialekt) und ihrem Vornamen Melina – so entstand „Ikkimel“.

Ikkimels Leben vor der Musikkarriere

Bevor die Berlinerin sich hauptberuflich der Musik widmete, studierte Ikkimel an der Freien Universität Berlin. Sie absolvierte einen Kombinations-Bachelor in Deutscher Philologie und Sozial- und Kulturanthropologie mit sprachwissenschaftlichem Schwerpunkt. Von 2018 an arbeitete sie im Brain Language Laboratory der Universität und beschäftigte sich dort mit sprachwissenschaftlicher Forschung.

Konzerttermine von Ikkimel

  • 10.07.2025: OpenAir Frauenfeld (CH)
  • 19.07.2025: Happiness Festival
  • 18.07.2025: Parookaville
  • 26.07.2025: Juicy Beats Festival
  • 02.08.2025: Szene OpenAir (AT)
  • 03.08.2025: Germany goes Zrce (HR)
  • 08.08.2025: Rocco del Schlacko
  • 09.08.2025: SonneMondSterne
  • 14.08.2025: FM4 Frequency (AT)
  • 15.08.2025: San Hejmo Festival
  • 17.08.2025: Highfield Festival
  • 31.08.2025: Superbloom Festival
  • 06.09.2025: OFFEN FÜR ALLES – Ikkimel & Friends Open Air