Rosen im Supermarkt: Was eine Rose erlebt hat, bevor sie in der Vase steht

Rosen aus dem Supermarkt sind schon geflogen - die unbekannte Wahrheit über Schnittblumen.
Pia Bayer/dpaRosen gehören zu den meistverkauften Schnittblumen in Deutschland. Sie liegen in Supermärkten, stehen in Blumenläden und werden zu besonderen Anlässen verschenkt. Doch nur wenige Verbraucherinnen und Verbraucher wissen, wo diese Rosen ursprünglich angebaut wurden. Der Blick hinter die Kulissen des internationalen Blumenhandels zeigt: Die meisten Schnittrosen haben eine lange Reise hinter sich, bevor sie in deutschen Vasen landen.
Importware Rose
Der überwiegende Teil der in Deutschland verkauften Schnittrosen stammt nicht aus heimischem Anbau. Schätzungen zufolge sind 80 bis 90 Prozent Importware. Deutschland kann den hohen Bedarf an Rosen aus klimatischen und wirtschaftlichen Gründen nicht selbst decken. Die Anbausaison ist begrenzt, und die Produktion in beheizten Gewächshäusern wäre im Vergleich deutlich teurer und energieintensiver.
Die Niederlande als Drehscheibe Europas
Eine zentrale Rolle im Rosenhandel spielen die Niederlande. Sie gelten als wichtigster Handelsplatz für Schnittblumen in Europa. Viele Rosen, die in Deutschland verkauft werden, gelangen über niederländische Blumenbörsen in den Handel. Das bedeutet jedoch nicht, dass sie dort auch angebaut wurden. Die Niederlande fungieren vor allem als logistisches Zentrum, in dem Blumen aus aller Welt zusammengeführt, sortiert und weiterverteilt werden.
Rosen-Anbau in Afrika und Südamerika
Ein großer Teil der Rosen wird in Ländern angebaut, in denen das Klima besonders günstige Wachstumsbedingungen bietet. Kenia zählt zu den wichtigsten Herkunftsländern für Schnittrosen. Dort wachsen sie ganzjährig unter natürlichen Bedingungen und werden anschließend per Flugzeug nach Europa transportiert. Auch Äthiopien hat sich in den vergangenen Jahren zu einem bedeutenden Produktionsstandort entwickelt. Darüber hinaus stammen Rosen aus südamerikanischen Ländern wie Ecuador und Kolumbien, die ebenfalls auf den Export spezialisiert sind.
Europäische Produktion als Ergänzung
Neben den großen Anbauregionen außerhalb Europas gibt es auch innerhalb der EU eine begrenzte Rosenproduktion. Länder wie Italien tragen in kleinerem Umfang zur Versorgung des Marktes bei. Dennoch bleibt ihr Anteil im Vergleich zu den Importen aus Afrika und Südamerika gering.
Rosen: Ein globales Produkt mit langer Reise
Die Rose im deutschen Blumenladen ist damit meist ein globales Produkt. Oft wurde sie in Afrika oder Südamerika angebaut, in den Niederlanden gehandelt und schließlich nach Deutschland transportiert. Diese internationale Lieferkette ermöglicht eine ganzjährige Verfügbarkeit zu vergleichsweise niedrigen Preisen, wirft jedoch zugleich Fragen nach Umweltbelastung, Arbeitsbedingungen und Nachhaltigkeit auf. Wer Rosen kauft, erwirbt also nicht nur eine Blume, sondern auch ein Stück globalisierten Handels.
