Bauernprotest in MV: Schäfer sorgt mit 400 Schafen für Stau auf B194

Mit 400 Schafen wollte ein Schäfer in der Stralsunder Innenstadt protestieren. (Symbolbild)
Peter Kneffel/dpaDer Schäfer Ingo Stoll aus Langsdorf (Mecklenburg-Vorpommern) wollte heute eigentlich 400 Schafe durch die Stralsunder Innenstadt treiben. Dies wurde ihm vom Landkreis unter anderem mit Verweis auf den Tierschutz untersagt.
Stattdessen setzte der Schäfer seine Herde über die Bundesstraße B 194 zu einer anderen Koppel um und trieb die Tiere anschließend wieder zurück. Es kam zu Stau.
Bereits 2021 fiel der Schäfer, der kurz vor dem Ruhestand steht, mit einer weiteren Protestaktion auf. Er brachte - nach seinen Aussagen - vom Wolf gerissene Schafe in die Innenstadt.
Diese Gründe nennt der Schäfer für seinen Protest
Stoll hütet seit mehr als 45 Jahren Schafe und ist im Vorstand des Landesschaf- und Ziegenzuchtverbandes sowie Sprecher der Abteilung Berufsschäfer, der Vereinigung Deutscher Landesschafzuchtverbände.
Nach Aussage des 64-Jährigen, der eigentlich in Rente gehen will, verhindert die Agrarpolitik, dass er einen Nachfolger findet, der die Herde übernimmt. Angesichts sinkender Fördermittel bekämen Interessenten nicht ausreichend Kredit von Banken. Die Schäferei lebe zum großen Teil von Fördermitteln.
Ohne Nachfolger werden Tiere im kommenden Jahr geschlachtet
Wenn der Schäfer im kommenden Jahr keinen Nachfolger finde, „dann werden 2025 diese Schafe alle zum Schlachten gehen. Schafe, die eigentlich noch neun, zehn Jahre leben könnten und diese Landschaft pflegen könnten“.
Schäfer arbeiteten unter den aktuellen Bedingungen für weit weniger als den Mindestlohn. „Das heißt, das müssen schon alles Enthusiasten sein.“
Bereits 2023 hatte ein Schäferkollege von Stoll aus genau diesem Grund mit einer Aktion bundesweit für Aufsehen gesorgt. Der Schäfer Hans (damals 64) saß mit seinen drei Schäferhunden in verschiedenen Fußgängerzonen in Deutschland und bettelte um Geld.
Der Schäfer musste nach eigenen Aussagen seine Herde abgeben, weil er nicht mehr davon leben konnte. Wie u.a. die Ostsee Zeitung berichtete, arbeitete der Schäfer nach Aufgabe der Herde im Sommer für Schafhalter und war im Winter arbeitslos.
Schäfer Stoll hat bereits 2021 mit toten Schafen in der City protestiert
Deutlich kritisiert er auch die aus seiner Sicht mangelnde Unterstützung der Schäfer beim Thema Wolf. Die bereitstehenden Mittel reichten nicht aus. Er habe beispielsweise 40 Hektar Land eingezäunt. Das habe ihn über 60 000 Euro gekostet. „Jetzt ist das null Euro wert“. Grund seien später in Kraft getretene Richtlinien, nach denen der Zaun 20 Zentimeter zu niedrig sei. „Da geht einem irgendwo die Galle hoch.“
Für Aufsehen hatte Stoll schon 2021 gesorgt, als er aus Protest tote Schafe in der Stralsunder Innenstadt brachte, die nach seiner Aussage einem Wolf zum Opfer gefallen waren.
Schon die ganze Woche haben Bauern in ganz Deutschland unter anderem mit Blockaden und Traktor-Konvois gegen die Agrarpolitik demonstriert.
Am kommenden Montag (15. Januar 2024) findet zum Abschluss der Protestwoche eine Sternfahrt nach Berlin zur Straße des 17. Juni statt. Es werden im gesamten Stadtgebiet erhebliche Störungen erwartet.

