Corona Schule: Maskenpflicht und Wechselunterricht: Darüber wird beim Gipfel nachgedacht

Maskenpflicht bald auch überall an der Grundschule?
dpa- Unstrittig ist beim Corona-Gipfel eine Maskenpflicht ab Klasse 7
- Möglicherweise trifft die Pflicht auch künftig auch viele Grundschüler
- Zum Wechselunterricht ab Klasse 11 oder 7/8 gibt es unterschiedliche Planspiele
- Die 16 Bundesländer vertreten teilweise gegensätzliche Positionen, etwa Bayern und Mecklenburg-Vorpommern
Vor dem Gipfel mit Bund und Ländern herrscht Unklarheit zum Thema Schule. Dass neue Corona-Regeln kommen werden, ist zwar bereits klar, doch war am Mittwochmorgen noch offen, wo und für wen genau. Anders als beim Lockdown im Frühjahr soll der Betrieb an Schule, Kita und Kindergarten weiter laufen, heißt es aus der Politik. Zugleich wurde dieses Ziel im Vorfeld des Gipfels von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und den Ministerpräsidenten bereits mit dem vielfach geäußerten Wunsch nach vorgezogenen Ferien aufgeweicht.
Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier misst den Beratungen von Bund und Ländern an diesem Mittwoch über das weitere Vorgehen in der Corona-Krise eine hohe Bedeutung zu. „Das ist diesmal eine der entscheidenden Ministerpräsidentenkonferenzen in der gesamten Geschichte des Föderalismus“, sagte der CDU-Politiker in einer vorab aufgezeichneten Videobotschaft für einen Mittelstandskongress der Unions-Bundestagsfraktion am Mittwoch.
„Es kommt darauf an und davon hängt viel ab, ob es uns gelingt, durch ein starkes gemeinsames föderales Auftreten und Agieren dafür zu sorgen, dass die Pandemie, was die gesundheitlichen Folgen angeht, in den Griff bekommen wird“, sagte Altmaier. Er nahm am Mittwoch an den Beratungen von Bund und Ländern teil. Es komme darauf an, eine Überforderung des Gesundheitswesens verhindern. Zugleich sagte Altmaier: „Es kommt auch darauf an, dass wir den Menschen irgendwann wieder ein einigermaßen normales Leben ermöglichen.“
Kommt die Maskenpflicht an der Grundschule auch in BW?
Relativ unstrittig ist eine Maskenpflicht ab Klasse 7 in Regionen mit „deutlich mehr als 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen“. Zwar ist die Formulierung nicht ganz eindeutig, doch am Ende dürften wohl 80 oder 90 Prozent des Bundesgebiets betroffen sein. Für Grundschüler, Fünft- und Sechstklässler wird die Maskenpflicht möglicherweise nur als Kann-Bestimmung für die einzelnen Länder kommen, wobei sich hier unter anderem Bayern und Baden-Württemberg in der Vergangenheit als Hardliner hervorgetan haben, da in Süddeutschland die Infektionszahlen höher sind als im Norden. Ausnahmen von neuen Einschränkungen wird es nach dem Willen von Bund und Ländern wohl nur in wenigen Landkreisen in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern geben, da die Inzidenz dort bislang unter 50 lag.
Wechsel- und Fernunterricht ab Klasse 7/8 oder ab Klasse 11?
In besonderen „Infektionshotspots“ soll darüber hinaus auch der Wechselunterricht in älteren Jahrgängen mit Ausnahme der Abschlussklassen forciert werden, geht aus bereits durchgesickerten Positionspapieren hervor. Insbesondere Schüler ab Klasse 11 sollen davon betroffen sein - laut Medienberichten möglicherweise aber auch jüngere bis hinunter zu den Klassen 7 oder 8. Die Definition von „Hotspots“ ist dabei bisher unklar. Ob der Wechselunterricht wochenweise oder tageweise stattfindet oder ob nur noch förderungsbedürftige Schüler persönlich kommen dürfen, wäre den Ländern und den einzelnen Schulen überlassen.
Österreich versucht es hingegen mit einer vorübergehenden De-Facto-Aufhebung der Schulpflicht. Die Familien haben dort die Wahl, ob sie in Kita und Schule Präsenzunterricht wahrnehmen wollen oder nicht. 20 Prozent machen trotz Lockdown davon Gebrauch, und somit viel mehr als im Frühjahr.
Schnelltest-Strategie statt Schul-Lockdown mit Fernunterricht?
Eine Alternative zum Schul-Lockdown wären Coronatests. „Zur Aufdeckung von Infektionsketten sollen in den Schulen verstärkt Antigen-Schnelltests eingesetzt werden“, heißt es in dem Papier der Ministerpräsidenten. Nun heißt es, dass der Bund „ausreichende Testkapazitäten“ sichern soll.
Im Fall eines positiven Corona-Tests bei einem Schüler müsste dessen Klasse oder Gruppe künftig zunächst für fünf Tage in Quarantäne. Negativ getestete Schüler könnten nach der „Verdachtsquarantäne“ wieder zum Unterricht zugelassen werden. „Der Unterricht der Klasse kann also ab Tag fünf fortgesetzt werden“, so die Beschreibung der möglichen neuen Teststrategie. Last, but not least ist auch an eine Entzerrung der Schülerbeförderung mit zusätzlichen Bussen gedacht.
Eisenmann: „Wechselunterricht wäre ein existenzieller Fehler“
Unterdessen hat sich Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann vehement gegen die Forderungen gestemmt,Schüler im Wechsel in der Schule und zu Hause unterrichten zu lassen. „Wechselunterricht in Baden-Württemberg wäre ein existenzieller Fehler“, sagte die CDU-Politikerin am Mittwoch in Stuttgart. Es gebe auch keine guten Argumente, warum diese Form des Unterrichts aus Schutz vor Corona-Infektionen eingeführt werden sollte. „Für den Wechselunterricht spricht gar nichts. Es gibt keine inhaltliche Begründung, weder Zahlen noch Fakten“, sagte sie bei einer dpa-Kundenkonferenz weiter.
Der Wechselunterricht sei in Baden-Württemberg bereits zwischen Pfingsten und den Sommerferien ausprobiert worden - allerdings ohne durchschlagenden Erfolg, kritisierte Eisenmann die jüngsten Forderungen von Verbänden. Unter anderem hatte sich die neue Landeschefin der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Monika Stein, für einen Schichtunterricht mit geteilten Kassen ausgesprochen.
Aktuell Lockdown-gefährdete Hotspots in BW
Stadt Heilbronn (260,7)
Lörrach (213,8)
Stadt Mannheim (235,6)
Stadt Pforzheim (211)
Tuttlingen (226,6)
in Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche
Stand: 25.11.
Quelle: Statistisches Landesamt
